Meinung

Leserbriefe

Irak: US-Politik in der Sackgasse


11/2003
 

Leserbriefe

[ EU-Agrarreform:
Kein Fortschritt für die Armen, E+Z 2003:8/9, S. 317 ]

Von Entwicklung weit entfernt

Noch vor den gescheiterten Welthandelsgesprächen in Cancún habe ich an der Universität ein Referat über die WTO-Konferenz und über den unfairen Welthandel gehalten. Leider habe ich den gut formulierten Beitrag von Rainer Engels erst nach meiner Präsentation gelesen.

Das zentrale Problem, gegen das ich als junger Ökonom schon immer gekämpft habe, ist der Zustrom europäischer und US-amerikanischer Produkte, die es in Afrika tatsächlich im Überfluss gibt. Wie soll man es eigentlich erklären, dass die meisten Afrikaner Rinder halten (die in Afrika ein Symbol für Wohlstand sind), doch Butter und Käse nahezu vollständig aus Europa importiert werden? Wir kennen die Gründe dafür: Für den afrikanischen Landwirt ist es schwer, seine Produkte auf die Märkte der westlichen Länder zu bringen, während es für den Bauern aus Europa kostengünstig ist, seine Produkte auf den afrikanischen Märkten abzuladen.

Wenn wir diese Missstände nicht angehen, dann sind wir weit entfernt von Entwicklung.

Clement Dlamini, Swaziland



[ Entwicklungszusammenarbeit mit Ostafrika,
E + Z 2003:7, S. 276 ]

Das High-Level Forum on Harmonization, bestehend aus wichtigen internationalen Entwicklungsorganisationen, hat im Februar 2003 in Rom noch einmal die Bedeutung der Bündelung entwicklungspolitischer Instrumente auf der Geberseite einerseits und einer ausreichenden institutionellen Absorptionsfähigkeit auf der Nehmerseite andererseits betont. In der begrüßenswerten Bilanz der siebenjährigen zielgerichteten Arbeit von Thomas Albert kommt die Frage zu kurz, ob die ostafrikanischen Partnerländer, für die Albert im BMZ verantwortlich zeichnet, über ausreichende Kapazitäten verfügen.

Albert hat den großen Instrumentenkasten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit über die Jahre intelligent und innovativ eingesetzt und damit schon allein auf deutscher Seite bemerkenswerte Erfolge erzielt. Und hier kann er auch seine berechtigte Forderung ableiten: Hände weg von der Vor-Ort-Verantwortung der Durchführungsorganisationen, Konzentration der Zuständigkeit des BMZ auf die Vernetzung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit strategischen Partnern weltweit.

Ob damit aber zugleich ein entscheidender Beitrag zur Entlastung der Partnerseite geleistet werden konnte, darf hinterfragt werden. Zu vermuten steht, dass auch auf längere Sicht gezielte Unterstützung erforderlich ist, um die Nachhaltigkeit unserer Arbeit bei den Partnern zu sichern. Erst nach der Festigung notwendiger Strukturen wird es möglich sein, dass die Partnerländer relevante Beiträge für Entwicklungsstrategien ohne internationale Partner erarbeiten und umsetzen.

In diesem Sinne wünschte man sich, die gute Arbeit Alberts unterstützen zu können oder sie eines Tages fortführen zu dürfen.

Wolfhard Behrens, BMZ, zurzeit Botschaft New Delhi



[ Bruttosozialglück als Entwicklungsziel, E+Z 2003:7, S. 288 ]

Dieter Brauer verweist darauf, dass die Regierung von Bhutan Bildung und Gesundheit zu den glückverheißenden Schwerpunkten ihrer Arbeit gemacht hat. Er weist jedoch zugleich darauf hin, dass das Problem der Landflucht weiterhin ungelöst ist und es kaum beschäftigungswirksame ökonomische Aktivitäten in Bhutan gibt.

Nauru war ein ähnlicher Fall, den ich als Stellvertretender Geschäftsführer der Economic Commission for Asia and the Pacific in den 60er und 70er Jahren sowie als UN-Regionaldirektor für Asien und die Pazifik-Region in den frühen 80er Jahren in Augenschein nehmen konnte. In beiden Perioden konnte ich erleben, wie in Nauru auf der Basis eines einzigen Rohstoffes – Phosphat – Wohlstand und die Illusion einer Zukunft geschaffen wurden. Die Bevölkerung bekam von der Regierung Häuser, Gesundheitsdienste, Bildung, Wasser, Strom – alles gratis.

Der kleinen Insel wurden geradezu die Gedärme herausgerissen, um an das Phosphat zu gelangen. In den Begriffen des „Bruttosozialglücks“ zeichnete die Bevölkerung von Nauru sich aus durch ihre Fettleibigkeit, ihre Faulheit (die von Besuchern als idyllischer Lebensstil fehlgedeutet wurde) sowie steigende Raten von Diabetes und anderen Krankheiten. Ihr wirklicher „Wohlstand“ wurde anderswo für die Zukunft buchstäblich „aufgestapelt“: Es war in Melbourne, wo Wolkenkratzer in die Höhe schossen, die sogar bei den Nachbarn dort bald als „Nauru-Hochhäuser“ bekannt wurden. Diese brachten Einnahmen und boten Zuflucht von dem Zeitpunkt an, an dem es kein Phosphat mehr gab und von Nauru nur noch eine vage Erinnerung blieb.

Bhutan ist zu groß und ökologisch zu komplex für dieses Szenario. Dennoch: Es gibt keine Alternative und keine Abkürzungswege zu echter Entwicklung.

C. Suriyakumaran, Colombo, Sri Lanka



[ Andreas Predöhl. Wirtschaftsraum, Staatsraum und Entwicklung, E+Z 2003:4, S. 158 ]

Den Artikel von Wolfgang Hein über Andreas Predöhl habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich habe Predöhl in den 80er Jahren einige Artikel gewidmet, da er meiner Ansicht nach ein bahnbrechender Theoretiker der Zentrum-Peripherie-Beziehungen sowie ein führender Analytiker der Weltwirtschaft war.

Jussi Raumolin, Universität Helsinki