Beiträge aus der Rubrik
Analysen und Berichte


UNCTAD: Investitionsabkommen entwicklungsfreundlich gestalten

AIDS: In Afrika droht der ökonomische Kollaps

Millenniumsziele:
UNDP fordert größere Anstrengungen


Entwicklungshilfe der Bundesländer:
Stetiger Rückgang seit 1990


Nahrungsmittelhilfe –
mehr Schaden als Nutzen?


E-Commerce:
Kein Geschäft für die Armen



10/2003
 

[ World Investment Report 2003 ]

UNCTAD: Investitionsabkommen entwicklungsfreundlich gestalten

Die weltweiten Auslandsinvestitionen sind in 2002 das zweite Jahr in Folge zurückgegangen. Nachdem sie in 2001 das erste Mal seit über zehn deutlich um über 50 Prozent geschrumpft waren, verringerten sie sich im vergangenen Jahr von 823 Milliarden um weitere 20 Prozent auf 651 Milliarden US-Dollar, den niedrigsten Stand seit 1998. Das geht aus dem diesjährigen Weltinvestitionsbericht hervor, den die UN-Handelsorganisation (UNCTAD) Anfang September veröffentlichte (World Investment Report 2003). Anders als in 2001, als die Industrieländer überdurchschnittlich von dem Rückgang betroffen gewesen waren, gingen in 2002 die Investitionen in Entwicklungs- und Industrieländern gleichermaßen um jeweils 22 Prozent zurück. In den armen Ländern sanken sie von knapp 210 Milliarden auf nur noch 162 Milliarden Dollar, wobei einzelne Regionen und Länder unterschiedlich stark betroffen waren: Afrika verzeichnete zwar einen starken Rückgang, allerdings waren die Zuflüsse in 2001 durch zwei Übernahmen in Marokko und Südafrika außergewöhnlich hoch gewesen. In Lateinamerika gingen die Zuflüsse das zweite Jahr zurück, ebenso in Asien, wo es allerdings große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern gab: So stiegen die Investitionen in China sogar deutlich an.

Im inhaltlichen Teil des diesjährigen Weltinvestitionsberichts mischt sich UNCTAD in die Diskussion über internationale Investitionsabkommen ein. Derzeit gebe es über 2000 bilaterale Investitionsabkommen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, die rund ein Viertel des Investitionsbestands in Entwicklungsländern abdeckten; dazu komme eine Fülle von Abkommen auf regionaler Ebene. Das Problem dieser Abkommen sei, so UNCTAD, dass sie in der Regel den Spielraum für eine entwicklungsorientierte Regulierung von Auslandsinvestitionen einschränken – beispielsweise für Maßnahmen zum Schutz der einheimischen Industrie vor übermächtiger ausländischer Konkurrenz oder zur Förderung des Transfers von Technologie und Wissen durch Auslandsinvestitionen. „Für Entwicklungsländer besteht die Herausforderung darin, in künftigen Investitionsabkommen eine Balance zu finden zwischen einerseits ihrem möglichen Beitrag zur Steigerung der Investitionsflüsse und andererseits dem Erhalt des notwendigen Spielraums für entwicklungsorientierte Maßnahmen gegenüber Auslandsinvestitionen“, heißt es in dem Bericht. Eine wichtige Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit sei es daher, die armen Länder bei Verhandlungen über Investitionsabkommen zu beraten und sie dabei zu unterstützen, ihre Interessen zu definieren und zu vertreten. (ell)