| |
Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
Vom Global Compact zu Global Governance?
Bewaffnete Konflikte: Ganzheitliche Sicht
Staatszerfall: Beiträge zur Debatte
Afrika: Schweizer Erfahrungen
 07/2004
|
|
Bewaffnete Konflikte: Ganzheitliche Sicht
Paul Collier, Anke Hoeffler u. a.:
Breaking the Conflict Trap.
Civil War and Development Policy.
Washington, D.C., World Bank und Oxford University Press 2003,
320 Seiten, 25,99 Euro, ISBN 0-8213-5481-7
Seit dem Ende des Kalten Krieges nehmen weltweit die bewaffneten Konflikte zu. Die Ursachen der Bürgerkriege, welche die globale Konfliktlandschaft prägen, werden häufig im Bereich ethnischer Spannungen, jahrhundertealter Feindschaften oder negativer Überreste des Kolonialismus gesehen. In den vergangenen Jahren entstanden jedoch Ansätze einer neuen Betrachtungsweise. Sie macht die aktuellen politischen und vor allem ökonomischen globalen, regionalen und nationalen Zusammenhänge für das regelmäßige Aufflammen gewaltsamer Konflikte verantwortlich. Zu dieser Denkrichtung gehört auch Breaking the Conflict Trap. Civil War and Development Policy.
Die Kernthese der Autoren lautet: Bürgerkriege signalisieren immer ein Scheitern von Entwicklung. Umgekehrt könne eine verstärkte Unterstützung von Entwicklungsprozessen die Wahrscheinlichkeit von Bürgerkriegen senken und nicht nur nationale, sondern auch regionale und globale Kosten vermeiden helfen. Aufgrund von Untersuchungen folgert die For-schergruppe, dass Bürgerkrieg und ökonomische Entwicklung im Positiven wie im Negativen eng zusammenhängen, zweitens, dass das Risiko eines Bürgerkrieges von Staat zu Staat beträchtlich variiert und Länder ohne ökonomische Entwicklung Gefahr laufen, in eine Spirale wiederkehrender Konflikte zu geraten. Drittens liege das häufige Auftreten von Bürgerkriegen an der Passivität der internationalen Gemeinschaft, weil diese die Ursachen auf der religiösen und ethnischen statt auf der weltwirtschaftlichen Ebene ansiedele.
Die Autoren zeigen die Kosten von Bürgerkriegen auf und dass diese jeden möglichen Schritt einer Gesellschaft nach vorne um ein Vielfaches überwiegen. Doch welche Bedingungen machen ein Land anfällig für Bürgerkriege? Das Buch analysiert Faktoren, die Konflikte verursachen, erhalten und verlängern, und kommt zu dem Schluss, dass neben ganz speziellen Charakteristika stets fallübergreifende Muster in den sozialen, politischen und ökonomischen Gegebenheiten eines Landes zu erkennen sind. Eine Gesellschaft, in der einmal ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist, laufe Gefahr, in eine Spirale gewalttätiger Auseinandersetzungen zu geraten. Alle Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft hätten das bislang nicht verhindert.
Der größte Erkenntniswert des Buches liegt in der Betonung der Nachwirkungen, die ein innergesellschaftlicher Konflikt mit sich bringt: Bürgerkriege enden nicht mit einem Friedensschluss. Oft wirken die Ursachen über ihn hinaus und führen das Land in den nächsten Konflikt. Mit Blick auf die Millennium Development Goals kommen die Autoren zum Schluss, dass auch die Bürgerkriegshäufigkeit bis 2015 um die Hälfte gesenkt werden könnte, würde man nur ihre Ratschläge befolgen. Eine für den Leser naive Einstellung, wenn man bedenkt, wie wenig Konkretes in den vergangenen Jahren zur Verringerung der globalen Armut getan wurde und dass die global players wohl auch künftig nicht zu grundlegenden Veränderungen in der globalen Wirtschafts- und politischen Struktur bereit sein werden.
Cornelia Franke
|