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 8-9/2005
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[ Wasserversorgung ]
Privatisierungsdebatte am Thema vorbei
Es muss gelingen, jenseits ideologischer Extrempositionen Synergien zwischen privaten und staatlichen Akteuren zu mobilisieren, um die Wasserversorgung in Entwicklungsländern zu verbessern. Wolfgang Kroh, Vorstandsmitglied der KfW Entwicklungsbank, macht keinen Hehl daraus, dass seiner Ansicht nach die Grundsatzdebatte über das Für und Wider der Privatisierung im Wassersektor nicht weiterführt und deshalb vermieden werden sollte. Eine Milliarde Menschen sind von einer funktionierenden Trinkwasserzufuhr abgeschnitten. Soll sich diese Zahl bis zum Jahr 2015 halbieren, müssen viele Probleme bearbeitet werden jenseits der Privatisierungsdebatte. Auf einer Podiumsdiskussion Ende Juni in Bonn kamen einige davon zur Sprache. (Siehe auch den Beitrag auf S. 336 in diesem Heft.)
Erstens: Dezentralisierung. Die erfolgreichsten Projekte, so Arne Panesar vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V., sind die kleinen, dezentralen, die selbst Abwässer noch als Wertstoff begreifen. In solchen Projekten werde auch das Thema Privatisierung weniger kontrovers diskutiert. Ein Mittelständler, der mit kleinen Kläranlagen oder effektiven Pumpsystemen die Wasserversorgung verbessere, sei jederzeit willkommen. Die Industriestaaten könnten jedoch kaum glaubwürdige Lösungen anbieten, weil sie zu Hause fast ausschließlich auf zentrale Versorgung setzten.
Zweitens: Entlastung von Regulierungsbehörden. Eine Kleinteilung, wie sie Panesar vorschlägt, könnte monopolistische Strukturen durchbrechen und mehr Wettbewerb in der Wasserversorgung bewirken. Regierungen mit schwachen Kontrollinstanzen könnten so entlastet werden.
Drittens: Partizipation. Die Beteiligung der Bevölkerung an Entscheidungen über die Nutzung der Ressource ist eine Voraussetzung für eine funktionierende Wasserversorgung. Das werde aber häufig missachtet, bemängelt Hans Schipulle, Unterabteilungsleiter für globale Fragen im Bundesentwicklungsministerium. In Entwicklungsländern werden rund 20 Prozent der in Rechnung gestellten Wassermenge nicht bezahlt und das nicht nur, weil Verbraucher nicht zahlen können, sondern auch, weil sie nicht wollen. Darf der Verbraucher mitentscheiden, steigt seine Bereitschaft zu zahlen.
Dass die Privatisierungsdebatte am Thema vorbeigeht, zeigt auch die Tatsache, dass sich private Investoren weniger engagieren als erhofft oder befürchtet. Nur knapp 10 Prozent des Trinkwassers weltweit werde von privaten Unternehmen bereitgestellt, sagt Dieter Ernst von der Berlinwasser International AG. Und die eine Milliarde Menschen, die nicht an funktionierende Versorgungssysteme angeschlossen sind, müssen sich ohnehin selbst helfen. Im Grunde sei das auch eine Art Privatisierung, resümierte KfW-Vorstandsmitglied Kroh.
Jutta Wasserrab
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