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Starthilfe für die junge Wirtschaft Russlands

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11/2003
 

[ InWEnt koordiniert Fortbildung für russische Manager ]

Starthilfe für die junge Wirtschaft Russlands

[ Von Isolde Heinz ] Seit 1998 unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des TRANSFORM-Programms ein „Präsidentenprogramm für junge Manager“ aus russischen Unternehmen. InWEnt koordiniert als Generalmanager den deutschen Beitrag zu diesem Fortbildungsprogramm, das im Oktober für vier Jahre verlängert wurde.

Auf dem deutsch-russischen Gipfeltreffen im Oktober 2003 in Jekaterinburg wurde vereinbart, dass sich die deutsche Seite weitere vier Jahre am Fortbildungsprogramm für russische Manager beteiligt. Das Programm heißt Präsidentenprogramm, weil es 1997 vom Präsidenten der Russischen Föderation ins Leben gerufen worden war. Der deutsche Beitrag zum Präsidentenprogramm stellt für das Bundeswirtschaftsministerium ein wichtiges Instrument der Außenwirtschaftsförderung dar. Ziel ist es, in den russischen Regionen die personellen Voraussetzungen für eine moderne, marktwirtschaftliche Unternehmensführung und die erfolgreiche Restrukturierung der Unternehmen zu schaffen.
Das Programm schafft die Voraussetzungen für die Öffnung der russischen Wirtschaft, insbesondere die Aneignung von westlichem Management-Know-how und die Förderung von Kontakten und Wirtschaftskooperationen mit ausländischen Firmen. Zahlreiche Industriestaaten und die Europäische Union unterstützen die russische Initiative. Seit der Gründung des Programms wurden mehr als 25 000 junge russische Manager in russischen Hochschulen weitergebildet. Ein Fünftel von ihnen erhielt die Möglichkeit, Praktika im Ausland zu absolvieren. Den größten Beitrag leistet Deutschland, das ein Drittel aller Fortbildungsplätze zur Verfügung stellt. Bereits rund 2200 russische Manager haben eine Praxisfortbildung in deutschen Unternehmen absolviert. Im Rahmen des TRANSFORM-Programms stellte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit dafür über 21 Mio. Euro bereit. Die deutsche Wirtschaft übernahm Kosten in Höhe von über 10 Mio. Euro. Mit knapp 1,7 Mio. Euro beteiligten sich Bundesländer und Bildungsträger. Mehr als eintausend deutsche Unternehmen aus allen Branchen und Bundesländern nahmen bisher russische Praktikanten auf. Die Unternehmen sind an der Anbahnung von Geschäftskontakten zu russischen Firmen interessiert oder wollen ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in den russischen Regionen ausbauen. Das russische Präsidentenprogramm hat schon zu zahlreichen neuen Geschäftsbeziehungen und Joint-ventures beigetragen.

Die russische Regierung hat für die Organisation des Präsidentenprogramms eine Föderale Kommission unter Leitung des Vizepremiers V. B. Christenko eingesetzt.
A. V. Scharonow, stellvertretender Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Handel, ist als Sekretär der Föderalen Kommission zuständig für die Umsetzung des Präsidentenprogramms in den Regionen der Russischen Föderation. Die Föderale Kommission lädt über landesweite Ausschreibungen jährlich 5000 junge Führungskräfte aus russischen Unternehmen zur Teilnahme an dem Fortbildungsprogramm ein. Kommissionen in 80 Regionen wählen anschließend mit Fach-, Sprach- und Motivationstests die Teilnehmer aus. An über 80 führenden Bildungseinrichtungen in ganz Russland werden die Teilnehmer in einer sechsmonatigen Fortbildung zu moderner Unternehmensführung qualifiziert. Nach erfolgreichem Abschluss kehren die Teilnehmer in ihre Unternehmen zurück. Nur die besten können sich für ein Praktikum in einem der an dem Programm beteiligten Industrieländer bewerben.

Die Teilnehmer, die für einen oder drei Monate zur Fortbildung nach Deutschland kommen, sind im mittleren oder oberen Management ihrer Unternehmen tätig und zumeist für höhere Führungspositionen vorgesehen. Ihre Entsendeunternehmen – überwiegend kleine und mittlere Unternehmen verschiedener Branchen – befinden sich im Prozess der marktwirtschaftlichen Strukturanpassung oder im Aufbau und suchen Geschäftbeziehungen zu deutschen Firmen. Die Teilnehmer erhalten von ihrem Unternehmen eine konkrete Projektaufgabe, die sie während ihres Praktikums in Deutschland lösen.

InWEnt wurde in der „Gemeinsamen deutsch-russischen Erklärung zum Präsidentenprogramm“, die in Jekaterinburg unterzeichnet wurde, erneut als Generalmanager benannt. InWEnt ist der Partner der von der russischen Regierung eingesetzten Föderalen Kommission zur Managerfortbildung. Als Generalmanager koordiniert InWEnt das gesamte deutsche Programm in der Russischen Föderation und in Deutschland. InWEnt hat das Programmkonzept erstellt und passt es inhaltlich regelmäßig an die Lehrprogramme der russischen Hochschulen an.

InWEnt hat in Russland mehr als 120 russische Wirtschaftsdozenten und etwa 100 Deutschlehrer weitergebildet, um die Schnittstelle zwischen dem russischen und dem deutschen Programm optimal zu gestalten. Für die Umsetzung des Präsidentenprogramms in Deutschland führte InWEnt (damals als CDG) in den Jahren 1998 und 2001 öffentliche Ausschreibungen durch, um die deutschen Bildungsträger für das Programm zu bestimmen. Es haben sich mehr als 100 Bildungseinrichtungen an diesen Ausschreibungen beteiligt.

Unter Leitung und als Subauftragnehmer von InWEnt organisieren acht deutsche Bildungskonsortien die branchen- und praxisorientierte Fortbildung in Zusammenarbeit mit Unternehmen sowie Fach- und Interessenverbänden der Wirtschaft. Nach einer fachlichen Fortbildung der Programmteilnehmer bei den Bildungseinrichtungen finden „Trainings on the Job“ in interessierten Unternehmen statt. Diese stimmen mit den jeweiligen Bildungseinrichtungen und den Teilnehmern einen individuellen Praktikumsplan und die Bearbeitung der Projektaufgabe ab und gewährleisten ihre fachliche Betreuung. InWEnt führt regelmäßig eine Evaluierung durch. Darüber hinaus ist InWEnt zuständig für das gesamte Finanzmanagement des Programms und gestaltet Follow-up- Seminare, die etwa sechs Monate nach dem Praktikum in Deutschland stattfinden und den Trainingstransfer in die russischen Unternehmen sicherstellen. Ehemalige Teilnehmer berichten über ihre Erfolge und Schwierigkeiten bei der Umsetzung ihrer Projekte und erhalten bei Bedarf Beratung.

Nach ihrer Rückkehr nach Russland haben die ehemaligen Teilnehmer in vielen Regionen des Landes eigene Vereinigungen gegründet, um sich gegenseitig bei der Anwendung der gewonnenen Erfahrungen zu unterstützen, an der regionalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung mitzuwirken und die im Ausland gewonnenen Kontakte auszubauen. Sie sind in den Regionen Ansprechpartner für die deutsche Wirtschaft geworden.






Isolde Heinz ist Projektleiterin in der InWEnt-Abteilung „Neue Unabhängige Staaten
isolde.heinz@inwent.org