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8-9/2006
 

Togo: E+Z-Autor unter Druck

Der togolesische Sportjournalist Joseph Müller Afanyagbe, der auch für E+Z/D+C geschrieben hat (siehe E+Z/D+C 6/2006, S. 236), ist wegen seiner kritischen Berichte über das schlechte Abschneiden der togolesischen Nationalelf bei der Fußball-Weltmeisterschaft bedroht worden. Kurz nach Beginn des Turniers war es zu Querelen im togolesischen Team gekommen, unter anderem weil der nationale Fußballverband den Spielern die Prämien nicht auszahlen wollte, die ihnen für die WM-Qualifaktion zugesagt worden waren. Die Spieler drohten daraufhin mit Streik, der Trainer trat zurück, machte dann aber bis zum frühen Ausscheiden der Mannschaft doch weiter. Müller berichtete für seinen Sender Sport FM über den Filz im togolesischen Fußball und kommentierte in einer Liveübertragung, die Mannschaft spiele für das Volk, nicht für den Verband oder die Regierung. Das sorgte in Togos Hauptstadt Lomé für Aufregung – sowohl bei Offiziellen als auch bei der Leitung des Senders. Sein Livekommentar zum Spiel gegen Südkorea wurde in der Halbzeit abgebrochen, kurz darauf erhielt Müller anonyme Anrufe, in denen sowohl er als auch seine Familie in Lomé berdoht wurden. „Einige Leute hat es offenbar gestört, dass ich zu sehr ins Detail gegangen bin“, sagt Müller. „Aber ich habe nur getan, was ein Journalist tun muss: die Wahrheit sagen.“

Die Organisation Reporter ohne Grenzen, die sich Müllers Fall annahm und in Togo recherchierte, gab Ende Juni Entwarnung: Ja, Müllers Berichterstattung habe für Unmut gesorgt, doch es bestehe keine ernsthafte Bedrohung, die Sendeleitung stehe zu ihrem Mitarbeiter. Müller geht jedoch davon aus, dass einer seiner Kollegen bei Sport FM seine Handynummer unautorisiert weitergegeben hat. Bei dem Sender will er deshalb nicht weiter arbeiten; er könne dort niemandem mehr trauen. „Ich werde wohl erst einmal einen Coffee-Shop aufmachen und nebenher als freier Journalist arbeiten.“ (ell)