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Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
Kuba wirbt für das Energiesparen
ASEAN: Regionaler Handel und nachhaltige Entwicklung
InWEnt-Jahresbericht 2002
 10/2003
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[ InWEnt bildet kubanische Energieberater aus ]
Kuba wirbt für das Energiesparen
[Von Mirjam Hägele] Die kubanische Regierung macht aus der Not eine Tugend und wirbt für das Energiesparen. Die Senkung des Energieverbrauchs soll dazu beitragen, die immer noch schwierige ökonomische Lage des Inselstaats zu verbessern. Im Projekt Rationelle Energieverwendung in der kubanischen Zuckerindustrie und dem Hotelgewerbe bildete InWEnt in den vergangenen drei Jahren kubanische Energieberater aus, die ihr Wissen jetzt in die Praxis umsetzen.
Auf der zweispurigen Trasse der Autobahn ins Zentrum von Havanna fahren wenige Autos, meist Oldtimer, die dunkle Abgaswolken hinter sich herziehen. Am Straßenrand wechseln Obstplantagen mit baufälligen Wohnblocks, auf freien Flächen stehen große Plakatwände. Die überdimensionalen Plakate zeigen Porträts von Che Guevara, Fidel Castro und anderen Helden der Revolution. Andere mahnen dagegen den Betrachter zu umweltbewusstem Wasser-, Strom- und Benzinverbrauch: Ahorre - consuma sólo lo necesario (Spare verbrauche nur das Notwendige) steht dort; Agua es vida no lo gastes (Wasser ist Leben verschwende es nicht) oder Ahorro de energía - la esperanza del futuro (Enegiesparen die Hoffnung der Zukunft). Die Plakate sind Teil der umfassenden Aufklärungskampagne der kubanischen Regierung zum Energiesparen. Neben Aufklärung im Schulunterricht gibt es zahlreiche Sendungen im Radio und Fernsehen. Außerdem veröffentlicht die Regierung Informationsbroschüren und eine Zeitschrift unter dem Namen Energía y tú zum Thema Energiesparen und Umweltschutz. Auch die Förderung regenerativer Energiequellen steht auf der politischen Prioritätenliste des Landes, das das Kyoto-Protokoll bereits am 30. April 2002 ratifiziert hat.
Teil der kubanischen Energiespar-Kampagne ist ein Projekt, dass das kubanische Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt (CITMA) im Herbst 2000 gemeinsam mit InWEnt ins Leben gerufen hat. Es handelt sich um ein Umweltmanagement-Projekt über rationelle Energieverwendung in der Zucker- und Glasindustrie sowie im Hotelsektor auf Kuba. Innerhalb von drei Jahren wurden 29 kubanische Experten zu Energieberatern fortgebildet. Eines der wichtigsten Ziele war es, den Teilnehmern theoretische Kenntnisse und die praktische Umsetzung von rationeller Energieverwendung zu vermitteln, die in Kuba nach wie vor in den Kinderschuhen steckt.
Kuba macht aus der Not eine Tugend
Für das in den letzten Jahren gewachsene Interesse Kubas an Umweltpolitik, das die deutsch-kubanische Kooperation ermöglichte, gibt es eine einfache Erklärung: Kuba macht aus der Not eine Tugend. Denn mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Osteuropa löste sich auch der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) auf. Ohne die Unterstützung des sozialistischen Wirtschaftsblocks und aufgrund fallender Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt stürzte die Insel zu Beginn der 90er Jahre in eine schwere Wirtschaftskrise, deren Auswirkungen noch heute spürbar sind. Die Importe Kubas, 1989 noch bei 8,1 Milliarden US-Dollar, schrumpften aufgrund des chronischen Devisenmangels bis 1993 auf einen Tiefststand von 2,01 Milliarden US-Dollar. Der Import sowohl von Energieträgern (Rohöl und dessen Derivate) als auch von Lebensmitteln konnte den nationalen Bedarf zu dieser Zeit nicht decken.
