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Wassernutzung: Kooperation ist die Regel
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 11/2006
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Wassernutzung: Kooperation ist die Regel
Martin Kipping und Stefan Lindemann:
Konflikte und Kooperation um Wasser. Wasserpolitik am Senegalfluss und internationales Flussmanagement im Südlichen Afrika.
Lit Verlag, Münster 2005, 240 S.,
19,90 Euro, ISBN 3-8258-8465-1
Grenzüberschreitende Flüsse sind ein Hauptthema der Debatte über den Zusammenhang von Umweltproblemen und Konflikten. Lange herrschte die Ansicht vor, dass eine Verknappung von Ressourcen die Gefahr von zwischenstaatlicher Gewalt erhöht. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass Konflikte über die Nutzung grenzüberschreitender Flüsse in der Regel kooperativ gelöst werden. Die wissenschaftliche Diskussion hat sich daher der Frage zugewandt, warum die Staaten hier nicht auf Gewalt setzen und unter welchen Bedingungen Kooperation zustande kommt. Die Untersuchungen von Kipping und Lindemann leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Eine englische Zusammenfassung soll 2007 in dem von Hans-Günter Brauch herausgegebenen Band Facing Global Environmental Change (Springer-Verlag Berlin) erscheinen.
Kipping zeigt am Beispiel des Senegal-Flusses, dass eine langanhaltende Dürre Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre die Kooperationsneigung der Anrainerstaaten beförderte. Infolge einer Hungersnot erreichten sie internationale Finanzierungszusagen für Dammbauten und andere Infrastrukturvorhaben, für deren Durchführung die gemeinsame Flussgebietsorganisation zuständig war. Korrigiert werden muss auch die simplifizierende Vermutung, dass Staaten am Oberlauf ihren Standortvorteil in der Regel zuungunsten der Unteranlieger ausnutzen und ihre Interessen einseitig durchsetzen: Am Senegal konnte ein Arrangement ausgehandelt werden, bei dem die Dammbauten den Interessen aller Anrainerstaaten dienten.
Kipping bestätigt die Vermutung, dass ein hohes Gewaltpotenzial am ehesten auf der lokalen Ebene entsteht. Im Fall der Konflikte in Mauretanien 198990 findet er die Erklärung aber nicht in der Verknappung der Ressourcen, sondern in der Ausweitung des Wasserangebots: Der Bau des Manantali-Staudammes führte dazu, dass das Land der politisch marginalisierten schwarzafrikanischen Bevölkerung stark an Wert gewann, denn es konnte nun ganzjährig bewässert werden. Dies veranlasste die den Staat beherrschende maurische Elite dazu, sich dieses Land mit Gewalt anzueignen.
Lindemann fragt nach den Erfolgsbedingungen von internationalem Flussmanagement im südlichen Afrika. Am Beispiel des Okavango und des Sambesi widerlegt auch er die Annahme, dass an grenzüberschreitenden Flüssen unkooperative, asymmetrische Konstellationen vorherrschen. So linderte der Bau des Kariba-Dammes am Sambesi den Elektrizitätsmangel sowohl in Sambia als auch in Simbabwe.
Die Konstellation am Okavango ist dagegen asymmetrischer Natur. Dennoch haben die Anrainerstaaten Angola, Botswana und Namibia ein Forum zur Aushandlung von Konflikten gegründet. Lindemann erklärt das mit der Strategie Botswanas, das Okavango-Delta zum Schutzgebiet zu erklären, wofür sich auch internationale Umweltschutzorganisationen einsetzten. Dem musste Namibia Rechnung tragen, wollte es nicht jede Chance auf Einnahmen aus dem Ökotourismus verlieren.
Beide Fallstudien betonen die Rolle internationaler Geber sowohl bei der Finanzierung von Projekten mit grenzüberschreitenden Auswirkungen als auch bei der Gründung von institutionellen Foren zur Aushandlung von Konflikten. Ein Forschungs- und Beratungsprojekt des BMZ zu Afrika hat das bestätigt. Kipping plädiert aber dafür, die internationale Wasserkooperation nicht um jeden Preis zu fördern: Man müsse beachten, dass die Konfliktlinien bei der Wassernutzung nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Staaten verlaufen.
Waltina Scheumann
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