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Japan diskutiert über Entwicklungshilfe

Straßen fördern Entwicklung


10/2005
 

[ Human Development Report 2005 ]

UNDP fordert mehr und bessere Hilfe

Pünktlich zum UN-Gipfel über die Millenniumsziele in New York appellierte das UN-Entwicklungsprogramm UNDP in der ersten Septemberwoche noch einmal eindringlich an die Staatengemeinschaft, die Bemühungen zur Erreichung der Ziele zu verstärken. Die bisherige Bilanz sei enttäuschend, heißt es im diesjährigen Human Development Report: „Das Versprechen gegenüber den Armen der Welt wird nicht eingelöst.“ In drei Bereichen sieht der Bericht Korrekturbedarf: bei der Entwicklungshilfe, in der Handelspolitik und bei der Herstellung menschlicher Sicherheit.

Zwar sei die Entwicklungshilfe in den vergangenen Jahren wieder etwas gestiegen. Doch die Kürzungen in den 90er Jahren seien noch längst nicht ausgeglichen worden, moniert das UNDP. Seit 1990 sei das Pro-Kopf-Einkommen in den reichen Ländern um 6000 Dollar gestiegen, die Entwicklungshilfe pro Kopf dagegen um einen Dollar gesunken. Zudem müssten Qualität und Effizienz der Hilfe erhöht werden. Noch immer gebe es Länder, die ihre Hilfe an die Bedingung knüpfen, dass mit dem Geld Waren aus dem Geberland gekauft werden. Diese Praxis der Lieferbindung koste die Länder mit niedrigem Einkommen fünf bis sieben Milliarden Dollar, schätzt das UNDP. Verbindliche Zielvorgaben und Konditionen in der Entwicklungszusammenarbeit dürfe es nicht nur für die Empfängerländer geben. Vielmehr sollten die Geber sich beispielsweise darauf verpflichten, bis 2010 mindestens 90 Prozent der Entwicklungshilfe gemäß mehrjähriger Zeitpläne auszuzahlen, um Verlässlichkeit zu schaffen.

Hätte Afrika heute den gleichen Anteil an den Weltexporten wie 1980, dann wären laut UNDP seine Exporterlöse achtmal so hoch wie die Entwicklungshilfe. Doch Handel führe nicht automatisch zu weniger Armut, mahnt der Bericht. Mexiko und Guatemala hätten sich in den vergangenen Jahren weit geöffnet und ihre Exporte gesteigert. Doch bei der menschlichen Entwicklung, die neben Einkommen auch andere Indikatoren berücksichtigt, zum Beispiel für Bildung und Gesundheit, hätten sie kaum Fortschritte erzielt. Die WTO-Ministerkonferenz im Dezember müsse einen Durchbruch beim Abbau von Subventionen und Handelsschranken bringen. Zugleich müsse armen Ländern das Recht zugestanden werden, ihre Landwirtschaft gegen Billigimporte aus Europa und den USA zu schützen.

Dem UNDP zufolge haben 22 der 32 Länder mit geringem Entwicklungsstand seit 1990 gewaltsame Konflikte erlebt. Der Bericht beklagt, dass die Entwicklungshilfe nur unzureichend auf den Zusammenhang zwischen Unsicherheit und ausbleibender Entwicklung eingestellt sei. In der Hälfte aller Länder, die einen gewaltsamen Konflikt hinter sich haben, komme es innerhalb von fünf Jahren wieder zu Kampfhandlungen. Und doch versiege der Zufluss an humanitärer Hilfe häufig bald nach Ende eines Konflikts.

Vor zwei Jahren hatte das UNDP argumentiert, die Millenniumziele seien sinnvoll, auch wenn sie am Ende nicht vollständig erreicht würden. Der diesjährige Human Development Report ist pessimistischer: „Alle Anzeichen weisen darauf hin, dass die Welt bei der menschlichen Entwicklung auf ein Desaster zusteuert“, resümiert der Bericht in seltener Deutlichkeit. (ell)