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Bücher und Medien


Armutsbekämpfung

Afrikas ausbleibende Entwicklung – wo liegen die Hindernisse?

Soziales Kapital – Grundlage für Entwicklung


10/2003
 

[ Interessante Neuformulierung bekannter Probleme ]

Soziales Kapital –
Grundlage für Entwicklung

Die Herausgeber haben sich viel vorgenommen. Die drei Mitarbeiter des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) fordern eine Umorientierung in der Technischen Zusammenarbeit. Aus ihrer Sicht liegt es nämlich an zwei zentralen Missverständnissen, dass die Anstrengungen der vergangenen Jahrzehnte kaum dazu beigetragen haben, die in den Empfängerländern nötigen Fähigkeiten für Entwicklung – verstanden als umfassende gesellschaftliche Transformation – zu etablieren.

Zum einen – so das Argument – hätten die Geber übersehen, dass in armen Gesellschaften nicht einfach Wissenslücken klaffen, die schnell geschlossen werden müssten. Vielmehr passten Experten-Tipps aus den reichen Ländern oft nicht in die soziale Realität der Empfängerländer. Zum anderen beanstanden die Herausgeber die gut gemeinte Rhetorik in der Entwicklungszusammenarbeit, die „partnerschaftlichen Geist“ beschwöre, jedoch nicht ausreiche, um Dominanz und Fehlsteuerung durch die Geber zu korrigieren. Nötig seien reflektierte Methoden, welche die Empfänger in die Verantwortung einbinden. Solche Gedanken sind freilich nicht neu – sie werden seit langem unter den Schlagworten Rahmenbedingungen und ownership diskutiert.

Die Autoren wollen Lösungen für solche Probleme anbieten. Zentral ist dabei das Konzept des sozialen Kapitals. Soziales Kapital legt die Basis für Vertrauen und kollektives Handeln und ist in zwischenmenschlichen Beziehungen, Konventionen und implizitem Wissen verankert. Über soziales Kapital in diesem Sinne verfügen nicht einzelne Personen, sondern nur Organisationen, Firmen, Kulturen oder Gesellschaften. Es geht bei sozialem Kapital also um ein soziologisches Theorem, das auf sehr viel mehr abzielt als auf Humankapital, welches individuell durch Training erworben werden kann. Soziales Kapital bildet das Fundament, auf dem Humankapital überhaupt erst Entwicklung befördern kann.

Eine andere wichtige Unterscheidung, die mehrere Beiträge hervorheben, ist die zwischen Wissen und Information. Wissen wird definiert als die Fähigkeit, wichtige von unwichtigen Daten zu unterscheiden und relevantes Material sinnvoll zu verwerten. Es geht nicht einfach darum, über möglichst viele Informationen und Informationsquellen zu verfügen, sondern darum, diese produktiv zu nutzen. Entwicklungserfolge, so der Tenor der vorliegenden Aufsatzsammlung, beruhen darauf, dass Menschen in armen Staaten Erfahrungen aus Industrie- und Schwellenländern nachvollziehen und daraus eigene, lokal angepasste Handlungsstrategien ableiten.

Diese Überlegungen sind intellektuell reizvoll. Allerdings bietet der Band kein Rezept dafür, wie das immens wichtige soziale Kapital geschaffen werden kann. Die Einleitung umfassender Modernisierung, die zwischenmenschliche Interaktion auf eine neue Vertrauensbasis stellt, lässt sich eben nicht (entwicklungs-)politisch verordnen. Letztlich liefert „Capacity for Development“ intelligente Neuformulierungen vertrauter Entwicklungshemmnisse – aber eben nicht die im Untertitel versprochenen „New Solutions to Old Problems“.

Hans Dembowski






Sakiko Fukuda-Parr, Carlos Lopes, Khalid Malik (Hg.): Capacity for Development. New Solutions to Old Problems. London, Earthscan 2002, 17,95 £, ISBN 185383-919-1