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Carola Torti: Schneller am Ziel DHL unterstützt UN in Katastrophenfällen
 10/2006
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Flaschenhals Flughafen
Im Katastrophenfall muss schnell gehandelt werden. Damit Hilfe bei den Bedürftigen möglichst zügig ankommt, sind gewaltige Transport- und Logistikaufgaben zu bewältigen. Im Rahmen einer Partnerschaft stellt das Express- und Logistikunternehmen DHL den Vereinten Nationen Mitarbeiter, Know-how und Ausrüstung zur Verfügung.
[ Von Carola Torti ]
Katastrophenszenario Iran: Ein schweres Erdbeben erschüttert im Dezember 2003 die Provinzstadt Bam und umliegende Dörfer. Mehr als 40 000 Menschen kommen ums Leben, zehntausende werden obdachlos. Flugzeuge treffen aus aller Welt mit Hilfsgütern ein, aber wegen fehlender Koordination geht manch gut gemeinte Aktion ins Leere. Einige Flugzeuge bekommen keine Landeerlaubnis, andere entladen ihre Fracht auf der Rollbahn, weil sie nicht zum Terminal herankommen.
Sehr schnell war der Flughafen komplett überfüllt, Hilfsgüter lagerten unsortiert herum, durch unsachgemäßen Transport ging vieles zu Bruch, erzählt Chris Weeks, Direktor für Humanitäre Hilfe bei DHL, einer Tochter der Deutschen Post World Net. Damals kam die Idee auf, dass hier die private Wirtschaft ihr Know-how sinnvoll einbringen könnte.
In den vergangenen Jahren haben die Naturkatastrophen zugenommen und entsprechend auch die Hilfseinsätze. Ob Erdbeben, Wirbelsturm oder Tsunami im Notfall tickt die Uhr. Ob und wie schnell Hilfe in entlegenen Gebieten ankommt, entscheidet über Leben und Tod. Damit sie künftig besser Engpässe an Flughäfen managen können, hat DHL den UN Unterstützung angeboten. Gemeinsam mit UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen ) und OCHA (UN-Büro zur Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten) startete die Firma im Dezember eine strategische Partnerschaft.
Logistik erweist sich oft als entscheidender Dreh- und Angelpunkt, sagte der UN-Koordinator für Katastrophenhilfe Jan Egeland. Das Problem ist der Transport der Hilfe zu den Menschen. Dafür seien reibungslos funktionierende Logistikketten nötig. Vereinbarungen mit der Privatwirtschaft können genau dazu beitragen, urteilte Egeland.
Nicht einfach Geld geben
DHL unterstützt die UN mit Know-how, Mitarbeitern, deren Transport an den Einsatzort und mit Ausrüstung: Wir wollen nicht einfach nur Geld geben, sondern das nachhaltig einbringen, was wir am besten können komplexe logistische Prozesse managen, erklärt Susanne Meier. Sie ist bei der Deutschen Post, einem weltweit tätigen Konzern, für gesellschaftliche Verantwortung zuständig. UNDP und OCHA nennt sie ideale Partner wegen deren relevanter koordinierender Funktion bei großen Katastrophen.
Inzwischen hat DHL zwei Desaster Response Teams (DRTs) in Asien und Amerika etabliert. Die Einsatzteams bestehen jeweils aus rund 80 DHL-Fachleuten, die sich neben ihrer regulären Arbeit freiwillig zum humanitären Projekt gemeldet haben. Im Notfall sind die DRTs schnell einsatzbereit, um die UN an Flughäfen in der Nähe von Katastrophengebieten zu unterstützen. Die Gründung weiterer Teams wird erwogen.
Einsätze werden auf drei Wochen veranschlagt, weil sich danach erfahrungsgemäß die Zahl der Flüge wieder normalisiert. Zu den Teams gehören jeweils Experten für diverse Logistikaufgaben wie Lagerung, Informationstechnik oder Controlling aber auch Gabelstaplerfahrer. Die Mitglieder des DRT Asien kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturen der Region, was im Ernstfall helfen dürfte, Sprachbarrieren und andere kulturelle Hürden zu überwinden. Das Personal wurde auch in Sachen Erste Hilfe oder im Umgang mit Soldaten geschult.
