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 10/2004
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[ Argentinienkrise ]
Schlechte Noten für den IWF
Ein denkbar schlechtes Zeugnis stellt die eigene Evaluierungsabteilung dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für seinen Umgang mit der argentinischen Finanz- und Wirtschaftskrise aus. Der Fonds habe den Krisenverlauf zu optimistisch eingeschätzt und zu lasche Bedingungen an die Vergabe neuer Kredite geknüpft, urteilt das Independent Evaluation Office (IEO) in einem neuen Bericht, den es Ende Juli vorstellte. In den Jahren vor der Krise habe der IWF Warnsignale ignoriert und zu lange die Wechselkursbindung des argentinischen Peso an den US-Dollar unterstützt. Die Hauptschuld trage freilich nicht der Fonds, sondern die argentinische Regierung, betont der Bericht.
In der ersten Hälfte der 90er Jahre habe Argentinien nicht zuletzt dank der Wechselkursbindung die Wirtschaft stabilisieren können. Ende der 90er Jahre sei das Wachstum jedoch deutlich zurückgegangen und die Regierung habe sich immer stärker verschuldet und damit ihren wirtschaftspolitischen Spielraum beschnitten. In dieser Situation, so das Evaluierungsbüro, hätte der IWF stärker auf die Einhaltung der jährlichen Haushaltsziele pochen müssen. Zudem hätte er stärker auf die Gesamtverschuldung des Landes und nicht nur auf die jährliche Neuverschuldung achten müssen.
Der Fonds habe es außerdem versäumt, sich mit der Regierung über ein angemessenes Wechselkursregime für Argentinien zu beraten, obwohl es stets Zweifel gab, ob die Dollarbindung auf lange Sicht sinnvoll ist. Erst als der unmittelbare Handelskonkurrent Brasilien Anfang 1999 seine Währung deutlich abwertete, erwogen die zuständigen IWF-Mitarbeiter ernsthaft, den Peso vom Dollar zu lösen. Aber da war es schon zu spät: Aus Furcht, dass dies erst recht zu einer spekulativen Attacke gegen die argentinische Währung führen könne, sei darüber nicht mit der IWF-Geschäftsführung gesprochen und stattdessen die Dollarbindung beibehalten worden.
In den zehn Monaten vor dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch Ende 2001 erhöhte der IWF die Kredite an Argentinien dreimal auf insgesamt 22 Milliarden Dollar. Der Fonds sei fälschlicherweise davon ausgegangen, es handele sich in erster Linie um eine Liquiditätskrise, die sich rasch in den Griff kriegen lasse. Nicht diese Fehleinschätzung sei das größte Problem, so die Evaluierer, sondern die Tatsache, dass der Fonds über keine Alternativstrategie verfügt habe, als sich seine Annahmen als unzutreffend erwiesen.
Aus den Schlussfolgerungen, die die Evaluierungsabteilung aus ihrer Analyse zieht, stechen zwei hervor: Zum einen könne der IWF nur dann zur Krisenbewältigung beitragen, wenn das betroffene Land kooperiert. Der Freiraum, den der Fonds der argentinischen Regierung im Krisenjahr 2001 eingeräumt hatte, war bei Beobachtern seinerzeit auf ein unterschiedliches Echo gestoßen. Das IEO wertet ihn als klaren Fehler. Zum anderen müsse das geschäftsführende Exekutivdirektorium besser in die Lage versetzt werden, Verantwortung zu übernehmen. Während der Argentinienkrise sei es dran teilweise gehindert worden, weil es unzureichend informiert worden sei. Manche Fragen seien an den Exekutivdirektoren vorbei entschieden worden, weil das Management sie als politisch zu heikel eingestuft habe. (ell)
Im Internet:
http://www.imf.org/External/NP/ieo/2004/arg/eng/index.htm
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