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Beiträge aus der Rubrik InWent-Forum
Krankenhauspersonal: Von HIV/Aids besonders belastet
Abwasser: Ungenutzte Ressource im Nahen Osten
 12/2005
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[ Trinkwasser ]
Effizientes Abwassermanagement
schützt knappe Ressourcen
Kostbares Trinkwasser kann eingespart werden, wo gereinigte Abwässer landwirtschaftlich genutzt werden. Im Nahen Osten ist die Situation besonders brisant. InWEnt-Partner in Jordanien, Libanon, Palästina und der Türkei stehen dabei vor sehr unterschiedlichen Problemen.
[ Von Ismail Al Baz ]
In den Ländern des Nahen Ostens haben schätzungsweise 30 Prozent der Menschen keinen Anschluss an die Abwasserentsorgung. 30 bis 50 Prozent der Abwässer werden nicht geklärt. Das verursacht hygienische Probleme und erhöht die Gefahr von Infektionskrankheiten. Verschmutzung und Eutrophierung durch industrielle, agrarische und urbane Abwässer verschlechtern zudem Qualität und Quantität der regionalen Wasserressourcen. Erst ein effektives und effizientes Abwassermanagement ermöglicht Mehrfachverwertung von Wasser, die aufgrund von wachsender Bevölkerung, zunehmendem Lebensstandard und Urbanisierung dringend notwendig ist.
Verglichen mit anderen Ländern der Region, ist die Türkei mit einem Aufkommen von zirka 2800 Kubikmetern pro Kopf und Jahr erneuerbaren Wasserressourcen wasserreich. Doch das Land hat erhebliche Probleme beim Management von Abwässern. Zwar arbeiten mittlerweile vielerorts moderne Kläranlagen. Aber die Behörden tun sich immer noch schwer, die wachsenden Probleme des Abwassermanagements besonders im ländlichen Raum zu bewältigen. Etwa 50 Prozent der türkischen Bevölkerung sind an das Kanalnetz angeschlossen. Lediglich zehn Prozent des Abwassers wird gemäß EU-Abwassernormen biologisch behandelt.
Jordanien verfügt nur über etwa 200 Kubikmeter pro Kopf und Jahr und Palästina sogar nur über 90 Kubikmeter. In der Region leiden diese Länder am stärksten unter Wassermangel. Ihr Bedarf übersteigt die vorhandenen erneuerbaren Ressourcen. Die rasch wachsende Bevölkerung und steigender Lebensstandard vergrößern die Diskrepanz zwischen Bedarf und Verbrauch noch. Größter Wasserverbraucher ist in allen Ländern die Landwirtschaft.
In Jordanien wird dem Agrarsektor trotz zurückgehender Bedeutung immer noch 70 Prozent des verfügbaren Wassers zugeteilt. Zentrum der Bewässerungslandwirtschaft ist das Jordantal. Hier ermöglicht die staatliche Jordan Valley Authority mit niedrigen Wasserpreisen den Landwirten, ihre Böden rentabel und intensiv zu bestellen. Trotzdem bleibt die Verfügbarkeit von Wasser extrem unsicher. 60 Prozent der Flächen werden inzwischen mittels Tropfleitungen bewässert. Sie sparen die Hälfte des Wassers ein. Weitere Einsparungen sowie eine Steigerung der Effizienz würde die systematische Mehrfachnutzung von Wasser ermöglichen. Doch das setzt die kontinuierliche hygienische und chemische Unbedenklichkeit der geklärten Abwässer voraus.
Gravierende Probleme
Die meisten jordanischen Großstädte sind heute an ein Abwassersystem angeschlossen. In den vergangenen zehn Jahren wurden vielerorts Klärwerke errichtet. Mehr als 80 Prozent der Abwässer werden aufbereitet und gereinigt. Viele alte Kläranlagen in Jordanien stehen aber vor gravierenden Problemen. Bis heute mangelt es an effizienten Abwasser- und Wiederverwertungsstandards sowie an Kontrollmechanismen für Umwelt und Gesundheit.
Im Libanon ist die Situation noch komplizierter. Den meisten Städten fehlt eine moderne Infrastruktur. Sickergruben sind in den Privathaushalten gängig. Nicht selten verunreinigen sie das darunter liegende Grundwasser.
Das Problem stellt sich noch stärker in Palästina. Weil Kläranlagen fehlen, bedrohen Abwässer das Grundwasser. Ein Liter Abwasser verunreinigt acht Liter Trinkwasser. 80 Prozent des Abwassers wird gegenwärtig nicht gereinigt. Lediglich einige wenige Städte besitzen Kläranlagen (Al Biereh, Gaza-Stadt). Für Nablus, Sulfit, Hebron und Ramallah sind Kläranlagen geplant.
