| |
Beiträge aus der Rubrik Medien
Braucht Asien noch Entwicklungshilfe
Entwicklungszusammenarbeit muss effizienter werden
Mehr Hilfe hilft nicht immer
Deutsche Entwicklungshilfe von Hallstein zur Ölkrise
 10/2006
|
|
Braucht Asien noch Entwicklungshilfe?
Overseas Development Institute (Hg.):
Growth and Poverty in Asia: Where next?
Development Policy Review, Vol. 24,
Supplement 1, August 2006, Blackwell Publishing, 112 S., ISSN 0950-6746
Wenn es gelingt, den Anteil der Armen an der Weltbevölkerung bis 2015 gegenüber 1990 zu halbieren, dann wird das Asien zu verdanken sein. Denn in Asien ist die Zahl der Menschen, die von weniger als einem Dollar am Tag leben müssen, infolge von anhaltendem Wirtschaftswachstum stark gesunken. Dennoch lebt auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent weiter die Mehrzahl der Armen. Das Sonderheft der britischen Zeitschrift Development Policy Review untersucht, wie die Armut in Asien weiter verringert werden kann.
Die Autoren sind sich einig, dass dazu weiteres Wirtschaftswachstum nötig ist. Die Bedingungen dafür seien gut, besonders in Indien und China. Drei Engpässe könnten das Wachstum aber laut John Humphrey gefährden: Die Investitionen in Infrastruktur wie Straßen, Wasser und Kanalisation sind in den meisten asiatischen Staaten zu gering; Energie wird knapp und muss großenteils importiert werden; und Umweltschäden zehren einen Teil des Wachstums auf. Es komme darauf an, dass die Regierungen diese Engpässe mit solchen Maßnahmen überwinden, die auch den Armen nützen. Beispielsweise solle der Straßenbau auch der Anbindung vernachlässigter Regionen dienen. Im Energiesektor müssten die Effizienz gesteigert, modernere Technik eingesetzt und höhere Verbraucherpreise akzeptiert werden, jedoch mit einem Ausgleich für die ärmsten Bevölkerungsgruppen.
Bisher profitieren die Armen in Asien nur wenig vom Wachstum. Sarah Cook zeigt, dass der Aufschwung sogar wachsende Ungleichheit erzeugt. So boomen in Indien und China Metropolen oder Küstenregionen, während andere Landesteile zurückfallen. Eine Binnenwanderung ist die Folge die Menschen verdingen sich als Wanderarbeiter oder ziehen dauerhaft in die Städte. Der rasche Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft erzeugt zudem neue soziale Unsicherheit. Die städtische Armut nimmt zu, die Kinderzahl sinkt, und die Sicherungsfunktion der Familien wird untergraben. Der Strukturwandel macht laut Cook neue staatlich gestützte Systeme der sozialen Sicherung und mehr Ausgaben für das Bildungs- und Gesundheitswesen nötig. Spezielle Hilfsprogramme müssten präzise auf arme Gruppen zielen, was jedoch stärkere Lokalregierungen voraussetze. Die Binnenwanderung solle nicht behindert werden, weil durch Überweisungen von Migranten auch entlegene Gebiete am Boom teilhaben.
Auch die Entwicklungszusammenarbeit mit Asien müsse neu bestimmt werden. Für die ärmsten Länder dort ist Entwicklungshilfe weiter als Kapitalquelle wichtig, erklären mehrere Beiträge. Stark wachsende Ökonomien brauchen die Hilfe aber nicht mehr. Die Partnerschaft mit ihnen müsse eher auf Zusammenarbeit in der Forschung beruhen sowie auf Förderung des Technologietransfers und dem Austausch über gute Lösungen, zum Beispiel für die soziale Sicherung.
Die Beiträge überschneiden sich teilweise und beachten kaum die Besonderheiten einzelner Länder. Manche Aussagen, etwa über die Qualität von Institutionen, bleiben recht allgemein. Das Heft gibt jedoch wichtige Anstöße für die Frage, was die Entwicklungspolitik in Schwellenländern noch leisten kann und soll.
Bernd Ludermann
|