Die Devisenlage hat sich bis Ende der 90er Jahre durch die Legalisierung des Dollars für Einheimische (zahlreiche Exilkubaner überweisen jetzt Geld an ihre Verwandten auf Kuba) und mit der starken Expansion der Tourismusbranche wieder etwas entspannt. Trotzdem hatten die Kubaner in den letzten zehn Jahren kontinuierlich mit Nahrungsmittelengpässen zu kämpfen und auch die Energieversorgung kann nicht immer sicher gestellt werden. Die so genannten apagones, Stromsperren von bis zu zwölf Stunden, führten in den 90er Jahren dazu, dass nachts ganze Stadtteile Havannas stundenlang im Dunkeln blieben.
Die Regierung begegnete der Energiekrise mit verschiedenen staatlichen Programmen, um den Verbrauch zu senken und regenerative Energien fördern. Auch der Umweltschutz hat in diesem Kontext an Bedeutung gewonnen. Neben Aufklärung und Forschung über die Anwendungsmöglichkeiten regenerativer Energien gehören zu diesen Staatsprogrammen auch praktische Maßnahmen, wie die Subvention von Energiesparlampen oder die Installation von Solaranlagen an ländlichen Schulen, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Zudem konnte die Nutzug von Biomasse zur Energiegewinnung soweit ausgebaut werden, dass die Zuckerindustrie ihren Energieverbrauch bis zu 95 Prozent durch die Verbrennung der Bagasse, einem Rückstand der Zuckerproduktion, gewährleisten kann.
InWEnt schult Energieberater in der Praxis
Der größte Energieverbraucher ist die kubanische Industrie, die im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel Energie einsetzt: dort liegt deshalb das größte Einsparungspotenzial. Gerade in den Schlüsselsektoren der Insel, Zuckerherstellung, Nickelförderung und Tourismus, stellt der hohe Energieeinsatz nach wie vor einen signifikanten Wettbewerbsnachteil dar. Hier setzte das Kooperationsprojekt an. Um die Ergebnisse des Umweltmanagement-Projektes bestmöglich zu verbreiten, wurden 29 Experten aus Ministerien, Unternehmen und Hotels für die Fortbildung zum Energieberater ausgewählt. Im November 2003 werden sie nach der öffentlichen Verteidigung ihrer Abschlussarbeiten nicht nur ein Zertifikat der Bundesregierung erhalten, sondern auch ein in Kuba anerkanntes Diplom des Centro de Estudios de Economía y Planificación (CEEP).
Im Laufe der acht Workshops, die vom November 2001 bis Juli 2003 stattfanden, haben die Teilnehmer umfassende Kenntnisse über rationelle Energieverwendung, Energieeffizienz und regenerative Energien erworben. Auf dem Lehrplan standen unter anderem die Vermittlung des theoretischen Grundwissens zur rationellen Energieverwendung, Methoden und Instrumente der rationellen Energieverwendung in der Zuckerindustrie und im Hotelgewerbe, Betriebsanalysen, Energiebilanzen, Monitoring, Controlling, Energiemanagement und Projektmanagement. Ihre neu erworbenen Kenntnisse konnten die Energiebrater anschließend in exemplarischen Energiediagnosen in industriellen Unternehmen und Hotels umsetzen.
