Beiträge aus der Rubrik
Monitor


Weltinformationsgipfel: Keine Entwicklungssprünge

WSIS: Viele Anregungen, keine Lösungen

Elektroschrott: Digitaler Graben als Müllhalde

Keine Reform der US-Nahrungsmittelhilfe

AKP-Kritik an EPAs

Köhler lanciert „Partnerschaft mit Afrika“

Entwicklungspolitik im Koalitionsvertrag

Kortmann wird BMZ-Staatssekretärin

Wirklichkeit der Entwicklungshilfe

Textilhandel: Afrika verliert

Zucker: Reform der EU-Marktordnung


12/2005
 

[ Textilhandel ]

Asien behauptet sich, Afrika verliert

Als vor einem Jahr das so genannte Multifaserabkommen auslief, fürchteten viele um die Textil- und Bekleidungsindustrien in kleinen Entwicklungsländern. Länder wie Bangladesch, Kambodscha, Mauritius oder Lesotho hatten die Exportquoten, die ihnen Europa und die USA im Rahmen des Abkommens eingeräumt hatten, zum Ausbau ihrer Textilproduktion genutzt. Die Liberalisierung des Handels, so die Befürchtung, werde diesen Vorteil zunichte machen; die bislang geschützten Industrien dieser Länder würden der Konkurrenz vor allem Chinas nicht standhalten können und eingehen.

Diese Befürchtung ist nur teilweise wahr geworden, lautet das Ergebnis einer neuen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Zwar stiegen die chinesischen Textilexporte nach Europa und in die USA wie erwartet im ersten Quartal 2005 deutlich um insgesamt 45 beziehungsweise 70 Prozent, doch sei die Wachstumsrate jeden Monat etwas kleiner geworden. Insgesamt seien die chinesischen Textilexporte in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 18,4 Prozent gestiegen – fünf Prozentpunkte weniger als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Die ILO weist zudem darauf hin, dass das weltweite Wachstum von Textilimporten aus China Anfang 2005 von einem Rückgang der Einfuhren aus Hongkong, Macau und Taiwan begleitet gewesen sei – ein Zeichen dafür, dass chinesische Hersteller die Produktion aus diesen Regionen zurück ins chinesische Kernland verlagert hätten. Nichtsdestotrotz nahmen die USA und die EU die steigenden Exporte Chinas zum Anlass, eine Klausel aus dem Beitrittsabkommen zwischen der Volksrepublik und der Welthandelsorganisation zu aktivieren und für die nächsten drei Jahre Obergrenzen für chinesische Textileinfuhren festzulegen.

Vor allem die kleinen asiatischen Exporteure sind laut ILO mit dem Wegfall der Quoten bislang deutlich besser fertig geworden als erwartet. Bangladesch und Kambodscha hätten ihre Ausfuhren sogar noch steigern können. Die ILO erwartet für beide Länder, dass dort im Bekleidungssektor neue Stellen geschaffen werden. Bangladesch und vor allem Kambodscha hätten sich gut auf die Liberalisierung des Welttextilhandels vorbereitet – in erster Linie durch eine Erhöhung der Produktivität und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Vor allem letzteres habe dazu beigetragen, dass Importeure aus Industrieländern diesen beiden Ländern treu geblieben seien und sie weiter als Zulieferer nutzten.

Afrika dagegen hat durch die Reform verloren. In Kenia seien seit Oktober 2004 mehr als 6000 Arbeitsplätze im Textilsektor abgebaut worden; laut ILO ist die Hälfte der einst 39 000 Textiljobs in Gefahr. Auch in Lesotho, wo laut ILO der Textilsektor bislang 90 Prozent zu den Exporten beigesteuert hat, sind mehr als zehn Prozent der Arbeitsplätze verloren gegangen. Viele kleine afrikanische Länder hatten in den letzten Jahren ihre Textilindustrien ausgebaut, nachdem ihnen die USA im Rahmen des Africa Growth and Opportunity Act (AGOA) zusätzliche Handelspräferenzen eingeräumt hatten. Laut ILO sind die AGOA-Textilexporte im ersten Quartal 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gesunken. (ell)


Im Internet:
Die ILO-Studie:
http://www.ilo.org/public/english/dialogue/sector/techmeet/tmtc-pmfa05/tmtc-pmfa-r.pdf