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8-9/2006
 

[ Gentechnik ]

Ugandische Forscher arbeiten an
der widerstandsfähigen Kochbanane

Die Deutschen gelten mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von fast 15 Kilogramm im Jahr als große Bananenliebhaber. Doch Weltmeister im Bananenverzehr sind die Ugander: Sie vertilgen im Schnitt über 200 Kilogramm jährlich. Bananen sind das wichtigste Grundnahrungsmittel in Uganda und für viele Bauern die Lebensgrundlage. Den größten Teil der Ernte konsumieren sie selbst oder verkaufen ihn auf lokalen Märkten; nur ein Bruchteil geht in den Export.
Doch der Anbau der länglichen Frucht ist kein leichtes Geschäft: Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington fallen in Uganda 30 bis 60 Prozent der Ernte Schädlingen und Krankheiten zum Opfer. Das Institut kommt in einer neuen Studie deshalb zu dem Schluss, dass die ugandischen Bauern genveränderte Bananensorten, die immun gegen ihre Feinde sind, gut gebrauchen könnten. Aber noch gibt es die Gen-Banane nicht und es wird wohl noch Jahre dauern, bis es so weit ist.

In seiner Studie untersucht das IFPRI wichtige Faktoren, die die Nachfrage nach gentechnisch verbesserten Bananen bestimmen würden. Zum einen müssten lokale Sorten weiterentwickelt werden, die von den Bauern und den Verbrauchern akzeptiert werden. Zum anderen müssten die Gen-Pflanzen über die etablierten Vertriebswege für Bananenstecklinge an die Bauern gebracht werden. In Uganda tauschen die Bauern Stecklinge meistens untereinander oder erhalten sie in kleinen privat oder öffentlich betriebenen Baumschulen. (Die meisten Bananensorten sind steril und lassen sich nur über Stecklinge aus einer Ursprungspflanze vermehren.)

Entscheidend für die Akzeptanz neuer Sorten sei, so die IFPRI-Forscher, dass die Bauern nachvollziehen können, welche Vorteile sie ihnen bringen. Die Bauern müssen auf dem Feld sehen, dass zum Beispiel der Schädlingsbefall nachlässt, und sie müssen diese Veränderung mit der neuen, genveränderten Pflanze in Verbindung bringen. Würden diese Bedingungen erfüllt, dann seien genveränderte Kochbananen eine „potenziell armutsreduzierende Anwendung von Biotechnologie“, so die IFPRI-Studie.

Allerdings steht noch gar nicht fest, dass es die resistente ostafrikanische Hochlandbanane jemals geben wird. Seit sechs Jahren arbeitet die ugandische Organisation für Agrarforschung (NARO) daran und wird dabei von einer Reihe internationaler Organisationen und Regierungen unterstützt, darunter die US-Entwicklungshilfebehörde USAID, das britische DfID, das International Network for the Improvement of Banana and Plantain (INIBAP) in Montpellier und die Katholische Universität Leuven in Belgien. Kurz nach der Eröffnung eines neuen Biotechnologielabors nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala im August 2003 frohlockte INIBAP, innerhalb von Monaten sei mit der ersten genetischen Transformation einheimischer Kochbananen zu rechnen.

Doch drei Jahre später ist dieses Ziel längst noch nicht erreicht. Bislang ist es den ugandischen Forschern lediglich gelungen, einige Bananensorten aus einzelnen Zellen nachzubauen. Als Nächstes geht es darum, in diese Zellen Reis- beziehungsweise Papaya-Gene mit den gewünschten Eigenschaften einzufügen. Bis zur fertigen Pflanze ist es dann immer noch ein weiter Weg.

In fünf bis zehn Jahren werden Bauern in Uganda die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen können, schätzt Frank Shotkoski, Direktor des Agricultural Biotechnology Support Project II von USAID. Zuvor aber muss die ugandische Regierung noch ein Gentechnik-Gesetz verabschieden, das den Umgang mit genmanipulierten Organismen regelt. Laut UN-Umweltprogramm (UNEP), das Entwicklungsländer beim Ausarbeiten von Gesetzen zur Biosicherheit berät, steht dieser Schritt unmittelbar bevor. Allerdings liegt der Gesetzentwurf schon seit Jahren in der Schublade.

Und wenn alle technischen und politischen Hürden genommen sind, dann muss die erste ugandische Gen-Banane auf dem Feld erst noch zeigen, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt – oder ob sich die Geschichte der virusresistenten Süßkartoffel wiederholt. Zehn Jahre lang hatten kenianische Pflanzenzüchter daran geforscht, auch hier sollte eine Gen-Pflanze ausschließlich für arme Bauern und Verbraucher in Afrika entstehen. Doch im Feldversuch wuchs die manipulierte Kartoffel nicht besser als herkömmliche Sorten und die Versuche wurden ergebnislos eingestellt. (ell)




Im Internet:
Die IFPRI-Studie:
http://www.ifpri.org/pubs/rag/br1004/br1004.pdf