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Politische Stiftungen fördern Demokratie
Drogen: Teilerfolg in Thailand
Der Prophet war für Gleichberechtigung
 07/2005
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[ Drogen ]
Teilerfolg inThailand
Thailand ist das ungewöhnliche Beispiel eines Landes, dem es gelang, den Rauschmittelanbau zu beenden. Aufeinander folgende Regierungen haben dies nicht nur durch eine strenge Durchsetzung der Gesetze erreicht, sondern auch, indem sie der nördlichen Bergregion eine umfassende Entwick-lung ermöglichten. Die Bedingungen, unter denen dies geschah, sind lokalspezifisch. Thailands generelle Drogenprobleme bleiben jedoch ungelöst.
[ Von Rüdiger Korff und Ruth Sharifa Djedje ]
Die Produktion von Opium ist in Thailand praktisch irrelevant geworden. Das ist bemerkenswert schließlich war der Mohnanbau für die indigenen Bergvölker in den nördlichen Regionen des Landes früher überlebensnotwendig. Sie züchteten Opium und verkauften es an chinesische Händler. Damit hatten sie ein Einkommen, um Lebensmittel insbesondere Reis zu kaufen und für Mitgiften zu sparen. Obwohl der Anbau von Mohn arbeitsintensiv ist, sind die Ansprüche der Pflanze vergleichsweise gering. Deshalb war der Anbau in Form von Semi-Subsistenzproduktion in den Bergregionen möglich. Darüber hinaus konnte das Produkt leicht gelagert und transportiert werden.
Der Drogenanbau in den Bergen hatte historisch gesehen nur wenig Einfluss auf die Thai-Gesellschaft. Das Hochland des Goldenen Dreiecks ist ein abgelegenes Gebiet, in dem staatliche Gesetze und Grenzen bis vor kurzem kaum Geltung hatten. Opium wurde traditionell von ethnischen Chinesen konsumiert, und den Drogenhandel kontrollierten Warlords, die die formale Autorität der weit entfernten Regierung in Bangkok oder anderswo nicht herausforderten.
Auf der globalen Ebene ist Opium seit fast zwei Jahrhunderten von Bedeutung. Im 19. Jahrhundert machten die Kolonialmächte insbesondere die britische Ostindische Kompanie Profit mit dem Handel und verteidigten dieses Privileg in China im so genannten Opiumkrieg. In Europa wurde Opium damals kaum konsumiert und galt in London, Paris oder anderen westlichen Hauptstädten nicht als Thema öffentlichen Interesses.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sich das jedoch verändert. Während des Vietnamkriegs wurden amerikanische Soldaten sowohl opium- als auch heroinabhängig. Präsident Richard Nixon erklärte deshalb in den 1970er Jahren den Drogen den Krieg. Nach dem militärischen Scheitern in Vietnam konnten die USA die Politik der Bekämpfung des Drogenanbaues in Südostasien jedoch nicht mit Gewalt durchsetzen. Thailand, das an der Opiumproduktion des Goldenen Dreiecks einen eher kleinen Anteil hatte, war das einzige mit dem Westen liierte, Mohn anbauende Land der Region und das Regime in Bangkok war nicht prinzipiell gegen strengen Gesetzesvollzug eingestellt.
Bezeichnenderweise wurde der thailändische Drogenhandel zu jener Zeit jedoch von Kuomintang-Truppen kontrolliert, die während der Revolution aus China vertrieben worden waren. Diese Milizen hatten relativ gut im Norden Thailands überlebt und wurden anfänglich vom CIA unterstützt. Die thailändischen Regierungen hatten die Milizen toleriert und sahen sie als eine Art Grenzpolizei an. Zudem erhielten Mitglieder der thailändischen Elite einen Anteil an den Drogeneinnahmen.
In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren änderte sich die Situation jedoch. Westliche Geberregierungen sahen den Heroinmissbrauch in ihren Heimatländern zunehmend mit Sorge. Da es offensichtlich schwierig und sogar unmöglich war, den Konsum in den reichen Ländern zu stoppen, erschien die Idee, die Produktion zu unterdrücken, sinnvoll. Der Begriff ländliche Entwicklung war in dieser Zeit ein politisches Modewort und ließ sich mit der Drogenbekämpfung verbinden. So unterstützten die USA und andere Geber entsprechende Programme, in denen Drogenbekämpfung mit ländlicher Entwicklung kombiniert waren. In den 80er Jahren wurde der Anbau von Nahrungspflanzen anstelle von Opium in Thailand aktiv gefördert. Die strategischen Gründe, weshalb die Kuomintang-Truppen in Thailand vorher unterstützt wurden, fielen mit dem Ende des Vietnamkrieges und der Annäherung zwischen den USA und China weg.
