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Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
renewables 2004:
Erneuerbare Energien
und Armutsbekämpfung
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auf dem Global Campus 21
 8-9/2003
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[ Internationale Konferenz 2004 in Bonn ]
renewables 2004:
Erneuerbare Energien
und Armutsbekämpfung
Von Hinrich Mercker
Unter dem Titel renewables 2004 wird im Juni 2004 in Bonn die Internationale Konferenz für erneuerbare Energien stattfinden. Die Konferenz soll dem Ausbau erneuerbarer Energien weltweit einen Schub geben und darauf aufmerksam machen, welche große Bedeutung der Zugang zu Energie für die Armutsbekämpfung hat. Bereits jetzt bereitet sich InWEnt intensiv auf die Teilnahme vor.
Bei seinem Besuch des Weltgipfels in Johannesburg im September 2002 wartete Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einer Überraschung auf. Er lud zu einer internationalen Konferenz für erneuerbare Energien nach Bonn ein. Dieser Schritt wurde begrüßt, weil in Johannesburg keine Einigung über konkrete Ziele und Zeitfenster für den Ausbau erneuerbarer Energien erzielt werden konnte. Um das nachzuholen, hatten sich zahlreiche Staaten noch während des Gipfels zur Johannesburg Renewable Energy Coalition zusammengeschlossen. Diese Koalition, die sich zuletzt im Juni auf Einladung der EU-Kommission in Brüssel traf, soll auf der Konferenz renewables 2004 im kommenden Jahr in Bonn ausgebaut werden.
Die Vorbereitungen für die Veranstaltung sind bereits in vollem Gange; die Federführung haben das BMZ und das Bundesumweltministerium übernommen. Eine Website und ein Sekretariat wurden eingerichtet sowie ein nationaler Begleitkreis und ein internationaler Lenkungsausschuss berufen. Diese beiden Gremien, zusammengesetzt aus Vertretern des Staates, der Wirtschaft, von Nichtregierungsorganisationen und der Wissenschaft, haben sich bereits konstituiert. Sie sollen als Botschafter für renewables 2004 wirken und die Veranstalter bei der Erstellung des Programms beraten. Zudem sind regionale Vorbereitungstreffen geplant. Das Konzept sieht eine erweiterte Regierungskonferenz vor, an der Wirtschaft und Zivilgesellschaft beteiligt und in einen so genannten Multi-Stakeholder-Dialog eingebunden werden sollen.
Ziele von renewables 2004 sind die Weiterentwicklung politischer, ökonomischer und sozialer Strategien zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien, die Diskussion über länderbezogene Ausbauziele, der Informationsaustausch über good practices und Technologietransfer sowie der Aufbau von Netzwerken zur Förderung erneuerbarer Energien. Zu den erhofften Ergebnissen der Konferenz gehören neue Förder- und Finanzierungsmodelle, Aktionspläne der Johannesburg Renewable Energy Coalition und der Aufbau neuer (Energie-) Partnerschaften zwischen staatlichen, zivilgesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren. Gastgeberland Deutschland kann mit Blick auf das Thema der Konferenz beeindruckende Zahlen vorlegen: Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch hat sich von 4,6 Prozent im Jahr 1998 bis heute fast verdoppelt und liegt derzeit bei knapp neun Prozent; ein Drittel des weltweit produzierten Windstroms wird in Deutschland gewonnen; in der Branche sind mehr als 130 000 Menschen beschäftigt.