Der ständige Wassermangel ist national wie international eine potentielle Konfliktquelle. Die fünf Prozent der Weltbevölkerung, die im Nahen Osten und in Nordafrika leben, verfügen der Weltbank zufolge über weniger als ein Prozent der erneuerbaren Trinkwasserressourcen. Seit 1960 ist die Verfügbarkeit von Wasser pro Person um 62 Prozent zurückgegangen. In den kommenden 30 Jahren dürfte sie sich noch einmal halbieren. In Jordanien, Gaza und dem Westjordanland entfallen schon jetzt auf jeden Bewohner nur 200 Kubikmeter (und weniger) pro Jahr. 50 Prozent des in Jordanien genutzten Wassers stammt aus fossilen Vorräten, die sich nicht erneuern.
Wasser ist ein unverzichtbares Element für die wirtschaftliche Entwicklung. Da es keine weiteren natürlichen Ressourcen gibt, wird zunehmend Brauchwasser für die Bewässerung aufbereitet und wiederverwendet. Das spart Trinkwasser ein. In die gleiche Richtung zielen bessere kommunale Versorgungssysteme und sanierte Leitungen. Sie verringern die Verluste durch Lecks 40 Prozent des Trinkwassers versickert in Jordanien aufgrund undichter Leitungen. Medienkampagnen klären zusätzlich über den nachhaltigen Umgang mit Wasser auf.
Unzulängliche Abwasserreinigung und Wassermangel lassen sich mit einer integrierten Managementstrategie für die Wasserressourcen umsetzen, sagt Jordaniens Ex-Minister für Wasser und Bewässerung, Hazem al Naser. Dazu müssen Qualitätsstandards und Richtlinien für Abwasserreinigung und Wiederverwertung durchgesetzt, adäquate Aufbereitungstechnologien verwendet, das notwendige Personal ausgebildet sowie regionale Kooperation und das öffentliche Bewußtsein gestärkt werden. Obwohl das Konzept der Mehrfachnutzung seit vielen Jahren existiert und in Israel, Tunesien und Jordanien erfolgreich praktiziert wird, steht der Durchbruch aus.
Ändern wollen das InWEnt und seine Partner im Rahmen des Projektes Efficient Management of Wastewater Treatment and Reuse in the Mediterranean Countries. Mit vier Millionen Euro von der EU und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wird es den Länder der Region helfen, Richtlinien für die Reinigung und Wiederverwertung von Abwasser auszuarbeiten.
Parallel entstehen zu Forschungszwecken fünf Pilotanlagen von low-cost bis high-tech zur Abwasserbehandlung. Sie sollen unterschiedliche Verfahren testen. InWEnt arbeitet bei dem Projekt mit Universitäten in Jordanien, Palästina, Libanon und der Türkei zusammen. Europäische Partner sind die italienische Umweltbehörde ENEA, die Technische Universität Hamburg-Harburg und die Umweltberatungsfirma Adelphi Research.
Von den InWEnt-Kursen in Jordanien profitieren überwiegend Beamte und Ingenieure des Ministeriums für Wasser und Bewässerung sowie der jordanischen Wasserbehörden Water Authority of Jordan und Jordan Valley Authority. InWEnt stimmt die Arbeit in regelmäßigen Treffen mit der Regierung, Vertretern der verschiedenen internationalen Geber und den deutschen Partnern von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der KfW Entwicklungsbank ab.
Die vorhandene Infrastruktur ist mit Mehrfachnutzung und sicherer Entsorgung der Abwässer überfordert. Deshalb wird auch in Jordanien über die Privatisierung und Dezentralisierung der staatlichen Strukturen nachgedacht. Nur so scheint es möglich, ein effektives und effizientes Management sicherzustellen. Eine dezentrale Struktur könnte zudem die verschiedenen Interessengruppen an den Entscheidungen beteiligen und ihnen die Kontrolle der Abläufe ermöglichen. Zur Zeit entscheiden häufig informelle Beziehungsnetze über Umfang und Zeitpunkt der Wasserlieferung oder die letztlich zufällige Weitergabe von Informationen.
Entscheidend für eine Umstellung auf Mehrfachnutzung ist letztlich die Akzeptanz bei Landwirten und Verbrauchern. Weder darf es zu Ertragsausfällen in der Landwirtschaft noch zu Gesundheitsgefahren bei Anwendern und Konsumenten kommen. Dies setzt neben beträchtlichen Investitionen auch finanzielle Anreize für die Landwirte zur Verwendung des Abwassers, nach Qualität gestaffelte Wasserpreise, eine transparente Datenlage, zentrale Steuerungsmöglichkeiten sowie eine funktionierende Überwachung der Qualität voraus.
Berater, Bauern und Fachpersonal müssen so geschult werden, dass sie die neue Technik beherrschen. Dafür ist neben Geld vor allem der Wille zu politischen Reformen nötig. Mit der Abwasserwirtschaft alten Stils lassen sich die Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigen.
Dr. Ismail Al Baz
leitet das InWEnt-Projektbüro in Amman, Jordanien.
ismailalbaz@nets.com.jo
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