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Umweltschutz im südlichen Afrika

„E-Learning macht mehr Arbeit“

Jenseits des Washington Consensus


11/2004
 

[ Wissensnetzwerk SANTREN ]

„E-Learning macht mehr Arbeit“

Enala Mwase arbeitet als Biologin an der University of Zambia in Lusaka. Als InWent-Kursautorin und -Teletutorin war sie an der Entwicklung der E-Learning-Aktivitäten des SANTREN-Netzwerks („Southern African Network for Training and Research on the Environment“) von Anfang an beteiligt. Sie sieht einen großen Vorteil von E-Learning darin, dass die Kursteilnehmer nach dem Ende eines Kurses leichter Kontakt halten können.

Was war der Hauptgrund für SANTREN, E-Learning-Kurse zu entwickeln?
SANTREN ist ein internationales Wissensnetzwerk im südlichen Afrika. Damit sich das auch in den Workshops widerspiegelt, sollen die Teilnehmer unserer Kurse aus verschiedenen Ländern kommen. Das war wegen der enormen Reisekosten in der Vergangenheit aber immer sehr teuer. Also dachten wir, wir könnten mit E-Learning viel Geld sparen.

Hat sich diese Hoffnung bestätigt?
Nur teilweise. Denn zunächst mussten die Lernmodule für den E-Learning-Einsatz völlig neu gestaltet und die Teletutoren intensiv ausgebildet werden. Als wir die Kurse dann online angeboten haben, konnten wir zunächst bei Reisekosten und Unterkunft tatsächlich viel sparen. Es stellte sich aber heraus, dass wir auf den persönlichen Kontakt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht vollständig verzichten können.

Warum nicht?
Die Lernerfahrung ist erst komplett, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht kennen gelernt hat. Das klingt banal, aber es ist wirklich sehr wichtig. Außerdem brauchen wir neben der Vermittlung theoretischer Kenntnisse auch die praktische Anschauung. Wir haben es ja mit Umweltproblemen zu tun. Nur vor Ort können die Teilnehmer sie hautnah und anschaulich erleben. Deshalb haben wir das reine E-Learning aufgegeben und bieten unsere Kurse jetzt als „blended learning“ an. Durch das E-Learning kann die Präsenzphase aber sehr kurz sein. Manchmal reichen schon ein oder zwei Tage.

Ist mit dem E-Learning auch eine Arbeitserleichterung für die Dozenten verbunden?
Nein, eher im Gegenteil. Alle SANTREN-Tutoren machen diese Arbeit ja neben ihrer vollen Stelle an einer Universität. Da ist es oft schwer, sich genügend Zeit für die Betreuung der E-Learning-Teilnehmer zu nehmen. Bei einer Präsenzveranstaltung ist das leichter. Dann nimmt man sich frei, fährt an einen anderen Ort und muss sich dort nicht ständig um irgendwelche Probleme am Arbeitsplatz kümmern. Im Vergleich dazu ist die Arbeitsbelastung für Teletutoren deutlich höher. Sie laufen immer Gefahr, sich zu verzetteln, wenn sie die Betreuung der E-Learning-Kurse neben all ihrer täglichen Arbeit erledigen wollen. Dann rennt man hin und her und findet nicht genug Ruhe für die Teilnehmer. Wenn die Tutoren aber nicht sehr schnell auf Anfragen reagieren, fühlen sich die Teilnehmer allein gelassen und werden frustriert. Bei einer Präsenzveranstaltung kann das nicht passieren, denn man beantwortet ja automatisch jede Frage sofort.

Wird die Bedeutung von E-Learning im südlichen Afrika zunehmen?
Da bin ich sicher. Als wir anfingen, waren wir die einzigen Anbieter von umweltorientierten Fortbildungen mit E-Learning. Inzwischen haben viele Teilnehmer unserer Kurse einen Eindruck von dieser Methode bekommen und waren begeistert. Einige arbeiten selber als Dozenten und wollen jetzt ihre eigenen Kurse online bringen. Das ist auch gut für die internationale Zusammenarbeit. Umweltprobleme kennen ja keine Grenzen. Deshalb ist es so wichtig, dass in unseren Kursen Teilnehmer und Tutoren aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten. Die Technik hilft uns sehr dabei. Per Internet und E-Mail können wir auch nach dem Ende eines Kurses engen Kontakt halten.

Interview: Dirk Asendorpf





Dirk Asendorpf
arbeitet als freier Journalist in Bremen.
Asendorpf@t-online.de