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 8-9/2004
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Faustregeln: Solide Fallstudien
Mir A. Ferdowsi, Volker Matthies (Hg.):
Den Frieden gewinnen.
Zur Konsolidierung von Friedensprozessen in Nachkriegsgesellschaften,
Bonn, Dietz 2003, 364 Seiten, 12,70 Euro, ISBN 3-8012-0325-5
Wie können Kriege so beendet werden, dass sie in einen dauerhaften Frieden münden? Das versucht dieses Buch empirisch zu beantworten. Fallstudien analysieren 14 Bürgerkriege (oft mit auswärtiger Einmischung), die in der jüngeren Vergangenheit mehr oder weniger erfolgreich beigelegt werden konnten. Bürgerkriege sind die häufigste Art der gegenwärtigen Kriege. Sie werden seltener durch Verhandlungen beendet als Waffengänge zwischen Staaten.
In der lesenswerten Einleitung bezweifeln die Herausgeber die These, es handele sich bei diesen Kriegen um ein neues Phänomen. Vielmehr sind Bürgerkriege für Matthies und Ferdowsi nach wie vor Krisen in (erfolgreichen oder auch gescheiterten) Staats- und Nationsbildungsprozessen. Nachholende Staatsbildung finde in armen Ländern unter ungünstigen Bedingungen statt und sei äußerst konfliktträchtig etwa wenn ein Gewaltmonopol erst noch errungen werden muss. Versuche, Bürgerkriege als organisierte Kriminalität zu verstehen und mit Kriegsökonomien zu erklären, nennen Matthies/Ferdowsi reduktionistisch. Das wird den differenzierten Analysen, die etwa David Keen und William Reno vorgelegt haben, nicht gerecht. Davon abgesehen aber ist ihre Kritik überzeugend.
Matthies und Ferdowsi betonen, dass der Übergang zum Frieden ein langwieriger Prozess ist. Strittig sei die beste Reihenfolge der nötigen Schritte etwa, ob als erstes die Festigung des staatlichen Gewaltmonopols nötig ist. Das können auch die Fallstudien nicht abschließend beantworten. Die zum Libanon und zu Bosnien weisen darauf hin, dass eine autoritäre Lösung des Sicherheitsproblems notfalls der wichtigste erste Schritt sein kann. Andere (Beispiel: Papua-Neuguinea) kommen im Gegenteil zu dem Schluss, dass für den Erfolg des Friedensprozesses die frühzeitige Beteiligung der Zivilgesellschaft und das Bemühen um Versöhnung und Aufarbeitung der Kriegsgräuel wichtig sind. Der sinnvollste Weg hängt offenbar von den Umständen des Konflikts ab.
Einige Schlüsse sind jedoch möglich. So scheint Zeitdruck von außen bei Verhandlungen nicht hilfreich. Noch funktionierende traditionelle Institutionen sollten einbezogen werden. Friedensprozesse an der Basis der Gesellschaft können Verhandlungen zwischen Kriegsherren günstig beeinflussen. Wo vermittelnde soziale Kräfte fehlen wie in Angola, macht das eine Lösung dagegen schwieriger.
Die Fallstudien sind überwiegend solide und folgen ähnlichen Fragerastern. Das erleichtert Vergleiche. Allerdings tritt schnell ein Gefühl des déjà vu auf. Auch findet sich der Leser irgendwann in den Abkürzungen nicht mehr zurecht und vermisst ein Glossar. Mehr und besser reproduzierte Karten wären ebenfalls hilfreich. All das ändert aber nichts am Wert des Buches: Es macht an einzelnen Fällen die komplizierten Mechanismen der Friedenskonsolidierung nachvollziehbar. Es zeigt, dass Patentrezepte schädlich, Faustregeln aber nützlich sind. Und es erinnert daran, dass der Friede ähnlich wie der Krieg nicht ein wirtschaftliches oder technisches Problem ist, sondern in erster Linie ein politisches Projekt.
Bernd Ludermann
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