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Editorial
 8-9/2005
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Unvermeidbare Kosten
Bislang prägt der Streit ums Geld die internationale Debatte über die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Ist es sinnvoll, die offizielle Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2015 zu verdoppeln? Das fordern der UN-Experte Jeffrey Sachs oder auch die britische Regierung. Skeptiker beklagen aber, dass in der Vergangenheit Milliarden ohne nennenswerte Wirkung verpulvert wurden. Andere warnen, es reiche nicht, viel Geld auszugeben das müsse auch zweckmäßig geschehen. Die Debatte bleibt leider schablonenhaft. So betonen etwa alle Akteure ob von Geber- oder Nehmerseite, ob aus Industrie, Wissenschaft oder Zivilgesellschaft die Bedeutung der lokalen Ownership. Das ist einerseits ermutigend, weil ohne örtlich Verantwortliche nichts erreicht wird. Andererseits wirkt die ständige Wiederholung einer Selbstverständlichkeit auch verräterisch. Offenbar sind Armutsbekämpfung und Modernisierung in Entwicklungsländern nicht wirklich fest veankert.
Aus einem einzigen Grund steht indessen schon fest, dass Entwicklungspolitik teurer werden wird: Aids. Seit dem Streit um Pharmapatente hängt die Legitimation des Welthandelssystems davon ab, dass Patienten in armen Ländern innovative, antiretrovirale Mittel bekommen. Diese Arzneien schieben den Ausbruch der Krankheit auf und ermöglichen Infizierten ein einigermaßen normales Leben. Die Kosten dieser Pharmacocktails sind drastisch gefallen. Die einfachste Version, die leider nicht für alle Patienten taugt, kostet nur noch 50 Cent pro Person und Tag.
Doch schon das ist immens viel für Menschen, die von einem Dollar am Tag leben. Und mit den Pillen ist es nicht getan. Um sie richtig zusammenzustellen, sind aufwendige Diagnosen nötig. Das Personal dafür muss geschult werden und braucht auch im afrikanischen Hinterland die nötigen Apparaturen. Das Engagement für Prävention darf derweil nicht nachlassen. Die Immunschwäche ist ein junges und verheerendes Phänomen. Sie befällt die sexuell aktive, arbeitsfähige Generation. Sie verdient besondere Aufmerksamkeit, auch wenn andere Plagen etwa Malaria mehr Menschenleben fordern.
Dennoch müssen die Gesundheitsinstitutionen armer Länder allen Aufgaben gerecht werden. Sonst drohen Verteilungskämpfe, die nachhaltige Erfolge unmöglich machen. Es ist auf Dauer nicht zu vermitteln, dass symptomefreie HIV-Infizierte aufwendig betreut werden, während akut Kranke ihrem Schicksal überlassen bleiben. Zudem drohen reichen Ländern bislang kaum erkannte Opportunitätskosten. Die Migration von Ärzten und Pflegekräften in wohlhabende Metropolen muss aufhören, damit arme Regionen kompetent versorgt werden können. Mehr Hilfe für arme Länder kann mithin auch zu verschärftem Personalmangel in den Krankenhäusern reicher Staaten führen.
Derweil steht seit langem fest, dass Investitionen in Gesundheit und Bildung für menschliche Entwicklung zentral sind, weshalb auch entsprechende Kennzahlen neben dem Durchschnittseinkommen die Kernelemente des angesehenen Human Development Index des UNDP bilden. Die gesundheitspolitischen Millenniumsziele legen die Basis für die allgemeine Armutsreduzierung. Dafür ist auch hoher Mittelaufwand gerechtfertigt.
E+Z/D+C erscheint ab sofort mit neuer Gliederung. Wir haben die Inhaltsseiten und die Abfolge der Rubriken übersichtlicher gestaltet. Von nun an gibt die Rubrik Monitor am Anfang des Hefts die jüngsten Entwicklungen wieder. Aktuelle kritische Reflexion bietet ergänzend die Debatte am Ende.
Dr. Hans Dembowski
Chefredakteur E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit/
D+C Development and Cooperation
euz.editor@fsd.de
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