InWEnt beteiligt sich an renewables 2004 mit mehreren Veranstaltungen im Vorfeld und, als side events, im Rahmen der Konferenz. Die World Wind Energy Conference in Kapstadt Ende November 2003 wird als regionales Vorbereitungstreffen von InWEnt-Partnerorganisationen genutzt. Die InWEnt-Servicestelle Kommunen in der Einen Welt und die Bundesweite Servicestelle Agenda 21 werden im Vorfeld zu renewables 2004 einen Kongress zum Thema Kommunen setzen Maßstäbe Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeffizienz veranstalten, der die politische Debatte über die Rolle der Kommunen bei der Umsetzung zukunftsfähiger Energiesysteme voranbringen soll. Zudem soll der Kongress zur Stärkung bestehender Klimaschutz- und Projektpartnerschaften beitragen. Ein Bürgermeisterforum, das im Rahmen des Kongresses stattfindet, soll dem Anliegen der Kommunen mehr Gewicht verleihen.
In einer von InWEnt organisierten Veranstaltung im Rahmen von renewables 2004 soll die Nutzung erneuerbarer Energien im städtischen Bereich, vor allem in Großstädten, behandelt werden. Diskutiert werden soll vor allem über energiesparende Bauweisen, nachträgliche Maßnahmen zur Energieeinsparung in Gebäuden und in Verkehrssystemen sowie Finanzierungskonzepte. Veranstaltungen wie diese tragen zur Entwicklung von Kapazitäten bei, was in seiner Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, wie Hermann Scheer, Träger des alternativen Nobelpreises und Bundestagsabgeordneter, bei der Bundestagsdebatte zu renewables 2004 im April betonte: Man braucht für die weltweite Einführung erneuerbarer Energien aufgrund ihres dezentralen Charakters viele Menschen, die damit umzugehen gelernt haben. Es muss die Ausbildung von Ingenieuren, Architekten, Handwerkern und Wissenschaftlern, das, was man international die human capacity nennt, vorangetrieben werden. Das ist eine globale Ausbildungsaufgabe.
Zwei Studien haben in jüngster Zeit wichtige Anregungen für die Agenda von renewables 2004 geliefert: Das Gutachten Welt im Wandel: Energiewende zur Nachhaltigkeit, das der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) im April vorgelegt hat, verbindet die Themen Klimaschutz und Energiearmut. Der WBGU argumentiert darin, dass die globale Energiewende notwendig und machbar sei, wenn in den beiden kommenden Dekaden entschlossen gehandelt werde. Voraussetzung für eine Energiewende sei die effizientere Nutzung von Energie. Das Ziel des WBGU lautet, weltweit solle bis 2050 im Vergleich zu heute das Dreifache an Gütern und Dienstleistungen mit der gleichen Energiemenge produziert werden. Darüber hinaus, so der WBGU, müsse der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieerzeugung weltweit von derzeit 12,7 Prozent bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Eine besondere Stärke des WBGU-Gutachtens liegt darin, dass die beiden Ziele Klimaschutz und Überwindung der Energiearmut gleichgewichtig behandelt werden.
Die zweite Studie, ein gemeinsames Konzeptpapier von zehn Entwicklungsorganisationen, darunter Weltbank, BMZ und UN-Entwicklungsprogramm, mit dem Titel Poverty and Climate Change: Reducing the Vulnerability of the Poor through Adaptation stellte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul Anfang Juni vor. Das Papier macht unmissverständlich deutlich, dass der Klimawandel jahrzehntelange Entwicklungsanstrengungen zunichte machen kann. Nur wenn die Themen erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung verknüpft werden, können von renewables 2004 wirksame Denk- und Handlungsanstöße für Verhaltensänderungen und eine Energiewende ausgehen.
Weitere Informationen zur Konferenz im Internet unter www.renewables2004.de
oder über das Konferenzsekretariat: info@renewables2004.de
Das WBGU-Gutachten Welt im Wandel: Energiewende zur Nachhaltigkeit ist im Internet unter www.wbgu.de/wbgu_jg2003.html erhältlich, die Studie Poverty and Climate Change unter www.eldis.org/static/DOC11253.htm.
Hinrich Mercker
leitet die InWEnt-Abteilung Umweltpolitik und Umweltmanagement und vertritt InWEnt im Nationalen Begleitkreis von renewables 2004.
hinrich.mercker@inwent.org
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