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Beiträge aus der Rubrik Tribüne
Regionale Handelshemmnisse
Planend Grenzen überwinden
Zwischen Armut und Wirtschaftsboom
 11/2004
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[ Afrikanische Wirtschaft ]
Regionale Handelshemmnisse
Die Handelsbeziehungen der afrikanischen Länder sind auf reiche Industrieländer ausgerichtet. Mit ihnen wickeln sie mehr Geschäfte ab als mit Partnern auf dem eigenen Kontinent. Vor allem interne Faktoren bremsen den innerafrikanischen Handel. Transport- und Kommunikationsnetze sind mangelhaft.
[ Von Alexandra Burmann ]
Handel hilft. Das behaupten nicht nur Freihandelsideologen, sondern auch Historiker, die sich mit der Geschichte der Industrieländer befasst haben. Besonders hilft regionaler Handel. Zwar gibt es nirgends so viele Integrationsabkommen wie in Afrika, doch die Handelsbeziehungen sind auch heute noch völlig auf die ehemaligen Kolonialmächte (und die EU) ausgerichtet. Afrika hinkt nicht nur beim Welthandel, sondern auch beim intraregionalen Handel hinterher. Nur acht Prozent der Exporte afrikanischer Länder bleiben auf dem Kontinent (elf Milliarden Dollar).
Dabei könne der regionale Handel auch für Afrika ein Wachstumsmotor sein, sagt K.Y. Amoako, Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA). Die Integration von Märkten gleich starker Partner böte gute Voraussetzungen für deren Einbindung in die Weltwirtschaft. Viele Argumente sprechen für stärkere Kooperation: ähnliche Konsumgewohnheiten, größere Märkte, kurze Wege und so weiter. Warum sich Afrikas Länder dennoch schwer tun mit dem regionalen Handel veranschaulicht eine Studie der Deutschen Welthungerhilfe. Interne Faktoren bremsen. Doch auch die Agrar- und Handelspolitik der Industrieländer behindern die Expansion.
Interne Bremsfaktoren
Afrikas Transportkosten gehören zu den höchsten weltweit. Laut UNECA (2004) kostet der Transport eines Autos von Japan nach Abidjan (Elfenbeinküste) 1500 Dollar. Der Transport des gleichen Wagens von Äthiopien nach Abidjan käme auf 5000 Dollar. Fehlende Transport- und Kommunikationsnetze sind mit das größte Problem. Laut Kamran Kousari, Koordinator für Afrika bei der UNCTAD, sind weder Straßen-, Eisenbahn- und Flugverkehrsnetze noch die Telekommunikation auf den innerafrikanischen Handel ausgerichtet.
Das stellt ein besonderes Problem für Binnenstaaten wie Burkina Faso oder Malawi dar. Die OECD (2001) führt es auf mangelnde Investitionsanreize zurück. Sie schlägt die Einrichtung einer Behörde vor, um regionale Infrastrukturinvestitionen zu koordinieren. Auch die politische Instabilität in vielen Ländern stellt ein wichtiges nicht-tarifäres Handelshemmnis dar. Für Michael Finger, Wirtschaftsexperte bei der WTO, ist die politische Krisenanfälligkeit zusammen mit der fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik die Ursache für hohe Transaktionskosten, welche den regionalen Handel hemmen.
Weitere Probleme verursachen das Fehlen von Institutionen oder deren mangelnde Funktionalität und Unangepasstheit. Cornelius Mwalwanda, der UNECA-Vertreter in Genf, plädiert dafür, Institutionen so zu gestalten, dass sie der Integration Afrikas dienen. Soweit es geht, versucht das International Trade Centre in Genf (ITC), dazu beizutragen (durch Bereitstellung von Marktinformationen, Handelsförderung, Messen, Webportal) und Anbieter und Nachfrager aus Afrika zusammenzubringen. Doch ersetzt derlei nicht nationale oder regionale Strukturen.
Da der Handel mit Produkten des sekundären Sektors einen funktionierenden primären Sektor voraussetzt, sind Institutionen zur Förderung der Landwirtschaft unabdingbar. Funktionierende Landwirtschaft ist in agrarisch geprägten Gesellschaften der Motor für die Entwicklung anderer Sektoren. Angepasste Finanz- und Kreditinstitute, Forschungs-, Beratungs- und Vermarktungseinrichtungen sowie Institutionen für den Aufbau von Weiterverarbeitung und Produktdiversifizierung sind hierzu erforderlich.
Auch die Zollverwaltung erschwert den innerafrikanischen Handel. Beim Transport von Mali zu den Häfen von Lomé (Togo) oder Abidjan entfällt auf die Zollabfertigung ein Drittel der gesamten Transportzeit (Gugerty und Stern, 1996). Die UNCTAD (2003) fordert zur Belebung des Handels neben Zollsenkungen und Investitionen in Infrastruktur auch die Harmonisierung und bessere Koordination der Zollabfertigung.
Die Abhängigkeit von wenigen Primärprodukten stellt ein weiteres Problem für den Kontinent dar. Extreme Wetterlagen, hohe Preisvolatilität und der ständige Verfall der Rohstoffpreise führen zu schwer vorhersehbaren und sinkenden Haushaltsmitteln. Durch das Fehlen weiterverarbeitender Industrien laut UNCTAD (2003) sind 17 der 20 wichtigsten Exportgüter Rohstoffe oder Halbwaren fehlt es an diversifizierten Produkten, die ausgetauscht werden könnten.