InWEnt entschied sich bei den Workshops auf Kuba für eine Zusammenarbeit mit Experten aus Spanien von der Ente Vasco de la Energía (EVE). InWEnt-Projektleiterin Edith Marx sagte: Dank EVE konnten wir Muttersprachler nach Kuba schicken. Auf diese Weise hatten wir keine Informationsverluste, wie es sonst der Fall ist, wenn Dolmetscher die Seminare übersetzen müssen. Die kubanischen Teilnehmer äußerten sich begeistert über das Projekt. Die Spezialisten von EVE hätten hervorragende Arbeit geleistet. Zum Programm gehörte auch eine Studienreise nach Deutschland und Spanien, auf der die 29 Kubaner modernste Technologien des Energiesparens und der regenerativen Energie (Solar, Wind, Biomasse) in der Praxis kennenlernten. Neben Installationen von Solaranlagen zur Wärme- und Stromgewinnung, einem Windpark, der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungs-Technik und Regenwasserverwertungsanlagen besichtigten sie die Ausstellung Brennstoffzelle mit Demoanlagen bei der BEWAG in Berlin. Gerade die Studienreise hat mir die Augen für Möglichkeiten der rationellen Energienutzung und erneuerbarer Energiegewinnung geöffnet, die ich mir vorher kaum vorstellen konnte, sagte eine kubanische Teilnehmerin.
Erfahrungen bereits umgesetzt
Neben der positiven Resonanz zeichneten sich bereits im Juli 2003 weitere erfreuliche Ergebnisse des Projektes ab: Die neu gewonnenen Kenntnisse und Informationen werden bereits in Schulungen für Fachpersonal weitergegeben. Über eine dieser Schulungen sind die Materialien der Workshops landesweit zugänglich. Eines der wichtigsten Ziele des Projektes die Weitergabe des Wissens an Entscheidungsträger, Führungskräfte und Fachpersonal ist somit bereits erreicht.
Auch die praktische Umsetzung der rationellen Energieverwendung schreitet voran: Einige Teilnehmer haben erste Energiediagnosen und -beratungen in einzelnen Fabriken durchgeführt. Ausgewählt wurden hierfür unter anderem repräsentative Betriebe verschiedener Sparten der Lebensmittelindustrie. Obwohl die praktischen Ergebnisse der Umsetzung energiesparender Empfehlungen noch abgewartet werden müssen, sind die vorliegenden Analysen vielversprechend: Sie zeigen, dass in allen untersuchten Fabriken bereits durch die regelmäßige und zuverlässige Wartung der Maschinen, die sachgerechte Installation und Einstellung der Geräte, gute Isolation, vergleichsweise einfache Neuerungen und Energiesparmaßnahmen erhebliche Energie-Einsparungen möglich sind. In der Glasfabrik Vidrio Lisa, in der eine der Fallstudien stattfand, konnte durch einfache Verbesserungen der Energieverbrauch um 25 Prozent gesenkt werden.
Obwohl auf Kuba staatliche Investitionen in neue Technologien kurzfristig nur in begrenztem Ausmaß finanzierbar sind, gibt es zahlreiche vielversprechende Beschäftigungsfelder für die neuen Energieberater. Die ersten Möglichkeiten, die Ergebnisse des Umweltmanagement-Projektes einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, bieten sich schon im November 2003 bei den Energie-Messen Feria Internacional de La Habana 2003 und TecnoURE in Havanna. Dort präsentieren die Teilnehmer ihre Energiediagnosen und Abschlussarbeiten. Nach dem achten und letzten Workshop im Juli 2003 betonte Projektleiterin Edith Marx: Die beiden Messen bieten den Teilnehmern die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs mit deutschen und kubanischen Industrievertretern. Wünschenswert wäre, wenn sich hieraus eine künftige Zusammenarbeit entwickeln würde.
Weitere Informationen im Internet:
Zeitung zum Thema:
http://www.cubasolar.cu/biblioteca/energiaytu.html
Links zu allen kubanischen Energiespar-Programmen auf:
http://www.energia.inf.cu
Webseite des Projekts:
www.energia.inf.cu/iee-mep/default.htm
Energie-Messen auf Kuba:
http://www.camaracuba.cu/FFihav/FIHAV%202003/Fihav_2003.htm;
www.geprop.cu/tecnoure.htm
Mirjam Hägele,Germanistin und Politologin mit Schwerpunkt Lateinamerika, ist freie Mitarbeiterin des Global Media Service der Deutschen Presseagentur (dpa/gms-Themendienst).
mirjam_haegele@gmx.de
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