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 11/2006
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[ Afrika ]
Keine kindgerechte Aids-Behandlung
25 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus gibt es in Entwicklungsländern weder kindgerechte Aids-Medikamente noch geeignete Tests, um eine Infektion bei Säuglingen festzustellen. Dabei ist die Immunschwächekrankheit nach Angaben von UNAIDS für Kinder in einigen Ländern südlich der Sahara bereits die häufigste Todesursache. Zudem stammen 87 Prozent der 2,3 Millionen Kinder, die mit HIV/Aids leben, aus dem südlichen Afrika. Anders als in Afrika ist die Lage in Industrieländern weitgehend unter Kontrolle: Die Mutter-Kind-Übertragung wird medikamentös vermieden, die Kinder können zuverlässig getestet werden und erhalten bei Bedarf die notwendigen antiretroviralen Medikamente.
Stephen Lewis, UN-Sondergesandter für Aids in Afrika, sagt: Es gibt keine akzeptable Entschuldigung dafür, dass afrikanische Kinder sterben müssen, wenn sie HIV/Aids haben. Ihm zufolge werden nur fünf bis zehn Prozent von ihnen mit den überlebenswichtigen Medikamenten behandelt. Die Mittel, die aidskranke Kinder in reichen Ländern bekommen, seien in armen Staaten nicht anwendbar. Obwohl rund 90 Prozent sich während Schwangerschaft, Geburt oder Stillen infizierten, bekämen nicht einmal zehn Prozent der afrikanischen Frauen die Möglichkeit, die Übertragung auf das Kind medikamentös zu verhindern.
Stephen Lewis ging im Oktober auf einer von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, und der Friedrich Ebert Stiftung in Berlin veranstalteten Konferenz mit der Pharmaindustrie hart ins Gericht: Sie ist einfach nicht willens, freiwillig die Preise für Aidsmedikamente zu senken oder sie gratis zur Verfügung zu stellen. Auch die Regierungen der G8-Länder kritisierte er scharf: Sie halten ihre Versprechen nicht. Beim Gipfel in Gleneagles hatten die führenden Industriestaaten und Russland 2005 zugesagt, den Globalen Fonds für Aids, Malaria und Tuberkulose aufzufüllen. Doch schon in diesem Jahr fehlen dem Fonds 300 Millionen Dollar, 2007 wird ein Fehlbetrag von einer Milliarde erwartet. Die Erfüllung des G8-Versprechens, allen afrikanischen Aidskranken bis 2010 die nötigen Medikamente zu beschaffen, rückt weiter in die Ferne.
Große Hoffnung wird indes auf die rasche Entwicklung von Mikrobiziden gesetzt. Sie sind als Gels oder Cremes vaginal und rektal anwendbar und geruchlos. Mikrobizide verhindern die Übertragung des HI-Virus und wirken gleichzeitig verhütend. Bislang kann eine HIV-Übertragung beim Geschlechtsverkehr nur durch die Kondomverwendung verhindert werden, was viele Männer allerdings weiterhin ablehnen. Für Frauen, die heute immerhin 50 Prozent der HIV-Positiven ausmachen (1995 waren es nur zwölf Prozent), wären Mikrobizide daher ein wichtiger Schritt zu einer selbstbestimmten Sexualität. Die Aufwertung von Frauen in der afrikanischen Gesellschaft gilt als wichtiger Faktor im Kampf gegen Aids. Richard Kamwi, namibischer Sozial- und Gesundheitsminister, betont, es sei eine riesige Herausforderung für Regierungen, Mädchen so umfassend zu bilden, dass sie gleichberechtigt aufwüchsen. Er berichtet, in Namibia sei die Aids-Politik so weit vorangeschritten, dass heute HIV-Patienten landesweit kostenlos antiretroviral behandelt werden könnten. Problematisch blieben allerdings knappe Finanzen sowie der Mangel an medizinischem Fachpersonal.
Unicef zufolge kennt weniger als die Hälfte aller jungen Afrikaner die Gefahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs. Für ihr Land bestätigt dies Regina Lesole. Die 39-jährige Frau wurde bei einem Schönheitswettbewerb unter HIV-positiven Menschen in Botswana zur Miss Stigma Free 2006 gewählt. Es gibt so viele Mythen und Vorurteile, was Aids betrifft, sagt die ehemalige Lehrerin. Frauen wissen so viel und kämpfen so hart, aber letztlich haben doch die Männer die Macht. Viele Frauen trauen sich daher nicht, eigene Entscheidungen in Sachen Sex zu treffen.
Auch für Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für Entwicklung und Zusammenarbeit, spielen Mädchen und Frauen im Kampf gegen Aids eine besondere Rolle: Sie müssen stärker gegen Ausgrenzung und Gewalt geschützt werden, wenn nötig auch durch zusätzliche Gesetze.
Petra Meyer
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