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Auslandsinvestitionen: Fusionen und Übernahmen fast verdoppelt
 11/2006
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[ Auslandsinvestitionen ]
Fusionen und Übernahmen fast verdoppelt
Die ausländischen Direktinvestitionen weltweit sind nach 2004 auch im vergangenen Jahr stark gestiegen: um 29 Prozent auf 916 Milliarden US-Dollar. Von ihrem bisherigen Rekordwert in Höhe von 1,4 Billionen Dollar aus dem Jahr 2000 sind sie nach dem Rückgang 2001 bis 2003 aber noch weit entfernt, wie die UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD in ihrem diesjährigen Weltinvestitionsbericht (World Investment Report 2006) feststellt.
Die Entwicklungs- und Schwellenländer erzielten im vergangenen Jahr wie schon 2004 einen Anteil von gut einem Drittel an den gesamten Auslandsinvestitionen. Die Hälfte davon 165 Milliarden Dollar floss allein nach Ost- und Südostasien. Von dieser Summe wiederum konnten zwei Drittel China und Hongkong für sich verbuchen. Die Hälfte der Investitionen in Ostasien stammen auch aus dieser Region, was auf einen hohen Anteil von lediglich umgeleiteten Kapitalflüssen hindeutet: Viele Investoren aus China parken ihr Geld eine Zeit lang in der Sonderwirtschaftszone Hongkong, von wo aus es getarnt als ausländische Investition nach China zurückfließt (round-tripping). Die Investoren kommen so in den Genuss von Vergünstigungen, die nur ausländischen Unternehmen gewährt werden. Die Asiatische Entwicklungsbank schätzt, dass bis zu 50 Prozent der Auslandsinvestitionen in China in Wahrheit von Chinesen stammen.
Afrika verzeichnete einen starken Anstieg der Auslandsinvestitionen von 17 Milliarden auf 31 Milliarden Dollar. Davon ging jedoch fast die Hälfte in die sechs ölproduzierenden Länder Ägypten, Äquatorialguinea, Algerien, Nigeria, Sudan und Tschad und ein weiteres Fünftel nach Südafrika.
Der Bericht weist darauf hin, dass seit dem Auslaufen des Multifaserabkommens Ende 2004 eine Reihe von ausländischen Textilproduzenten aus afrikanischen Ländern abgezogen sei. Das mache deutlich, dass Handelspräferenzen wie etwa durch den US-amerikanischen African Growth and Opportunities Act oder die europäische Everything-but-Arms-Initiative allein nicht ausreichen, um Investitionen anzuziehen und im Land zu halten.
Die Investitionsflüsse nach Lateinamerika blieben 2005 weitgehend unverändert, nachdem sie sich im Jahr davor auf mehr als 100 Milliarden Dollar verdoppelt hatten. Allerdings gab es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern: Während in Brasilien, Chile und Mexiko die Zuflüsse im letzten Jahr sanken, verzeichneten Ecuador, Kolumbien, Peru, Uruguay und Venezuela deutliche Wachstumsraten.
Deutlich stärker noch als die gesamten ausländischen Direktinvestitionen sind im vergangenen Jahr die Fusionen und Übernahmen (mergers & acquisitions, M & A) gestiegen: um 88 Prozent auf 716 Milliarden Dollar. Davon entfielen gut 450 Milliarden Dollar auf nur 141 Mega-Geschäfte im Wert von mindestens einer Milliarde Dollar. Der Anteil von M & A an den gesamten Auslandsinvestitionen lag 2005 bei 78 Prozent so hoch wie zuletzt Ende der 1990er Jahre, als viele angeschlagene Unternehmen im krisengeschüttelten Südostasien von ausländischen Konkurrenten gekauft wurden. Seit 2000 ist auch der Anteil von Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften (private equity) an den gesamten M & A gewachsen (siehe Grafik). Entwicklungsländer müssten beachten, rät UNCTAD, dass sich solche institutionellen Anleger in der Regel schon nach wenigen Jahren wieder von ihren Investitionen trennen.
Als erfreulich wertet der Bericht das Wachstum von grenzüberschreitenden Investitionen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. 1990 gab es laut UNCTAD nur in sechs Entwicklungsländern Unternehmen, die zusammen mehr als fünf Milliarden Dollar im Ausland investierten; seitdem ist die Zahl auf 25 Länder gestiegen. Vor allem für die ärmsten Länder seien Investitionen aus anderen Entwicklungsländern eine wichtige Kapitalquelle. Seit 1985 haben sich diese Süd-Süd-Investitionen von zwei Milliarden auf über 60 Milliarden Dollar verdreißigfacht. Aus entwicklungspolitischer Sicht seien diese Investitionen noch wertvoller als Investitionen aus Industrieländern, weil Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern in der Regel arbeitsintensiver produzierten und daher mehr Arbeitsplätze schafften. (ell)
Im Internet:
http://www.unctad.org
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