| |
Beiträge aus der Rubrik Monitor
Weltinformationsgipfel: Keine Entwicklungssprünge
WSIS: Viele Anregungen, keine Lösungen
Elektroschrott: Digitaler Graben als Müllhalde
Keine Reform der US-Nahrungsmittelhilfe
AKP-Kritik an EPAs
Köhler lanciert Partnerschaft mit Afrika
Entwicklungspolitik im Koalitionsvertrag
Kortmann wird BMZ-Staatssekretärin
Wirklichkeit der Entwicklungshilfe
Textilhandel: Afrika verliert
Zucker: Reform der EU-Marktordnung
 12/2005
|
|
[ Informationstechnologien ]
Keine Hoffnung auf Entwicklungssprünge
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie Computer, Internet und Mobiltelephonie haben in den armen Ländern bislang nicht den Entwicklungsschub gebracht, auf den viele noch vor wenigen Jahren gehofft hatten. So wie die New-Economy-Blase zur Jahrtausendwende platzte, so sind seitdem auch viele Entwicklungsprojekte mit IKT-Komponente gescheitert. Die Technologien haben das Potenzial, Entwicklung voranzubringen, stellt ein neuer Weltbank-Bericht fest, den das Finanzinstitut pünktlich zum Weltinformationsgipfel in Tunis vorlegte. Doch müssen IKT-Projekte sorgfältig geplant sein, um nicht als teure Fehlschläge zu enden.
Für die Weltbank ist der digitale Graben lediglich Ausdruck der allgemeinen Kluft zwischen Armen und Reichen eine Tatsache, die optimistische Hoffnungen dämpfen sollte, mit Hilfe von IKT könnten ganze Entwicklungsstadien übersprungen werden. Die Bank beruft sich auf Schätzungen, nach denen in den ärmsten Ländern die Mehrzahl der IKT-Anwendungen im öffentlichen und privaten Sektor teilweise oder ganz gescheitert sind. Ein noch größeres Problem sieht die Studie darin, dass es kaum verlässliche Daten über den entwicklungspolitischen Effekt von IKT-Anwendungen gebe. Gründe dafür seien unter anderen die Komplexität der Projekte und die Tatsache, dass sie zu wenig systematisch kontrolliert und evaluiert würden. Der Beweis, dass IKT zu Entwicklung beitragen, muss erst noch erbracht werden, stellt der Bericht fest.
IKT-Projekte müssten am Bedarf der Zielgruppen orientiert, dem Entwicklungsstand eines Landes angemessen und in dessen Entwicklungsstrategie eingebunden sein Merkmale, die freilich generell für Entwicklungsprojekte gelten sollten. Der Wirkungsbeobachtung und der Evaluierung von IKT-Projekten sollten etablierte Indikatoren zugrunde gelegt werden, statt neue Maßstäbe zu erfinden .
Der Mangel an Infrastruktur ist für die Weltbank weiterhin das größte Hindernis für eine entwicklungsfördernde Nutzung von IKT. Der Staat allein könne die nötigen Investitionen nicht vornehmen. Zudem seien wie in den Industrieländern auch in vielen Entwicklungsländern die Bereiche Post und Telekommunikation privatisiert worden. Nötig seien daher unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen, um in- und ausländisches Kapital anzulocken. Nötig seien außerdem Partnerschaften zwischen Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und nichtstaatlichen Organisationen, um IKT-Anwendungen voranzutreiben. (ell)
|