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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
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 8-9/2004
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[ Nichtstaatliche Organisationen ]
Zivilgesellschaftliches Nord-Süd-Gefälle
Überwindet die transnationale Zivilgesellschaft die Nord-Süd-Spaltung oder reproduziert sie sie nur auf anderem Niveau? Internationale Bewegungen wie die Entschuldungskampagne Jubilee 2000 zeigen, dass die Aktivisten aus dem Süden ihre Positionen durchaus mit Nachdruck gegenüber dem Norden vertreten. Doch reproduzieren beide Seiten seit Jahren die gleichen Verhaltensmuster, sagt Mundo Yang vom Wissenschaftszentrum Berlin. Die Süd-Aktivisten werfen ihren Mitstreitern aus dem Norden vor, sie seien paternalistisch und ihre Forderungen seien nicht radikal genug. Die Organisationen aus dem Norden antworten, radikale Positionen seien bei Spendern und öffentlichen Geldgebern nicht durchsetzbar. Die Konflikte spiegeln vielfach strukturelle Differenzen zwischen Nord- und Süd-NROs wider, sagt Yang. Dem starken Ergebnisdruck der Geldgeber und den kurzen Projektlaufzeiten bei den Nord-NROs stehen ein wenig spezifischer Zeithorizont und wenig internationale Erfahrung bei den Süd-NROs gegenüber.
Auf einer Konferenz des Wissenschaftszentrums Berlin und der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft Anfang Juli nannten einige Referenten das Gefälle von den Geldgebern im Norden über die Nord-NROs bis hin zu den Organisationen im Süden als das größtes Hindernis bei der Überwindung der Nord-Süd-Spaltung in der internationalen Zivilgesellschaft. Das schwächste Glied in der Kette sind die Süd-NROs, die keinen direkten Zugang zu den Finanztöpfen haben. Im schlimmsten Falle degradieren die Organisationen im Norden sie zu bloßen Durchführungsorganisationen, sagt Brigitte Fahrenhorst vom internationalen NRO-Netzwerk Society for International Development. Fahrenhorst schlägt die Einrichtung von Stiftungen im Süden vor, die mit lokalen Bewertungskriterien und -gremien arbeiten.
Ungeachtet der Unterschiede unterliegen nichtstaatliche Organisationen im Süden ähnlichen Transformationsdynamiken wie ihre Counterparts im Norden, findet Berthold Kuhn, der als Gastdozent an der Universität Leiden lehrt und die NROs in den Entwicklungsländern seit Jahren beobachtet. Sichtbar werde das in einer zunehmenden Kommerzialisierung und Überdimensionierung großer Organisationen einer Entwicklung, die mangels gesetzlicher Vorschriften und öffentlicher Kontrollmechanismen im Süden weit ausgeprägter sei als im Norden. Die Entwicklungsorganisation BRAC aus Bangladesch ist ein Beispiel. In knapp 30 Jahren ist sie von einer kleinen gemeinnützigen Organisation zu einem mächtigen Hilfskonzern mit einem Jahresbudget von 150 Millionen US-Dollar mutiert. Dank ihrer Einnahmen aus Unternehmensausgründungen und einer diversifizierten Produktpalette vom Markendrucker bis hin zu Fast-Food-Produkten ist BRAC heute weitgehend unabhängig von Geldgebern aus dem Norden.
Solche Stars unter den Süd-Organisationen könnten in nicht allzu ferner Zukunft als einzige Nutznießer von Entwicklungsgeldern aus dem Norden übrig bleiben, sollte sich der von Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik beschriebene Trend weg von der klassischen technischen Zusammenarbeit fortsetzen. Wenn zunehmend direkte Budgethilfe geleistet wird, verändert dies auch die Landschaft der zivilgesellschaftlichen Akteure. Ergebnis könnte eine Form der Elitenförderung sein, von der bestenfalls mächtige Süd-NROs vom Schlage BRAC profitieren.
Jutta Bangel
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