Dennoch setzte sich der Wechsel zum Nahrungsmittelanbau erst in den 1990er Jahren wirklich durch, nachdem die thailändische Regierung massiv in Infrastruktur und soziale Dienste investiert hatte. Versuche, die Bergvölker in die Nation einzubeziehen, trugen ebenfalls zum Erfolg bei. Insgesamt ist es für Bauern in abgelegenen Gebieten heute nicht nur möglich, sondern sogar profitabel, Gemüse für städtische Märkte anzubauen. Der Straßentransport ist schnell und zuverlässig genug und die Produzenten wissen, welche Preise sie verlangen können. Zugleich haben polizeiliche Repressionen die Risiken des Drogenanbaus drastisch erhöht.
Menschen auf dem Lande haben heute einen besseren Zugang zu Schulen und Krankenhäusern. Beides sind Anreize, sich in die Mehrheitsgesellschaft zu integrieren. Andererseits stehen lokale Kultur und Traditionen unter Druck etwa durch die Betonung von Thai-Sprache und -Bräuchen in der Schule. Das mag ein zweischneidiger Segen für die betroffenen Menschen sein, aber er dient nationaler Inklusivität. Außerdem ist Thailand demokratischer geworden und die Verfassung von 1998 hat wichtige Entscheidungsprozesse an regionale und lokale Körperschaften übertragen. In den letzten Jahrzehnten sind viele zivilgesellschaftliche Organisationen entstanden und üben Einfluss auf die Politik aus. Thailands ehemals Wilder Norden ist heute Teil einer modernisierenden Nation.
Dies ist der Kontext, in dem der Opiumanbau praktisch ausgerottet wurde. Eine Unterdrückung mit militärischen Mitteln allein hätte nicht das gleiche Ergebnis gebracht. Zudem ist wichtig, dass die thailändische Regierung trotz Einsatzes beträchtlicher Gewalt die Drogenmafia nie direkt konfrontierte, was vermutlich zu einem bewaffneten Aufstand geführt hätte. Stattdessen zogen sich die regionalen Mafiagruppen aus Thailand nach Myanmar zurück und mussten ihre Existenz nicht militärisch verteidigen.
Deshalb bedeutet das Ende des Opiumanbaus in Thailand auch nicht, dass alle Drogenprobleme gelöst wären. Im Gegenteil war der Heroingebrauch vorübergehend weit verbreitet genau zu der Zeit, als die Bauern vom Mohn zu harmloseren Pflanzen wechselten. Ein Grund dafür liegt darin, dass die Mafia aus Myanmar begann, veredelte Produkte auf den Markt zu bringen. Die Volksgruppen, die Opium traditionellerweise anbauten, hatten die Droge selbst kaum konsumiert außer aus medizinischen Gründen oder als Freizeitdroge der Senioren. Das änderte sich, als immer mehr Menschen heroinsüchtig wurden. Dieser Trend betraf darüber hinaus nicht nur die Bergregion, sondern erfasste auch das Prostitutionsgewerbe in Bangkok, anderen Städten und Touristenzielen und verschlimmerte die HIV/Aids-Problematik.
Inzwischen ist der Heroinmissbrauch in Thailand wieder zurückgegangen. Dies liegt jedoch nicht allein an der Regierungspolitik, sondern auch daran, dass die Drogenkartelle Metamphetamine als noch lukrativere Stoffe entdeckten. Diese Droge wird in kleinen Laboren in Myanmar hergestellt und anschließend in Thailand mit geringeren logistischen Problemen verteilt.
Die Geschichte der Beendigung des Opiumanbaus in Thailand ist lokalspezifisch. Wenn sie eine Lektion für andere Länder bereithält, so ist es sicherlich die, dass starke Repressionen allein nicht ausreichen. Die Entwicklung von Infrastruktur, Schulen und selbst eines Gefühls nationalen Zusammenhalts sind mindestens so wichtig. Da die lokale Drogenwirtschaft jedoch nie ernstlich bedroht war und die globalisierte Schattenwirtschaft immer weiter belieferte, ist es schwer zu sagen, was geschehen wäre, wenn die Mafiagruppen jemals wirklich um ihre Existenz gefürchtet hätten. Thailand ist darüber hinaus kein Land geworden, das frei von Rauschgiftmissbrauch ist noch hat sich der Drogennachschub auf den Straßen reicher Nationen verringert.
Prof. Dr. Rüdiger Korff
ist Soziologe. Er lehrt Südostasiatische Studien an der Universität Passau.
ruediger.korff@uni-passau.de
Ruth Sharifa Djedje
ist Dozentin für Südostasiatische Studien an der Universität Passau.
djedjeru@yahoo.com
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