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 12/2005
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[ Elektronikschrott ]
Der digitale Graben als Müllhalde
Der Export ausgemusterter Computer aus Industrieländern in Entwicklungsländer ist ein Geschäft mit großen Wachstumsraten. Wenn die Geräte noch funktionieren oder sich die Reparatur lohnt, haben beide Seiten einen Vorteil davon: Hersteller und Verbraucher in den reichen Ländern werden ihre alten Rechner los und kriegen von den Exportunternehmen sogar noch etwas Geld dafür. Die neuen Nutzer in Afrika, Asien und Lateinamerika wiederum kommen günstig an dringend benötigte Hard- und Software. Soweit die Theorie.
In der Praxis handelt es sich bei dem Geschäft jedoch häufig um eine für die reichen Länder bequeme Form der Müllentsorgung. Laut einer Studie der Umweltorganisation Basel Action Network (BAN) ist ein großer Teil der verschifften Geräte wertloser Schrott, der in den Entwicklungsländern auf wilden Müllkippen landet und Mensch und Umwelt schädigt. In Nigeria, wo BAN recherchiert hat, kommen jeden Monat etwa 400 000 alte Computer und Monitore an. Nach Angaben des nigerianischen Verbands der Computerhändler sind davon bis zu 75 Prozent unbrauchbar. Während wir glauben, den ,digitalen Graben zu schließen, eröffnen wir eine ,digitale Müllhalde, resümieren die Autoren der BAN-Studie.
Der Bericht wirft den Exportländern vor, bei der Ausfuhr von Elektronikschrott beide Auge zuzudrücken und gegen eine Reihe internationaler Abkommen zu verstoßen, allen voran die so genannte Basel-Konvention zur Kontrolle des Handels mit gefährlichem Müll. Die UN-Konvention, seit 1992 in Kraft, hat über 160 Mitglieder, darunter alle Industrieländer mit Ausnahme der USA. Doch auch die USA sind nach Angaben von BAN durch eine Vereinbarung im Rahmen der OECD dazu verpflichtet, den Handel mit Sondermüll zu kontrollieren.
BAN fürchtet, dass die Ausfuhr von gefährlichem Müll aus Europa in den nächsten Jahren deutlich ansteigen könnte. Der Grund: Eine EU-Richtlinie verpflichtet die Hersteller und Händler von Elektronikgeräten seit August dieses Jahres dazu, ausrangierte Computer zurückzunehmen und zu recyceln. Wenn die EU-Mitglieder nicht auch den Export von Altgeräten schärfer kontrollierten, dann werde das zu einem Tsunami von Elektronikschrott von Hafen zu Hafen führen, heißt es in der Studie.
Die wichtigste Forderung der Studie lautet: Die Exportländer müssen durchsetzen, dass jeder Altcomputer geprüft wird, bevor er als Gebrauchtgerät außer Landes geschafft wird. Funktioniert er nicht mehr oder lässt er sich nicht mehr reparieren, darf er nicht exportiert werden. Australien habe bereits entsprechende Vorschriften erlassen. Doch erst wenn alle reichen Länder diesem Vorbild folgen, so BAN, können auch die armen Länder vom Handel mit alten Computern profitieren. (ell)
Im Internet:
http://www.ban.org
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