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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
UNEP-Bildatlas
Globalisierung, Destabilisierung und Konflikte
Menschen, Gewalt und Geschäfte
Zukunftsfragen der Entwicklungspolitik
 07/2005
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Globalisierung: Neue Sichtweisen
Peter Jüngst:
Raubtierkapitalismus? Globalisierung, psychosoziale
Destabilisierung und territoriale Konflikte.
Gießen, Psychosozial-Verlag 2004,
262 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 3-89806-345-3
Über die Folgen der Globalisierung ist viel geschrieben worden. Peter Jüngst macht ein neues Diskussionsfeld auf, wenn er unter Rückgriff auf die Psychoanalyse Erich Fromms, die Figurationssoziologie von Norbert Elias und die Aggressionstheorien von Konrad Lorenz die psychodynamischen Aspekte der Globalisierung in den Blick nimmt. Hat die Wissenschaft in der Vergangenheit territoriale, nationale und kulturelle Konflikte primär aus der Psychodynamik der unmittelbar beteiligten Gruppen und ihrer Führer gesehen, geht er einen Schritt weiter. Jüngst sieht die politischen und ökonomischen Prozesse, die sich in der Globalisierung artikulieren, von einer eskalierenden psychosozialen Dynamik determiniert, die den Beteiligten in einem hohen Ausmaß unbewusst bleibt.
Basis dieser Dynamik ist nach Jüngst ein paranoid-schizoider Raubtierkapitalismus, der von der spekulativen Gier der Shareholder-Ideologie angetrieben wird. Die von ihr dominierten westlich-industriellen Gesellschaften seien nicht in der Lage, notwendige emphatische und ganzheitliche Bezüge zu entwickeln. Ohne diese aber könnten sie auch keine gerechte Welt schaffen. Andererseits trügen die paranoid-schizoiden Aspekte der Globalisierung zur Eskalation von territorialen Konflikten bei mit zerstörerischen Folgen für die jeweiligen Gesellschaften und die gesamte Menschheit.
Jüngst erklärt seine These damit, dass sich im Postfordismus die Produktionsvorgänge und die Anforderungen an den Faktor Arbeit rasant verändern. Das führe zu Deregulierungen an den Produktionsstandorten und zum Abbau rechtlicher und vertraglicher Regelungen, die zuvor den psychosozialen Kompromiss des Sozialstaates bestimmten. Managementkonzepte und der auf den Führungskräften lastende Druck, das fortwährende Ringen um Wachstum, Spitzenpositionen und Überlebensstrategien, zögen Labilisierung und Auflösung von psychosozialen Kompromissen nach sich. Das habe Folgen weltweit.
Peter Jüngsts Arbeit ist eine ausgezeichnete kritische Reflexion über eine andere Sichtweise der Globalisierung. Der von ihm begonnene Diskurs sollte weiter geführt werden.
Jos Schnurer
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