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E-Learning: Von der Euphorie zum Pragmatismus


11/2003
 

[ Dritte E-Learning-Fachtagung von InWEnt ]

E-Learning: Von der Euphorie zum Pragmatismus

In den vergangenen Jahren ist E-Learning zum festen Bestandteil des Bildungsangebots der deutschen Entwicklungszusammenarbeit geworden. Dieser Trend setzt sich auch bei InWEnt durch. Mit der E-Learning-Plattform „Global Campus 21“, die ursprünglich nur als Instrument für den Nachkontakt zu ehemaligen Kursteilnehmern vorgesehen war, hat InWEnt ein breites Angebot für das Lernen in Internet geschaffen.

Trotzdem ist die ganz große Euphorie der „Gründerjahre“ bei der Einschätzung von E-Learning und virtueller Zusammenarbeit einer ausgewogeneren Bewertung der Möglichkeiten gewichen. Dies wurde einmal mehr bei der 3. E-Learning-Fachtagung von InWEnt deutlich, die am 1. Oktober in Bonn stattfand. Die Tagung unter dem Titel „E-Learning im Einsatz – Von der Idee bis zur Durchführung“ thematisierte viele der Probleme, die bei der Entwicklung, Anwendung und Vermarktung von Web Based beziehungsweise Computer Based Trainings (WBTs und CBTs) auftreten.

Eine weltweite Lerngemeinschaft gibt es noch lange nicht. Die digitale Kluft zwischen reichen und armen Ländern und die kulturellen Unterschiede stehen der Entwicklung von globalen Standards beim E-Learning entgegen. Auf kulturspezifische Gestal-tungsaspekte von E-Learning wies Sorina Borggrefe-Moussavian bei der Fachtagung hin. Die Wissenschaftlerin vom „Fraunhofer Institut für Sichere Kommunikation“ empfahl, bei der Planung, Entwicklung und Umsetzung von Lerninhalten sozialpsychologische und kognitive Unterschiede zu berücksichtigen, die etwa zwischen asiatischen und westlichen Gesellschaften festgestellt wurden. Hingewiesen wurde auf der Tagung zudem darauf, dass Content-Anbieter, so auch InWEnt, sich in einem Bildungsumfeld positionieren müssen, das immer stärker von Wettbewerb bestimmt wird.

Dr. Veronique Héon-Klin von der Abteilung Gesundheit von InWEnt stellte das zum Thema HIV/AIDS entwickelte Online-Training vor, dass je nach Region unterschiedlich aufgebaut ist. Auf ein einheitliches Basis-Szenario folgen vier Fallstudien der BMZ-Schwerpunktländer im Bereich Gesundheit (Tansania, Malawi, Indonesien und Vietnam). InWEnt-Geschäftsführer Bernd Schleich warnte freilich davor, die Interkulturalität zu weit zu treiben: „Der Gestalter sollte nicht die Wirklichkeit eines anderen, die er nicht kennt, abzubilden versuchen.“

„Content Solution Model“ heißt eine Lösung für ein standardisiertes Web Based Training. Christina Neuhoff von der Agentur „time4you“ erläuterte, wie ein unternehmensinternes Kompetenz-Team aufgebaut wird, das Inhalte für das Web Based Training zusammenstellt und das Unternehmen Schritt für Schritt von externen Dienstleistern unabhängig macht. „Mit Content lässt sich heute Geld verdienen“, sagte InWEnt-Mitarbeiter Siegfried Karwatzki. Noch orientiere sich personelle Zusammenarbeit weitgehend am „Geschäftsmodell eines traditionellen Know-how-Transfers“ der Geber- in die Empfängerländer. Wie „der Süden aus dem Wissen Geschäfte und damit Arbeit und Einkommen generieren“ könne, werde noch kaum reflektiert. Karwatzki nannte als Beispiel dezentrale Wissenszentren („Know-how tanks“), die lokal und regional verfügbares Wissen sammeln und über das Internet zur Verfügung stellen. Doch regte sich auf der Tagung auch Widerspruch gegen die Verwandlung von Wissen in ein zu vermarktendes „Produkt“. Ziel von InWEnt dürfe nicht die Vermarktung, sondern müsse die Qualitätsverbesserung von E-Learning sein.

Unstrittig ist, dass E-Learning Zukunft hat, wie die Teilnehmer-Statistik des Global Campus zeigt. Wurden 2002 erst 4800 aktive Teilnehmer gezählt, so sind es heute schon 9 800. Jan Grabowski, der die E-Learning-Abteilung von InWEnt leitet, verwies auf ein starkes Wachstum bei der Nutzung virtueller Arbeitsräume. Nicht so gut sieht es bei der Beteiligung an Online-Kursen aus: die Nutzerzahlen sind relativ gering, nur wenige Abteilungen sind in diesem Bereich aktiv.

Markus Dufner, freier Journalist und
Inhaber der Agentur „md public relations“.
markus.dufner@web.de