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Beiträge aus der Rubrik Debatte
Fernando Menete, Grupo 20, Mosambik "Die Zivilgesellschaft
Diamanten. Unvergänglich und mit Blut befleckt
Warum Afrika China als Chance sieht
 12/2006
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Kommentar
Unvergänglich und mit Blut befleckt
Der Hollywoodfilm Blood Diamond, der im Dezember in den USA und kurz darauf in Europa in die Kinos kommt, zeigt, wie der Handel mit Diamanten den Bürgerkrieg in Sierra Leone befeuert hat. Die Industrie reagiert empört: Das Thema Blutdiamanten sei längst Geschichte. Doch die Opfer wissen anderes zu berichten.
[ Von Anne Jung ]
Pünktlich zur Vorweihnachtszeit kommt ein Film in die Kinos, der sich um die begehrtesten Steine der Welt dreht: Diamanten. Die Diamantenindustrie reagiert bereits seit Monaten mit Abwehrkämpfen, denn im Zentrum von Blood Diamond mit Hollywoodstar Leonardo DiCaprio steht nicht die heile Welt der Reichen und Schönen, sondern der Bürgerkrieg der 1990er Jahre in Sierra Leone. Die Rebellenbewegung RUF verkaufte die Diamanten an internationale Unternehmen und finanzierte so ihre Waffen.
Nach Angaben der Organisation Partnership Africa Canada ist es ein offenes Geheimnis, dass das südafrikanische Unternehmen de Beers über seine Büros in Guinea und Liberia mit Diamanten gehandelt hat, die aus Sierra Leone stammten. Auch in anderen afrikanischen Ländern wie Angola oder der Demokratischen Republik Kongo wurden Kriege mit Diamanten finanziert.
Der Film bereitet uns Sorgen, klagte der Weltmarktführer im Diamantenhandel de Beers gegenüber CNN Money. Die Branche hatte gehofft, das leidige Thema Blutdiamanten sei endgültig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Immerhin hatte sie sich vor einigen Jahren gemeinsam mit Import- und Exportländern nach starkem öffentlichen Druck im so genannten Kimberley-Abkommen dazu verpflichtet, keine Diamanten aus Konfliktländern mehr zu handeln. Die Diamantenindustrie betont seitdem, dass es keine Blutdiamanten mehr gebe das Thema des Films Blood Diamond sei Geschichte.
Das gilt jedoch nicht für die Opfer des Bürgerkrieges in Sierra Leone. Der Weg vom Ende der Kampfhandlungen zum Frieden ist noch weit. In den diamantenreichen Regionen des Landes herrschen Trostlosigkeit und Verwüstung, berichtet Abu Brima vom sierraleonischen Network Movement for Justice and Development. Die Arbeitsbedingungen in den Minen grenzen an Sklavenarbeit, die Arbeiter, darunter Hunderte Kinder, erhalten meistens nicht einmal 30 Cent am Tag. Die Opfer des Krieges, darunter Tausende Amputierte, haben bislang keine Entschädigung enthalten.
Darüber hinaus deckten die Vereinten Nationen erst vor wenigen Wochen gravierende Lücken bei der Kontrolle des Diamantenhandels auf: Aus dem Krisenland Côte dIvoire waren Diamanten im Wert von mehreren Millionen Dollar nach Ghana exportiert und so legalisiert worden. Nichtregierungsorganisationen haben in der Vergangenheit immer wieder auf die Schwächen des Kimberley-Abkommens hingewiesen, das keinen effektiven Überwachungsmechanismus hat.
Wenn die Diamantenindustrie, die jährlich Millionenbeträge in die Werbung investiert, etwas für ihr Image tun will, dann sollte sie nicht gegen einen Film wettern, der auf ein immer noch aktuelles Problem hinweist, sondern das Kimberley-Abkommen stärken und einen Beitrag für die Opfer der diamantenfinanzierten Kriege leisten.
Es ist wichtig, dass Blood Diamond ein globales Problem einem internationalen Massenpublikum in Erinnerung ruft. Die Erfahrung zeigt, dass dies ein wirksamer Weg ist, die Bevölkerung zur kritischen Nachfrage anzuregen und zur Änderung von Geschäftspraktiken beizutragen. So erzielte der oscarprämierte Film Der ewige Gärtner vor einem Jahr Aufmerksamkeit für die Menschenversuche der internationalen Pharmaindustrie in Afrika.
Blood Diamond verdeutlicht aber auch die Ambivalenz der massenmedialen Aufbereitung globaler Probleme. Filme helfen zweifelsohne, Krieg und Elend breitenwirksam zu skandalisieren, zugleich droht die Gefahr, dass komplexe Sachverhalte banalisiert und die Opfer für Werbezwecke instrumentalisiert werden. So hat das Team von Blood Diamond einen Hilfsfonds eingerichtet, der Aufbauarbeit in den Drehorten in Mosambik und Südafrika leisten soll. Das ist zwar gut gemeint, der Nutzen ist aber fraglich. Den Kriegsopfern in Sierra Leone hilft es jedenfalls nicht, auch wenn es beim Zuschauer so ankommt. Der Blood Diamond Fund erinnert an populäre Projekte von Prominenten wie Rocksänger Bono, die oft mehr PR-Kampagne und weniger nachhaltige Entwicklungsarbeit sind.
Anne Jung
arbeitet in der Presseabteilung
der Frankfurter Hilfsorganisation
medico international.
jung@medico.de
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