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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
Armutsbekämpfung
Afrikas ausbleibende Entwicklung wo liegen die Hindernisse?
Soziales Kapital Grundlage für Entwicklung
 10/2003
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[ Keine Antworten von der herrschenden ökonomischen Lehre ]
Afrikas ausbleibende Entwicklung wo liegen die Hindernisse?
Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es in einigen Staaten in Subsahara-Afrika Anzeichen sowohl politischer Konsolidierung als auch ökonomischer Erholung. Allerdings sind Ausmaß und Nachhaltigkeit dieser zwischenzeitlichen Erfolge strittig geblieben. Was genau sind die Bedingungen für einen stabilen ökonomischen take-off in Afrika? Diese Frage stellte sich das Forschungsteam am Development Centre der OECD um Jean-Claude Berthélemy (Institut supérieur d´Etudes internationales, Paris) und Ludvig Söderling (Afrikaabteilung des IWF). Die Autoren gingen bei ihrer Untersuchung von den Erfahrungen der südostasiatischen Vorbilder Japan, Korea, Taiwan und VR China aus, dass Armutsreduzierung ohne Entwicklung und Wachstum der Wirtschaft unmöglich ist.
Nach Abschluss des dreijährigen Forschungsprojekts Ende 2000 gelangten die Koordinatoren zu der Erkenntnis, dass in vielen afrikanischen Staaten in der Vergangenheit lediglich eine Art Akkumulation ohne Produktivitätszuwachs stattgefunden habe: Kapitalakkumulation habe dort kaum zu Wachstum geführt. Die Autoren empfehlen daher, verstärkt Investitionsanreize zu geben, die Gesamtfaktorproduktivität zu erhöhen, einen tiefgreifenden Strukturwandel einzuleiten, die Exportperformanz zu verbessern (auch durch die Imitation andernorts erfolgreicher Strategien) und politische Reformen durchzuführen, um diesen Prozess abzusichern. Der Gebergemeinschaft raten sie zu einer Neuausrichtung ihrer Entwicklungszusammenarbeit mit dem Ziel, die Selbsthilfe-Kapazitäten der afrikanischen Staaten zu stärken, damit diese größeren Gewinn aus der Globalisierung ziehen können. Zudem solle der Handel weiter liberalisiert werden.
Zwar hebt der Präsident des OECD Development Centre, Jorge Braga de Macedo, in seinem Vorwort hervor, das Forschungsprojekt habe unter anderem gezeigt, dass Afrika nicht essenziell anders sei als andere Kontinente, sondern lediglich weniger gut verstanden werde. Doch das ist genau das Problem auch der von den Projektmitarbeitern präsentierten Analyse. Der ökonomische mainstream, wie er in OECD, Weltbank oder IWF dominiert, hat mittlerweile zwar verstanden, die neueren ökonomischen Theorien auch auf Afrika anzuwenden. Doch das Zusammenspiel von Ökonomie, Kultur und Politik, von klientelistischer Organisation und rentenökonomischer Motivation im hybriden neopatrimonialen Staat, der weder vollends demokratisiert worden ist (oder auch nur rational-legal verfahren würde), aber auch nicht mehr klar autoritär verwaltet wird, ist Vertretern dieser Denkart nach wie vor fremd auch wenn die Existenz rentenökonomischen Verhaltens im Prinzip durchaus attestiert wird. Warum, so die eigentlich entscheidende Frage, die auch in diesem Band nicht thematisiert wird, konnte anders als in Afrika in den Staaten Südostasiens, die ebenso durch politischen Klientelismus und ein hohes Maß an Korruption und Nepotismus geprägt waren, ein ökonomischer take-off gelingen? Umgekehrt formuliert: Was begründet Afrikas relative wirtschaftliche Schwäche jenseits der von der herrschenden ökonomischen Lehre gefundenen Ursachen? Und: Würde sich die vergleichsweise optimistische Diktion der Studie verändern, wenn die von der Ökonomie vernachlässigten Hindernisse in Rechnung gestellt würden?
Ulf Engel
Jean-Claude Berthélemy, Ludvig Söderling: Emerging Africa. Paris: OECD 2001, 231 S., 35,00 E, ISBN 92-64-19655-2
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