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Privatwirtschaft: In Frieden Geld verdienen
 10/2006
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[ Privatwirtschaft ]
In Frieden Geld verdiene
Wo Gewalt und Krieg herrschen, lässt sich schwer auf ehrliche Weise Geld verdienen. Die meisten Geschäftsleute sind auf ein Mindestmaß an Sicherheit und politischer Stabilität angewiesen. Die Entwicklungspolitik hat deshalb die Privatwirtschaft vor einiger Zeit als natürlichen Verbündeten für die Arbeit in Krisenregionen entdeckt. Krieg zerstört nicht nur für die Ökonomie lebenswichtige Infrastrukturen wie Straßen und Stromversorgung. Noch schwerwiegender, so Rob Mills von der Weltbank, sei die Vernichtung von Sozialkapital und Vertrauen in einer Gesellschaft sowie von Normen und Institutionen den immateriellen Voraussetzungen für erfolgreiches unternehmerisches Handeln. Für Mills ist klar: Eine Entwicklungspolitik, die in krisengeschüttelten Ländern gezielt an der Verbesserung des Investitionsklimas arbeitet, also Willkür und Misstrauen abbauen und verlässliche Institutionen aufbauen hilft, leistet immer auch einen Beitrag zur Konflikteindämmung.
Krieg heißt aber nicht, dass die Wirtschaft zum Erliegen kommt. In Somalia ist der Mobilfunkmarkt rasant gewachsen, seit 1991 die Regierung stürzte und das Land in Anarchie versank. Damals gab es dort 17 000 Telefone, heute zählt Somalia nach Angaben von Hilary Sunman vom britischen Department for International Development (DfID) 131 000 Festnetz- und 98 000 Mobiltelefonanschlüsse. Beobachter sagen, die Abwesenheit des Staates habe dieses Wachstum sogar erst möglich gemacht, weil findige Unternehmer ungehindert von politischer Regulierung ihrem Geschäftssinn nachgehen konnten.
Der Afrikawissenschaftler Gérard Prunier weist allerdings darauf hin, dass auch einige somalische Warlords kräftig am Telefonboom verdient haben. Tony Addison, Professor für Entwicklungsstudien in Manchester, erstaunt das nicht: Durch Krieg, so Addison, würden Investitionen nicht nur verhindert, sondern auch verzerrt: Kapital fließe in andere Bereiche und Regionen als in Friedenszeiten; die Grenze zwischen legaler und illegaler Ökonomie verschwimme. Addison sprach wie Mills und Sunman auf einer internationalen Tagung von DfID, GTZ, BMZ und der britischen Organisation International Alert im September in Berlin.
Die Entwicklungspolitik muss die Ökonomie und ihre Akteure in einer Konfliktregion genau studieren, bevor sie sich einmischt. Andernfalls, so Sabine Becker von der GTZ, drohe die Gefahr, dass Privatsektorförderung Konflikte zusätzlich anheize etwa dadurch, dass sie unwissentlich Kriegsgewinnler stärke oder regionale Ungleichgewichte verschärfe. Paul Collier, früher bei der Weltbank, jetzt Ökonomieprofessor in Oxford, warnte zum Beispiel davor, in Postkonfliktländern großzügig Mikrokreditprogramme aufzubauen: Dadurch würden häufig Mitnahmeeffekte und kriegsbedingte Gier angeheizt und nicht sinnvolle Investitionen gefördert. Beim wirtschaftlichen Wiederaufbau sei meistens Kapitalflucht und nicht Mangel an Liquidität das Problem. Die Entwicklungspolitik solle in solchen Fällen nicht Geld von außen beisteuern, sondern versuchen, außer Landes geschafftes Kapital zurückzulocken. Es gebe nicht nur die Alternative zwischen lokalen und ausländischen Investitionen, sagte Collier: Investitionen der Diaspora seien am wichtigsten.
Eine andere Herausforderung für die Entwicklungspolitik besteht darin, nach Ende eines Konflikts einerseits möglichst schnell wirksame Hilfe zur Belebung der Privatwirtschaft zu leisten, andererseits aber zu vermeiden, durch frühe entwicklungspolitische Eingriffe die Wirtschaftsentwicklung eines Landes zu stark in eine bestimmte Richtung zu lenken. Denn die Erfahrung zeigt, dass sich während der ersten fünf Jahre nach Beendigung eines Konflikts die ökonomische Struktur stark verändert. Die von Deutschland unterstützte afghanische Agentur zur Investitionsförderung AISA gilt als Beispiel für eine schnell wirksame Maßnahme, die einheimische Kapazitäten fördert, ohne den weiteren Entwicklungsweg einzuengen. Laut GTZ hat die Agentur seit ihrer Einrichtung vor drei Jahren mehr als 6000 Unternehmensgründungen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 2,4 Milliarden Dollar unterstützt; in vielen Fällen kam das Geld von der afghanischen Diaspora. (ell)
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