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„Die Zukunft beginnt in den Kommunen“

Tsunami-Partnerschaften: Positive Bilanz


07/2005
 

[ Tsunami-Partnerschaften ]

Im Auftrag des Kanzlers:
Positives Urteil von Christina Rau


[ Von Renate Wolbring ]

Die Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers für die Partnerschaftsinitiative, Christina Rau, hat in einem Zwischenbericht vor dem Kabinett eine positive Bilanz gezogen. Der Frau des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau zufolge registrierte die Initiative für die vom Tsunami zerstörten Kommunen bislang über 1300 Hilfsangebote. Neben 392 Schulen und 346 Kommunen boten auch 195 deutsche Unternehmen den betroffenen Gemeinden ihre Hilfe beim Wiederaufbau an. Der Bundeskanzler hatte in seiner Neujahrsansprache zu Partnerschaften aufgerufen.

Dieser Appell traf auf eine beeindruckende Resonanz bei den Bürgerinnen und Bürgern, betonte Christina Rau. Wie die Ex-First Lady berichtete, arbeitet die bei InWEnt eingerichtete Initiative bei der Vermittlung von Partnerschaften mit Süd- und Südostasien nach der Devise „Qualität geht vor Schnelligkeit“. Die Hilfe aus Deutschland soll sich an dem Bedarf in den betroffenen Ländern orientieren und entwicklungspolitisch vernünftig sein. Den Bedarf zu ermitteln, die Projekte sorgfältig zu prüfen und mit den vielfach überlasteten Verwaltungen in der Flutregion abzustimmen erfordere Zeit. Deshalb konnte die Initiative noch nicht alle deutschen Hilfsangebote vermitteln. Knapp 70 Projekte sind jedoch bereits angelaufen.

Die Projekte sind ebenso zahlreich wie vielfältig. So schlossen sich in Worms (Rheinland-Pfalz) unmittelbar nach der Flut die örtlichen Hilfsorganisationen zur Aktion „Worms hilft“ zusammen und riefen zu Spenden für die Opfer der Flut auf. Über 300 Firmen, Verbände und Geschäfte sind mittlerweile Partner der Aktion. 85 000 Euro spendeten die Bürgerinnen und Bürger. Weniger als drei Monate nach der Flut konnte das Bündnis die Ambulanz im Krankenhaus von Dickwella (Sri Lanka) fertig stellen. Im Moment wird die Kinderklinik bedarfsgerecht umgebaut. Eine neue Brauchwasserversorgung für alle Toiletten des Krankenhauses wurde ebenfalls installiert. Für den Neubau des Kottegoda Colleges hat die Aktion ein Grundstück erworben. Der Baubeginn steht unmittelbar bevor. Nach dem Wiederaufbau der drei lokalen Schulen sollen Schul- und Kindergartenpartnerschaften zwischen Worms und Dickwella die Beziehungen weiter pflegen.

In einer konzertierten Aktion wird auch das Krankenhaus Permata Hati in der Nähe von Banda Aceh instand gesetzt. Daran wirken Einzelspen ebenso mit wie die Kommunen Cottbus, Guben, Enningerloh und Hohenstein sowie die Verwaltung des Hochsauerlandkreises und der deutsche Verein FIG Indonesia. Das Krankenhaus verfügt über 50 Betten. 30 000 Euro Spendengelder sind zugesagt und teilweise überwiesen. Neue medizinische Geräte konnten beschafft werden. Ende Mai nahm das Krankenhaus wieder seinen Betrieb auf. Die Aktion Medeor will mit Medikamentenspenden sicherstellen, dass 20 Prozent der Behandlungen künftig gratis für bedürftige Personen angeboten werden.

Der Wiederaufbau der zerstörten Dörfer, Städte und Infrastruktur wird Jahre dauern. Die betroffenen Regionen benötigen dafür langfristige Partnerschaften, die sie nachhaltig unterstützen. Die Partnerschaftsinitiative ergänzt die Bemühungen der Bundesregierung um den Wiederaufbau und die Entwicklung in den überschwemmten Regionen. Die Bundesregierung rückt damit einen wichtigen Teil von Eine-Welt-Arbeit in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses: die kommunale Entwicklungszusammenarbeit. Die Partnerschaftsinitiative lässt sich vom Prinzip der Subsidiarität leiten. Sie berät und vermittelt dort, wo noch keine Kontakte bestehen.

Die Unterstützung für die Opfer der Flut in Süd- und Südostasien ist die größte Hilfsaktion, die es jemals in Deutschland gab. Die Bundesregierung hat dafür staatliche Entwicklungshilfe in Höhe von 500 Millionen Euro für die nächsten drei bis fünf Jahre bereitgestellt. Bereits bis Ende Januar hatten die Deutschen mehr als 500 Millionen Euro gespendet.

Christina Rau zeigt sich über die mitmenschliche Anteilnahme und die entschlossene Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik sehr erfreut: „Ich bin allen, die mithelfen wollen, die Folgen der Katastrophe zu lindern, sehr dankbar. Jede neue Partnerschaft schlägt eine dauerhafte Brücke zwischen den Menschen hier und denjenigen, die in den vom Tsunami verwüsteten Regionen leben. Das bringt uns über den Tag hinaus einander näher.“ Entscheidend sei, dass die Hilfe dorthin kommt, wo sie benötigt wird: „Wir brauchen einen langen Atem. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern.“



Renate Wolbring
arbeitet bei der InWEnt-Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, in der auch die Partnerschaftsinitiative angesiedelt ist.
renate.wolbring@inwent.org