Angebotsengpässe, hervorgerufen durch agrarstrukturelle Probleme oder ungünstige wirtschaftspolitische Weichenstellungen, stellen ein zusätzliches Hemmnis dar. Michael Finger klagt, der Handel zwischen Ägypten und Algerien laufe wegen der mangelnden Auslastung der Schiffe immer über Marseille, was die Kosten zusätzlich erhöhe.
Die kleinbäuerliche, kaum Überschüsse produzierende Landwirtschaft, scheint ein Schlüsselproblem darzustellen. Auch wenn sie gelegentlich sektoral Überschüsse zu produzieren vermag (etwa bei cash crops), gilt das für viele auf dem Kontinent konsumierte Produkte nicht. Der Erfolg von landwirtschaftlichem Wachstum durch Produktivitätssteigerungen hängt wesentlich von den Marktchancen ab. Laut IFPRI (2004) haben afrikanische Kleinbauern trotz niedriger Produktionskosten nur einen geringen Anreiz für den Markt zu produzieren, weil häufig achtzig bis neunzig Prozent des Erlöses für Marketing und Transportkosten aufgebracht werden müssen. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft kann also ihr Potenzial nicht voll entfalten.
Externe Störungen
Neben internen Faktoren, die Afrikas Regierungen in den Griff bekommen müssen, behindert auch die Agrar- und Handelspolitik der Industrieländer den regionalen Handel. Zum einen konkurrieren afrikanische Anbieter mit Firmen aus den Industrieländern beim Absatz von Produkten. Manche Waren gelangen nur dank massiver Subventionen auf afrikanische Märkte. Andererseits schützen die Industrieländer ihre Märkte durch Zölle und erschweren so den Aufbau von weiterverarbeitenden Industrien in Entwicklungsländern. Cornelius Mwalwanda sieht Spitzenzölle und Zolleskalation als wichtigste externe Störfaktoren, die afrikanische Länder in die Rolle der Rohstofflieferanten drängten. Notwendige Diversifizierung und Industrialisierung erhielt durch die protektionistische Politik der Industrieländer für weiterverarbeitete Produkte keine Anreize.
Handlungsoptionen
Die Entwicklungspolitik kann die wirtschaftliche Integration Afrikas fördern, indem sie den Aufbau geeigneter Institutionen unterstützt. Veränderung in der Agrar- und Handelspolitik der Industrieländer müssten diese Reformen aber flankieren. Subventionen für landwirtschaftliche Produkte seitens der Industrieländer stellen für den Süd-Süd-Handel ein externes politik-induziertes Problem dar.
Entwicklungsländer bedürfen effektiver Regeln, um sich vor Dumpingexporten aus Industrieländern zu schützen. Vorhandene Schutzinstrumente im WTO-Regelwerk erfordern einen hohen prozeduralen Aufwand, den sich viele Entwicklungsländer nicht leisten können. Daher sind für Entwicklungsländer vereinfachte Regeln nötig. Bislang muss ein Land den Nachweis erbringen, dass eine schwerwiegende Schädigung vorliegt, um sich wehren zu können.
Viele Entwicklungsländer fordern seit längerem einen Re-balancing-Mechanismus. Er würde es erlauben, Aufschläge in Höhe des Subventionsäquivalents zu erheben. Die Dumpingpraxis selbst bliebe dabei aber unverändert. An entsprechenden Reformen der EU-Politik führt deshalb kein Weg vorbei. Eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik auf den Binnenmarkt würde nicht nur das Dumping vermindern, sondern sich bei vielen landwirtschaftlichen Produkten in höheren Weltmarktpreisen niederschlagen und damit einen Anreiz für die Entwicklungsländer darstellen, ihre landwirtschaftliche Produktion zu fördern und eine Handelsausweitung zu erreichen.
Ob die Everything-But-Arms-Initiative der EU seit 2001 höhere Importe aus den am wenigsten entwickelten Ländern bewirkt hat, ist bislang nicht untersucht worden. Die Zollfreiheit allein aber reicht für Afrika nicht aus, sich binnen kurzem aus der Rolle des Rohstofflieferanten heraus zu manövrieren. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ist hart. Längst versorgen andere Entwicklungsländer die Industrienationen mit Gütern, die zu produzieren im eigenen Land zu teuer geworden ist.
Link
Studie der Deutschen Welthungerhilfe:
http://www.welthungerhilfe.de/WHHDE/download/themen/
sued_sued_handel_afrika.pdf
Literatur
Gugerty, M. K., and J. Stern (1996):
Structural Barriers to Trade in Africa. Harvard Institute for International Development, Discussion Paper Number 561, November 1996.
IFPRI (2004):
Exploring Market Opportunities for African Smallholders. By Xinshen Diao and Peter Hazell. International Food Policy Research Institute. 2020 Africa Conference Brief 6, Washington D.C.
OECD (2001):
Obstacles to Expanding Intra-African Trade. OECD Technical Papers No. 169. CD/DOC/2001)1. Paris
UNECA (2004):
Assessing Regional Integration in Africa. Addis Abeba
UNCTAD (2003):
Economic Development in Africa Trade Performance and Commodity Dependence. United Nations Publication, sales no. E.03.II.D.34. New York and Geneva
WTO (2003):
World Trade Report 2003, Genf
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