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Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
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 10/2004
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[ Informations- und Kommunikationstechnologien ]
Neue Medien realistisch einschätzen
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie das Internet sind nur noch schwerlich wegzudenken. Wie eng der Zusammenhang zwischen ihrer Verbreitung auf der einen, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung auf der anderen Seite ist, zeigt die Verknüpfung der Strukturdaten (Telefon, PC, Internet) von 162 Ländern mit den bekanntesten Entwicklungsindikatoren, dem Pro-Kopf-Einkommen und dem Human Development Index.
[ Von Jürgen Bethke ]
Verstärkte Integration in den Weltmarkt, Senkung von Transaktionskosten und der Sprung über das Industriezeitalter hinweg direkt in die Informationsgesellschaft das sind die Erwartungen, die in der Entwicklungsdebatte an die modernen Medien und ihre Möglichkeiten geknüpft werden. Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Trotz enger Korrelation präsentieren sich die Entwicklungsländer insgesamt sehr heterogen: Einige Länder verfügen in Relation zu ihrem Entwicklungsstand über eine überproportional gut ausgebaute IKT-Infrastruktur. Diese Gewinner der Digitalen Revolution weichen stark positiv von dem statistisch berechneten Zusammenhang zwischen IKT und Entwicklung ab. Selbst wenn in einigen Ländern das absolute Ausmaß der IKT-Infrastruktur gering ausfällt, ist diese besser, als es der durch die Entwicklungsindikatoren ermittelte Zustand vermuten ließe. Auf der anderen Seite haben es die Verlierer der Digitalen Revolution nicht vermocht, zumindest eine ihrem Entwicklungsstand entsprechende Infrastruktur zu implementieren.
Unter der Gesamtzahl der Entwicklungsländer sind die Gewinnernationen recht selten. Auf jedem Kontinent ist jeweils nur eine Hand voll anzutreffen: In Lateinamerika zählen Brasilien und mit Abstrichen Argentinien und Chile dazu, in Asien vorrangig die Tigerökonomien, aber auch Malaysia darf zu dieser Gruppe hinzugerechnet werden. In Afrika beschränkt sich die Gruppe der Gewinner auf Südafrika und einige seiner Nachbarn im südlichen und südöstlichen Afrika. Hinzu kommen vereinzelte westafrikanische Staaten sowie Mauritius. Die Verlierer der Digitalen Revolution finden sich in erster Linie auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent: in Nordafrika, im Sahel sowie in großen Teilen Zentralafrikas. In Asien sind es insbesondere die südostasiatischen Staaten, deren IKT-Infrastruktur hinter dem Entwicklungsstand zurückbleibt.
Anders als die Identifizierung der Gewinner und Verlierer der Digitalen Revolution kann die Suche nach den Ursachen nicht aus der gleichen globalen Perspektive geschehen. Zu diesem Zweck muss ein umfassender Blick auf die Binnenstrukturen jedes einzelnen Landes gerichtet werden. Erkenntnisse aus der Untersuchung des Gewinners Südafrika und des Verlierers Vietnam deuten darauf hin, dass das Ausmaß weltwirtschaftlicher Verflechtungen und die jeweilige nationale Informationspolitik zu den bestimmenden Faktoren des Leistungsniveaus im IKT-Sektor gehören. Wenn, wie im Fall von Vietnam, die politische Führung IKT und speziell das Internet kontrolliert und die Ausbreitung dieser Technologien hemmt, kann sich kein prosperierender IKT-Sektor herausbilden. So überrascht es nicht, dass zu den Verlierern eine Vielzahl der Länder zählt, die den Informationsaustausch ihrer Bürger über neue Medien behindern.
Überwachung des Internets und Behinderung seiner Ausbreitung erscheint neben wirtschaftlichen Faktoren als Hauptgrund dafür, dass es wesentlich ungleicher über die Erde verteilt ist als Telefon und Computer. Bei diesen weniger komplexen und auch weniger subversiven Technologien ist die Kluft, die sich zwischen den Vorreitern und den rückständigsten Ländern auftut, lange nicht so groß wie im Fall des Herzstücks der modernen IKT, des Internets. Dieses wird fast vollständig von der Ersten Welt dominiert. Vor diesem Hintergrund gilt es, allzu hohe Erwartungen an ICT for Development zu relativieren und die gegenwärtigen Prozesse realistisch und nicht allein zweckoptimistisch zu bewerten.
Jürgen Bethke
ist Dipl.-Geograph und arbeitet als Referendar für Erdkunde und Sozialwissenschaften am Herder-Gymnasium in Köln.
juergen.bethke@onlinehome.de
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