UN-Mitarbeiter informierten über sinnvolles Vorgehen vor Ort. Beispielsweise gilt es, bestehende Strukturen möglichst zu nutzen und betroffene Gemeinden einzubeziehen. Die DRT müssen im Ernstfall die Lage richtig einschätzen trotz Chaos und Hektik: Was wird gebraucht? Wie lässt sich ein provisorisches Warenlager organisieren? Wenn die eingehenden Güter nicht systematisch erfasst, sortiert und gelagert werden, kommen sie nicht zügig zu den Notleidenden.
Wechselseitige Vorteile
Wir sind ein internationaler Dienstleister mit rund 500 000 Mitarbeitern weltweit und haben gesellschaftliche Verantwortung in unseren Konzernwerten verankert, sagt Post-Managerin Susanne Meier. Der Einsatz habe aber auch wirtschaftlich Bedeutung, denn Kunden achten zunehmend darauf, ob wir nachhaltig handeln. Humanitäres Engagement trage folglich zur Steigerung des Unternehmenswertes bei. Die Post weiß zudem, dass die Partnerschaft mit den UN-Organisationen auch die Motivation der Mitarbeiter fördert, die reguläre Arbeit mit humanitärem Einsatz verbinden können.
Die UN ziehen allerdings in der Regel finanzielle Hilfe der Spende von Gütern oder Dienstleistungen vor. UN-Koordinator Jan Egeland, der sich für mehr Kooperation mit dem Privatsektor einsetzt, spricht aber auch von spezialisierten Kompetenzen, die in Katastrophensituationen von großem Gewinn für humanitäre und Entwicklungsorganisationen sein könnten. Das Engagement von DHL auf Flughäfen in Notfällen decke einen von den UN längst erkannten Bedarf ab und zwar ganz ohne zusätzliche Kosten. Aussagen darüber, was DHL für die DRT finanziell aufwendet, macht das Unternehmen nicht.
DHL wiederum profitiert vom Eingebundensein in das UN-System, erklärt Chris Weeks: Beispielsweise gibt es ein anderes Vertrauen seitens der Hilfsorganisationen. Wir wollen nicht den ganzen Job, sondern ein Werkzeug im Instrumentarium der UN sein. Seit April steht mit Basis Singapur das DRT für Asien und den pazifischen Raum bereit. Rechtzeitig zur Hurrikan-Saison wurde im Mai auch das amerikanische Gegenstück mit der Basis Miami fertig. Gegebenenfalls wird es in Absprache mit OCHA auch ein DRT für die arabischen Staaten und Afrika geben.
Die DRT sind neu, Katastrophenerfahrung haben aber einige der DHL-Mitarbeiter bereits gesammelt. Sie waren beispielsweise nach dem Weihnachts-Tsunami 2004 in Colombo oder nach dem Erdbeben in Pakistan im vergangenen Jahr als freiwillige Helfer in andere Teams eingebunden. Routine ist wichtig, denn wenn es ernst wird, muss souverän improvisiert werden. Keine Schulung kann für alle denkbaren Situationen Standardlösungen liefern.
In Nordpakistan waren im vergangenen Herbst viele Bergdörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Per Helikopter warf das US-Militär Hilfspakete ab, die aber nach dem Fall aus 35 Meter Höhe häufig zerbarsten. Ein DHL-Freiwilliger kam auf die einfache, aber effektive Lösung, DHL-Versandtaschen aus strapazierfähigem Kunststoff zu Not-Paketen zu schnüren. DHL packte täglich 500 solcher Pakete mit Matratzen, Lebensmitteln und Medikamenten.
Nachdem in Zusammenarbeit mit OCHA die Response Teams etabliert sind, will sich DHL im Rahmen der UN-Partnerschaft auch in der Katastrophenprävention engagieren. Das UNDP hat einen Mangel an Information und Vorbereitung der Bewohner in potentiellen Katastrophengebieten ausgemacht. Hier könnte DHL auch mit Know-how, Personal und Material helfen. Diesmal wäre für Aufklärungskampagnen auch das Marketingkönnen des Logistikunternehmens gefragt.
Carola Torti
arbeitet als freie Journalistin und Übersetzerin in Frankfurt am Main.
c.torti@t-online.de
Links:
UN-Büro zur Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten
http://ochaonline2.un.org/businesscontributions
Deutsche Post World Net
http://www.dpwn.de
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