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Meinung
Leserbriefe
Weitere vier Jahre
 12/2004
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Kommentar
Weitere vier Jahre
George W. Bushs Triumph bei den Präsidentenwahlen in den USA führt in Südostasien zu einer weiteren Polarisierung. Gemäßigte Moslems fühlen sich bedroht, da sich der Krieg gegen den Terror in Thailand und auf den Philippinen zuspitzt. Die südostasiatische Geschäftswelt dagegen hatte für den Fall eines Sieges von John Kerry eine Zunahme des US-Protektionismus befürchtet.
[ Von Shamsul A. B. ]
Weltweit erlebten viele die Wiederwahl George W. Bushs als einen Schock. Sogar der Londoner Economist, der die Koalition der Willigen standhaft unterstützt, empfahl, für John Kerry zu stimmen, weil Bush sich bei der Besetzung des Irak als inkompetent erwiesen habe. Aus islamischer Sicht ist es beunruhigend, dass Bushs Sieg maßgeblich auf den Stimmen evangelikaler Christen beruht. Viele Moslems finden, dass es sich bei der Politik des Weißen Hauses trotz aller demokratischen Rhetorik um einen Kreuzzug handelt. Der Abu-Ghraib-Skandal und die Art, wie Washington damit umging, verstärkten diese Ansicht noch. Beides offenbarte einen Mangel an Respekt vor den universalen Prinzipen der Menschenrechte und verschaffte der ansonsten unsinnigen fundamentalistischen Rhetorik Glaubwürdigkeit.
So enttäuschend Bushs Wiederwahl auch sein mag, er ist zweifellos der legitime Präsident der Vereinigten Staaten. Die Welt muss sich mit ihm arrangieren, auch wenn die Polarisierung sich durch ihn verstärkt. In Südostasien wird das bereits deutlich: Singapur, Thailand und die Philippinen sind seit langem Alliierte der USA. Indonesien und Malaysia dagegen, wo zusammen 250 Millionen Malay sprechende Moslems leben, sind eher ambivalent und zuweilen auch kritisch gegenüber der US-Politik eingestellt.
Singapur ist ein Land, das den Terrorismus fürchtet und es deshalb gerne sähe, dass die USA in der Region noch mehr Präsenz zeigten. Die philippinische Regierung hat für ihren Krieg gegen islamistische Terroristen im Süden des Landes sogar mehr Unterstützung aus den USA angefordert. Auch Thailand hat Washington um Hilfe gebeten, die Ausbreitung des Terrorismus im islamischen Süden zu verhindern. Allerdings hat das thailändische Militär selbst zum Blutvergießen im Grenzgebiet zu Malaysia beigetragen. Es kann in diesem Konflikt keine militärische Lösung geben, da es vor allem um sozioökonomische und bildungspolitische Fragen geht.
Ganz anders der Standpunkt von Malaysia. Zwar gratulierte die Regierung Bush zum Wahlsieg, sie machte aber gleichzeitig deutlich, dass Malaysia eines der wenigen islamischen Länder sei, die noch zwischen dem Islam und dem Westen vermitteln könnten. Das Land besitzt ökonomisches Gewicht, Einfluss auf andere islamische Staaten und die nötige politische Stabilität, um als Modell für ein gemäßigtes islamisches Land zu wirken. In Indonesien signalisierte der neue Präsident Susilo Bambang Yudhoyono zwar Unterstützung für Bush, doch bleibt abzuwarten, ob die unbeständigen und zersplitterten islamistischen Gruppen, die Yudhoyono zum Wahlsieg verholfen haben, ihm in dieser Frage folgen werden. Präsident wurde Yudhoyono mit der Hilfe volksnaher Gruppen und des indonesischen Establishments gleichermaßen. Zu hoffen bleibt, dass die Extremisten ihrer Anti-Bush-Haltung nicht mit einem weiteren Bombenanschlag in Jakarta Ausdruck verleihen.
Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen den politischen und den ökonomischen Reaktionen auf die Wiederwahl Bushs. Die südostasiatische Ökonomie ist stark auf US-Investitionen angewiesen. Die meisten Geschäftsleute halten Bushs Wirtschaftspolitik für hilfreich. So hat sich zum Beispiel während seiner ersten Amtszeit der Handel zwischen den USA und Vietnam verdreifacht und für zusätzliche Arbeitsplätze gesorgt. Die Zahlen für Indonesien sind ähnlich. Insofern waren viele südostasiatische Wirtschaftsgruppen wenig erfreut über Kerrys Wahlkampfversprechen, Arbeitsplätze in den USA zu halten.
Die lautstarken Führer der fundamentalistischen Gruppen, die gegen Bush sind, stammen sehr oft aus der Mittelklasse oder den Schichten darunter. Diejenigen, die Bush befürworten, zählen dagegen zu den reichen Weltmarkt-Akteuren. Die ersteren haben enormen Einfluss unter ihren Anhängern, letztere hingegen verfügen über große ökonomische Ressourcen, um Unterstützung für sich zu mobilisieren. Sie könnten, zumindest vorübergehend, sogar Pro-Bush-Demonstrationen finanzieren. Auf lange Sicht ist es jedoch wichtiger, die Menschen am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben zu lassen. Das könnte radikale Einstellungen mäßigen.
Prof. Dr. Shamsul A. B.
lehrt Sozialanthropologie. Er ist Direktor des Institute of the Malay World and Civilization (ATMA) und des kürzlich gegründeten Institute of Occidental Studies (IKON) an der National University of Malaysia. shamab@ukm.my
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