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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
Nordkorea:
Vom Dilemma humanitärer Hilfe
Nation-Building:
Konzept mit Fallstricken
Strukturpolitik als kommunikativer Prozess
 11/2004
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Nordkorea:
Vom Dilemma humanitärer Hilfe
L. Gordon Flake, Scott Snyder (Hg.):
Paved with Good Intentions.
The NGO Experience in North Korea.
Westport, Praeger 2003, 168 S.,
51,80 Euro, ISBN 0-275-98157-6
Michael Schloms:
North Korea and the Timeless Dilemma of Aid.
A Study of Humanitarian Action
in Famines,
Münster, Lit 2004, 320 S., 29,90 Euro,
ISBN 3-8258-7531-8
In Nordkorea wurde es nicht geschafft, Anspruch und Realität humanitärer Hilfe zu versöhnen und die Glaubwürdigkeit humanitärer Hilfe wiederherzustellen. Somit wurde die Chance auf einen Dialog vertan, resümiert Schloms. Die Natur eines Dilemmas liegt darin, dass es sich nicht überwinden lässt. Auf ein Dilemma zu treffen ist somit Teil der humanitären Herausforderung. Zentrales Anliegen von Schloms ist es, die Ansätze für humanitäre Hilfe in Hungersnöten im Spannungsfeld von Theorie und Praxis darzustellen, wobei er seine Thesen am Beispiel Nordkoreas illustriert. Der erste Teil des Buches konzentriert sich auf die Ethik der humanitären Hilfe, die humanitäre Hilfe als solche und Hungersnöte sowie einen geschichtlichen Abriss der internationalen Hilfe in Hungersnöten. Der zweite Teil analysiert am konkreten Beispiel die Implikationen für die Tätigkeit von Nichtregierungsorganisationen in Nordkorea.
Dabei wird die im Falle Nordkoreas politische Brisanz von Hilfsleistungen auf Geber- wie auf Empfängerseite berücksichtigt. Wesentlich ist dabei das Dilemma von NRO, sich an den ihnen zur Verfügung stehenden Leitlinien zu orientieren: erstens der moralischen Pflicht, menschliches Leid zu lindern (humanitärer Imperativ), zweitens der Notwendigkeit, den Maßstäben und Traditionen der jeweiligen Organisation gerecht zu werden, und drittens der Herausforderung, mit den Restriktionen umzugehen, die aus externen politischen Interessen resultieren.
Schloms versteht dabei Dilemmasituationen als zeitloses Merkmal humanitären Handelns. Er widerspricht damit der gängigen Annahme, das humanitäre Dilemma" hänge mit dem Ende des Kalten Krieges und mit Gewalt/Staatenzerfall zusammen. Der Autor sieht die internationale humanitäre Hilfe derzeit in einer Sinnkrise, die nur überwunden werden kann, wenn sich die heterogenen Akteure über grundlegende Ziele und Prinzipien humanitären Handelns verständigen. Die Auswertung zahlreicher Interviews mit Mitarbeiter/innen aus UN-Organisationen, NRO, der EU, USAID und dem BMZ sowie eigene Aufenthalte des Autors in Nordkorea verleihen dem Buch über die theoretische Auseinandersetzung hinaus eine erhebliche praktische Relevanz.
Anders als das Werk von Schloms stellt der schlanke Sammelband von Flake und Snyder das Land Nordkorea selbst und Informationen darüber in den Vordergrund. Sie gehen primär von der Frage aus, welche Erkenntnisse mit Hilfe der NRO über Nordkorea erlangt werden können. Beleuchtet wird die Rolle von NRO generell sowie speziell die der US-amerikanischen, der europäischen und südkoreanischen. Bemerkenswert an dieser geographischen Gliederung der Beiträge ist, dass sie von Autoren der jeweiligen Region verfasst sind. Neben profunden Analysen zur Tätigkeit von NRO in Nordkorea findet sich auch der Beitrag einer südkoreanischen Autorin, der die allgemeinpolitische Seite der Problematik abzudecken sucht. Der Beitrag zu den europäischen NRO von Schloms ist sicher vor dem Hintergrund seiner Monographie und deren inhaltlichen Thesen zu lesen.
Die Darstellungen werden mit einem Ausblick auf die zu ziehenden Lehren für NRO in Nordkorea abgerundet. Insgesamt zeichnen die Autoren ein eher pessimistisches Bild über die Arbeitsbedingungen für NRO, ihren Möglichkeiten des Einblicks in die nordkoreanische Realität und der Flexibilität und Lernfähigkeit der politischen Führung Nordkoreas.
Snyder kommt abschließend zu dem Ergebnis, dass nur der Schritt von der humanitären zur Entwicklungshilfe Nordkoreas Probleme langfristig lösen kann. So zeigt der Band gleichzeitig die Notwendigkeit und die Unmöglichkeit einer strukturellen Lösung der nordkoreanischen Krise auf.
Der Anhang bietet zahlreiche tabellarische Überblicke zu finanzieller Höhe, Art und Entwicklung der humanitären Hilfe sowie eine Chronologie der humanitären Hilfe in Nordkorea von 1995 bis 2002.
Beide Werke ergänzen sich in der unterschiedlichen Zielrichtung ihrer Aussagen und eignen sich daher besonders zur parallelen Lektüre.
Regine Reim
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