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Armutsbekämpfung und höhere Bildung


07/2005
 

[ Universitäten ]

Armutsbekämpfung und höhere Bildung

Für Lidia Brito, Professorin für Forstwirtschaft und früheres Mitglied der Regierung von Mosambik, beeinflussen „Technologie, Globalisierung und die digitale Revolution” das Leben in ganz Afrika. Höhere Bildung ist ihrer Ansicht nach deshalb von zentraler Bedeutung für Entwicklungsländer. Afrika brauche qualifizierte Akademiker als „Brücken zum internationalen Wissenspool“. Universitäten müssen auf den neuesten Stand gebracht werden, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können, argumentiert die frühere Ministerin für Hochschulbildung. Das vorherrschende konventionelle Klima, geprägt durch bürokratische und rigide Curricula, sei diesem Ziel hinderlich. Schon viel zu lange, klagt sie, absolvieren die Studenten und Studentinnen veraltete Studiengänge und verlassen die Universitäten, „ohne ihrem Land etwas geben zu können“. Brito betont, dass Universitäten sich nicht auf die Lehre beschränken dürfen, sondern sich auch an relevanter Forschung beteiligen müssen, wenn sie Arbeitskräfte adäquat ausbilden wollen. Dafür bräuchten sie freilich auch entsprechende Mittel.

Solche Argumente trafen auf offene Ohren bei einer Konferenz von Nuffic, der niederländischen Organisation für internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich, Ende Mai in Den Haag. Im Auftrag der niederländischen Regierung hatte Nuffic Wissenschaftler aus aller Welt eingeladen, um über neue Ansätze zur Förderung der Hochschulbildung in den Entwicklungsländern zu beraten. Die Konferenz drehte sich weniger um Vorträge und Präsentationen, vielmehr waren die Teilnehmer in kleinen Arbeitsgruppen beschäftigt und befassten sich dort mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Hochschulbildung in armen Ländern.

Ein Ergebnis der Konferenz war, dass die Bedeutung universitärer Ausbildung für die Armutsbekämpfung neu zu bewerten sei. Auf den ersten Blick gibt es wenig Berührungspunkte zwischen beiden, ist Hochschulbildung doch eher an den Mitgliedern der Mittelklasse ausgerichtet, die eine berufliche Karriere anstreben. Kenneth King von der Universität in Edinburgh hebt dennoch den Bedarf an „Exzellenz-Zentren“ und an Spitzenforschung in den Entwicklungsländern hervor. Modellhafte Beispiele sind für ihn die Indian Institutes for Technology and Management. Die Institute sind als Sprungbretter für internationale Karrieren von Ingenieuren und Wirtschaftsführern bekannt, fördern jedoch zugleich den Aufbau von High-Tech-Wachstumsindustrien in Indien selbst, wie King betont.

Ein niederländischer Beamter resümierte am Schluss der Tagung, höhere Bildung sei „unverzichtbar“ für das Erreichen der Millenniumsziele. Sie trage zur Stärkung der Regierungsführung bei, schaffe entwicklungspolitisch nutzbares Wissen, sorge für ausgebildete Mitarbeiter in Armutsbekämpfungsprogrammen, etwa im Gesundheitsbereich, und verschaffe Ländern Zugang zu internationaler Expertise.

Am Ende der Konferenz in Den Haag kam eine Idee auf, die das Interesse der holländischen Regierung fand: die Gründung einer neuen multilateralen Institution. Sie sollte unabhängig, flexibel und effizient sein und von Geber- und Nehmerländern gemeinsam getragen werden. Sie könnte die Mittel verschiedener Geber in einem gemeinsamen Pool verwalten und auf verantwortungsvolle Art verteilen. Höhere Bildung muss nämlich beständig über lange Zeiträume gefördert werden und darf nicht das Objekt vorübergehender politischer Moden werden. Jan Hoekema, im niederländischen Außenministerium für internationale kulturelle Zusammenarbeit zuständig, bezeichnete in seiner Abschlussrede einen multilateralen Ansatz in diesem Zusammenhang als viel versprechend. (dem)