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 11/2006
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[ Welternährung ]
IFPRI präsentiert neuen Hungerindex
Im Oktober hat das International Food Policy Research Institute (IFPRI) eine neue statistische Kennzahl zur Ernährungssituation weltweit vorgestellt. Der Hungerindex der multilateralen Einrichtung mit Sitz in Washington erweitert die verwandte Messlatte der Welternährungsorganisation FAO, die Länder in erster Linie nach der pro Kopf im Schnitt aufgenommen Kalorienzahl bewertet, um zwei Faktoren und zwar um den Ernährungszustand von Kindern unter fünf Jahren und die Sterberate derselben Altersgruppe. Die Erstpublikation des Index erfolgte in Kooperation mit der Deutschen Welthungerhilfe in Berlin.
Aus Sicht der Vorsitzenden der Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, ist das neue Zahlenwerk sinnvoll, weil die zusätzlich erfassten Daten einen guten Einblick in die Ernährungssituation geben. Kinder unter fünf seien diejenigen, die von Hunger und Mangelernährung am stärksten beeinträchtigt werden.
Mit den zusätzlichen Parametern lässt sich ein genaueres Bild des weltweiten Hungers zeichnen, wie IFPRI-Leiter Joachim von Braun erläutert. Auch die Ursachen von Ernährungsmissständen ließen sich genauer analysieren. Das helfe wiederum, die Strategien im Kampf gegen die Not zu verbessern.
Von Braun hat Daten von 119 Entwicklungs- und Transformationsländern ausgewertet und einen positiven Trend festgestellt. In zwei Drittel dieser Staaten gebe es Fortschritte und das gelte auch für die vergangenen fünf Jahre. In vielen Fällen sei der Fortschritt aber nur langsam und unbefriedigend. Für ein Drittel der untersuchten Länder stellt von Braun Stagnation oder Rückschritt fest. Am besten sei die Lage in Weißrussland, Argentinien und Chile. Die schnellsten Fortschritte hätten zuletzt Brasilien, China und Indien gemacht.
Der IFPRI-Chef betont, zwei Arten von Maßnahmen seien besonders geeignet, um Hunger und Mangelernährung zurückzudrängen. Erstens seien Investitionen in Landwirtschaft und ländliche Räume wichtig, weil da die Masse der Hungernden lebt. Zweitens komme es auf Sozialpolitik an auf Gesundheitswesen, Mutter-und-Kind-Speisungsprogramme sowie Einkommensbeihilfen für die Ärmsten. In Brasilien beispielsweise bezuschusst der Staat mittlerweile arme Familien unter der Bedingung, dass diese ihren Nachwuchs zur Schule schicken.
Selbstverständlich spielen aber auch globale Verhältnisse eine Rolle. Von Braun fordert die Welthandelsorganisation (WTO) auf, den Warenverkehr mit Hungerländern zu erleichtern. Es sei Besorgnis erregend, dass es an der Agrarfront bei den WTO-Verhandlungen nicht vorangehe. Landwirtschaftliche Exporte würden nämlich dazu beitragen, Armut zu bekämpfen. Die größten Problemfälle sind indessen Länder, die von Krieg und Gewalt erschüttert werden oder wurden wie etwa Burundi, Eritrea, Äthiopien. Besonders verbreitet ist Hunger in Subsahara-Afrika, aber auch Südasien ist stark betroffen.
Die Deutsche Welthungerhilfe sieht ihre Politik durch die IFPRI-Daten bestätigt. Die Organisation fordert seit Jahren Investitionen in die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen sowie Einkommensbeihilfen für Arme.
Philip Banse
Im Internet:
Der IFPRI-Hungerindex: http://www.ifpri.org/pubs/ib/ib47.asp
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