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10/2006
 

[ Wüstenbekämpfung ]

Im Sande verlaufen

40 Prozent der weltweiten Landoberfläche sind von Wüstenbildung bedroht. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Desertifikation als eines der größten globalen Umweltprobleme, das zu bekämpfen ein wichtiger Schlüssel zur Armutsreduzierung sei. Doch die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), 1992 auf der Umweltkonferenz von Rio beschlossen und mittlerweile von 191 Staaten ratifiziert, hat bisher kaum Erfolge gezeigt. Dass die Industrieländer die Konvention zu wenig unterstützen, wird gern damit erklärt, Wüstenbildung sei nur für die Entwicklungsländer ein Problem. Aber das ist falsch, sagte Klaus Töpfer, der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms (UNDP), auf einer gemeinsamen Tagung von BMZ und GTZ Anfang September in Berlin. Auch in Südeuropa sei die Wüste längst auf dem Vormarsch. Doch das sei der Öffentlichkeit ebenso wenig bewusst wie der enge Zusammenhang zwischen Klimaschutz, Erhalt der Artenvielfalt und Wüstenbekämpfung. Da die Ressourcen knapp seien, sollte über eine Zusammenführung der drei UN-Konventionen zu diesen Problemen nachgedacht werden, regte Töpfer an.

Töpfer wies darauf hin, dass es heute schon mehr Umwelt- als Kriegsflüchtlinge gebe. Laut Imme Scholz, Leiterin der Abteilung für Umweltpolitik und Ressourcenmanagement am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), waren 2005 von 191 Millionen Migranten weltweit 25 Millionen aus Umweltgründen auf der Flucht. Bis zum Jahr 2050 werden 150 Millionen Menschen weltweit ihre Heimat als Reaktion auf Klimawandel und Bodenerosion verlassen haben. Hoch-Risiko-Länder liegen vor allem in Afrika, wo Knappheit an landwirtschaftlicher Nutzfläche, Süßwassermangel und politische Instabilität zusammentreffen. Die Umsetzung der UNCCD sei wichtig, so Scholz, um Konflikten sowohl in den Herkunfts- als auch in den Zielländern der Migranten vorzubeugen.

Ein Schwachpunkt der Konvention ist ihr Mangel an klaren Zielvorgaben. Entsprechend halbherzig werden die von bereits über 80 Staaten erarbeiteten nationalen Aktionsprogramme verwirklicht. Die Tagungsteilnehmer plädierten dafür, die Konvention mit klaren Verpflichtungen und Sanktionsmechanismen auszustatten; zudem sollten ihre Ziele auf wesentliche Punkte reduziert werden. Die Regierungen der betroffenen Länder sollten bei der Verwirklichung stärker mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Außer finanzieller Unterstützung könnten Anreize für den Schutz des Bodens geschaffen werden, zum Beispiel die Honorierung von Umweltschutzleistungen ähnlich den C02-Zertifikaten im Klimaschutz. Auf keinen Fall jedoch dürften die betroffenen Länder gezwungen werden, Umweltschutz auf Kosten anderer Entwicklungsziele zu betreiben. Silvia Richter