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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
Zehn Jahre Aktionsprogramm von Kairo kein Anlass zum Feiern
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Staatenzerfall Protektorate als Antwort?
Dienstleistungen: Privatisierung kein Königsweg
Interview mit Montek Ahluwalia, IWF
 11/2003
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[ Internationaler bevölkerungspolitischer Dialog in Berlin ]
Zehn Jahre Aktionsprogramm von Kairo kein Anlass zum Feiern
Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Umweltkonferenz in Johannesburg zehn Jahre nach dem Rio-Gipfel sind die Vereinten Nationen der Dezenniumsfeiern müde. Zum zehnten Geburtstag des Aktionsprogramms von Kairo, das im September 1994 auf der Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung in der ägyptischen Hauptstadt verabschiedet wurde, ist keine offizielle Großveranstaltung vorgesehen. Die Weltorganisation beschränkt sich auf Regional- tagungen und überlässt die Initiative den Nichtregierungsorganisationen, die eine umfangreiche Zwischenbilanz des auf zwanzig Jahre ausgelegten Aktionsprogramms vorbereiten.
Dass es kein Kairo plus 10 geben wird, liegt freilich nicht nur an der allgemeinen Konferenzmüdigkeit, sondern auch daran, dass die Vereinigten Staaten vor zehn Jahren noch ein Motor des Aktionsplans unter der Administration von Bush junior eine bevölkerungspolitische Kehrtwendung um 180 Grad vollzogen haben. Beim zweiten bevölkerungspolitischen Dialog von GTZ, Deutscher Stiftung Weltbevölkerung, KfW, dem Pharmaunternehmen Schering und der International Planned Parenthood Federation (IPPF) am 14. Oktober in Berlin verwies IPPF-Präsident Steven Sinding darauf, dass Washington mittlerweile im Einklang mit dem Vatikan das Kairoer Vokabular, vor allem den Begriff reproduktive Gesundheit, als Ermunterung zu zügellosem Sex und zur Legitimierung von Abtreibungen auslegt.
Übereinstimmend forderten die Teilnehmer von den Industrieländern ein stärkeres finanzielles und politisches Engagement für die internationale Bevölkerungspolitik. Von den 17 Milliarden US-Dollar, die die reichen Länder in Kairo bis zum Jahr 2000 zugesagt hatten, sei bis heute nur die Hälfte gezahlt worden. Verhütungsmittel sowie Personal und Material für Aufklärungskampagnen und für die Schwangerschaftsberatung fehlten überall. Stärker als bisher müssten Familienplanungskonzepte gefördert werden, die eine Vergrößerung der Geburtsabstände auf drei bis fünf Jahre zum Ziel haben. In Lateinamerika und der Karibik zum Beispiel sank die Müttersterblichkeit in den letzten Jahren um mehr als 14 Prozent als Folge der Verlängerung der Baby-Pause auf durchschnittlich zwei bis drei Jahre. Weltweit sterben jährlich 585 000 Frauen wegen unzumutbarer Bedingungen bei Schwangerschaft und Geburt.
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