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Urbanisierung gehört auf die Agenda

Fortbildungskonzept für eine bürgernahe
öffentliche Verwaltung


Parlamentarier wollen mehr Beteiligung


12/2004
 

[ Namibia ]

Fortbildungskonzept für eine bürgernahe
öffentliche Verwaltung


Leistungsfähigkeit gehört zu einer an „Good Governance“ ausgerichteten öffentlichen Verwaltung. Viele afrikanischen Länder hoffen bei der Umsetzung eigener Konzepte auf internationalen Austausch. InWEnt unterstützt im Auftrag der Bundesregierung die Bemühungen Namibias, eine bürgernahe und effizient arbeitende öffentliche Verwaltung aufzubauen.


[ Von Paul Schlüter ]

Eine repräsentative Umfrage des United Nations Department of Economic and Social Affairs (UNDESA) unter den politischen Eliten in zehn afrikanischen Ländern kommt zu dem Schluss, dass in den meisten Staaten Einverständnis über die Notwendigkeit einer effizienten, an ethischen Normen orientierten öffentlichen Verwaltung herrscht. Festgeschrieben wurden solche Werte etwa in der „Charter for the Public Service in Africa“. Sie wurde während der 3. Pan-African Conference (PAC) im Jahre 2001 von 38 Staaten des Kontinents verabschiedet. Auf der anderen Seite gibt es in keinem der Länder ein entsprechendes Konzept der Ausbildung.

Aus- und Fortbildung

Wichtige Bausteine für verantwortungsvolle Regierungsführung sind leistungsfähige öffentliche Institutionen, transparente öffentliche Rechnungslegung und Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption. Gemeinsam arbeiten InWEnt und das Office of the Prime Minister (OPM) von Namibia daran, die in der „Charter“ veröffentlichten Prinzipien für den öffentlichen Sektor (Neutralität, gleicher und freier Zugang zu staatlichen Leistungen, Transparenz u.a.) in einem gemeinsamen Fortbildungskonzept umzusetzen.

Die Kooperation wurde Ende 2002 auf den Weg gebracht. Das zunächst auf vier Jahre (2002–2005) angesetzte und vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) finanzierte Projekt „Ethische Normen und Standards in der öffentlichen Verwaltung“ unterstützt die Bemühungen der namibischen Regierung, eine bürgernahe und effizient arbeitende öffentliche Verwaltung aufzubauen.

In den Jahren 2002/2003 entstand so mit Unterstützung von InWEnt das Handbuch „Being a Public Servant in Namibia“. Erarbeitet von der „Efficiency and Charter-Unit“ im OPM erschien Anfang 2004 die 1. Auflage mit 70.000 Exemplaren. Dieser „Pocket Guide“ gibt den Beschäftigten im öffentlichen Dienst auf 160 reich illustrierten Seiten hilfreiche Basisinformationen für alle Arbeitssituationen im Postkartenformat. In acht Kapiteln behandelt das Handbuch u.a. Fragen zum staatlichen Aufbau Namibias, zu den Reformbestrebungen im öffentlichen Dienst, Bürgerorientierung, Grundlagen des Arbeitsrechts etc. Mittlerweile liegt für das Intranet der Ministerien in Windhoek eine elektronische Version des Buches vor. Eine Aktualisierung ist so stets zeitnah möglich.

Gleichzeitig entwickelten InWEnt und OPM gemeinsam Lehr- und Lernmaterialien zu einigen der Themenkreise des Handbuches. Sie sollen der Aus- und Fortbildung von Sachbearbeiterinnen und Sacharbeitern, Vertretern des mittleren Managements und – mittelfristig – der Leitungsebene in den Ministerien dienen.


Module

Erarbeitet wurden ein Lehrgang für neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: In 16 Lernmodulen werden sie systematisch in ihre Aufgabenbereiche eingeführt. Es gibt Einheiten zum Image des öffentlichen Dienstes, Dienstaufsichtsbeschwerden und zur Gleichberechtigung der Geschlechter etc. Ein weiterer Lehrgang zu Bürgernähe und Klientenorientierung („Customer Service“) wird derzeit erarbeitet. Er beinhaltet u.a. ein Video, das verschiedene Verhaltensweisen von Civil Servants gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern illustriert: Dargestellt wird beispielsweise, mit welchen Schwierigkeiten eine Familie bei der Beantragung von Sozialleistungen zu kämpfen hat und wie eine kunden- und bürgerfreundlich orientierte Verwaltung aussehen könnte.

Um sicherzustellen, dass die im Handbuch und den dazugehörigen Lernmaterialien behandelten Themen auch wirklich vermittelt und implementiert werden, führen OPM und InWEnt außerdem Trainingskurse durch. Die Trainerinnen und Trainer sollen in den kommende Jahren als Multiplikatoren/innen der beiden Kurse in ihren Ministerien tätig werden.

Ob und inwieweit die Erfahrungen Namibias auch für andere Länder in der Southern African Development Community (SADC) Region gewinnbringend eingesetzt werden können, wird im kommenden Jahr Gegenstand der Evaluierung des Projekts sein.



Paul Schlüter
arbeitet in der Abteilung Verwaltungspolitik/Sicherheitspolitik von InWEnt.
paul.schlueter@inwent.org