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Postmodern Global Governance: The UNCCD

Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik

The World Guide 2005/2006

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12/2005
 

Wüstenbildung:
Anregende Lektüre


Andreas Rechkemmer:
Postmodern Global Governance.
The United Nations Convention to Combat Desertification.
Baden-Baden, Nomos Verlag 2004,
172 Seiten, 29,00 Euro, ISBN 3-8329-1032-8

Regierungen müssen zunehmend Probleme lösen, deren Ursachen und Wirkungen sie national nicht mehr kontrollieren können. Der Begriff der Global Governance benennt die neuartige Qualität internationaler Kooperationsformen, mit denen internationale Systemrisiken reduziert werden könnten. Rechkemmer gibt in seinem Buch einen guten Überblick über die Entstehung dieses Begriffes. Er illustriert seine politische Wirksamkeit am Beispiel der UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD).

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, dass die internationalen Beziehungen einen postmodernen Charakter angenommen haben. Als „postmodern“ gelten Beziehungen, die sich an kollektiv vereinbarten Normen orientieren, nationales Handeln in den Kontext internationaler Regime und Regeln stellen und nichthierarchische Strukturen bevorzugen. Sie beteiligen zudem nichtstaatliche Akteure, um gemeinsam Probleme zu analysieren und Lösungen zu entwerfen. Global Governance löst das alte System der zwischenstaatlichen Beziehungen ab, das mit dem Westfälischen Frieden eingeführt worden war und sich bis zu den Weltkriegen bewährte. Kennzeichnend dafür waren das Souveränitäts- und das Territorialprinzip als Basis staatlichen Handelns.

Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro verankerte das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in drei Umwelt-Konventionen. Rechkemmer gilt das als Beleg für die praktische Wirksamkeit der zwischenstaatlichen politischen Postmoderne und gleichzeitig als ihr Höhepunkt. Die UNCCD sei das „postmodernste“ Resultat von Rio. Rechkemmer belegt seine Hypothesen mit Dokumenten und politischen Strategien, die im Rahmen der UNCCD entwickelt wurden.

Das alles ist interessant zu lesen. Wer sich für die Lösung globaler Probleme interessiert oder engagiert, wird gerne zur Kenntnis nehmen, sich damit auf der Höhe der Zeit zu befinden. Aber stimmt das auch? Der Verweis auf die Verweigerungshaltung der USA gegenüber kollektiven Lösungen zieht nicht. Er beinhaltet gerade keine bessere Lösung für transnationale Probleme, sondern stellt lediglich eine Ablehnung verbindlicher internationaler Regime dar. Interessanter wäre ein Blick auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung postmoderner Politik in die Praxis. Hier besteht noch viel Raum für empirische Studien.

Rechkemmers Buch regt dazu an, die auch aus der deutschen Umwelt- und Entwicklungspolitik bekannten Umsetzungsprobleme in einem anderen Licht zu sehen. Auch mächtige Akteure sind zur Lösung globaler Probleme auf Kooperationen mit Schwächeren angewiesen, wollen sie die eigene Handlungsfähigkeit nicht verlieren.

Imme Scholz