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Fernando Menete, Grupo 20, Mosambik "Die Zivilgesellschaft Diamanten. Unvergänglich – und mit Blut befleckt

Warum Afrika China als Chance sieht


12/2006
 

Kommentar

Warum Afrika China als Chance sieht

Anfang November veranstaltete die chinesische Regierung einen dreitägigen Gipfel zur Förderung der Kooperation mit Afrika. Während westliche Regierungen das wachsende Engagement Chinas in Afrika mit Unbehagen sehen, macht der Kontinent bisher gute Erfahrungen.


[ Von Mohamed Guèye ]

Viele afrikanische Politiker und Intellektuelle sehen die Zusammenarbeit mit China als Partnerschaft, bei der beide Seiten gewinnen. Die Chinesen machen Mut; statt zu reden, handeln sie. Hilfe von der Volksrepublik scheint leichter zugänglich als von Europa oder den USA. Es ist mittlerweile ein gewohntes Bild, chinesische Ingenieure und schwarze Arbeiter entlang Afrikas Straßen oder Eisenbahnlinien gemeinsam schuften zu sehen. Derweil knüpfen westliche Partner ihre Hilfe oft an kaum erfüllbare Bedingungen.

In den neunziger Jahren brachte US-Präsident Bill Clinton den African Growth and Opportunity Act auf den Weg. Er sollte afrikanischen Produkten – insbesondere Textilien – Zugang zum amerikanischen Markt verschaffen. Fast zehn Jahre später hat Afrika davon kaum profitiert. Auch andere Pläne des Westens zur Verbesserung der miserablen Lage Afrikas sind gescheitert. Allzu oft ignoriert die reiche Welt die Prinzipien, die sie predigt. Politiker propagierten eine Zeitlang „Handel statt Hilfe“, richteten sich aber nicht danach.

„Freihandel“ ist auch nur noch ein Schlagwort, das für jeden Beteiligten etwas anderes zu bedeuten scheint. Handel zwischen Afrika und dem Westen war nie gleichberechtigt. Immer bestimmten die aktuellen Interessen der mächtigsten Partner die Regeln. Viele Afrikaner empfinden daher den neuen starken Partner in Ostasien als Segen. China respektiert bestehende Abkommen, und afrikanische Politiker hoffen, der schweren Last zu entkommen, an die die viel gerühmte „Hilfe“ des Westens geknüpft ist, die in Wahrheit nur in kleinen Dosen kommt.

Von den 53 Mitgliedern der Afrikanischen Union nahmen 48 an dem Gipfel in Beijing Anfang November teil. Einige Beobachter sahen darin das wichtigste Treffen afrikanischer Staatsoberhäupter, das es je gab. China verkörpert den Erfolg, den afrikanische Führer anstreben. In den 1950er Jahren verhungerten viele Chinesen, heute beneidet die Welt die Volksrepublik um ihre Wachstumsraten.

Die Gipfelteilnehmer gingen nicht mit leeren Händen nach Hause. Chinas Präsident Hu Jintao versprach, die Hilfe für Afrika bis zum Jahr 2009 zu verdoppeln. Die Medien berichteten begeistert über die versprochenen günstigen Darlehen in Höhe von drei Milliarden US-Dollar, Exportkredite von bis zu zwei Milliarden Dollar und den Fünf-Milliarden-Dollar-Fonds zur Förderung chinesischer Investitionen in Afrika. So viel auf einmal hat bisher noch kein anderes Land zugesagt.

Beijing will Geschäfte machen, ist aber offenkundig auch bereit zu helfen. Im vergangenen Jahr stieg China zum wichtigsten Exporteur nach Afrika auf, vor Frankreich und Deutschland. In China hergestellte Autos sind billig und fahren zuverlässig auf unseren Straßen. Güter aus Fernost helfen also, afrikanische Lebensstandards zu verbessern. Nach den USA ist China heute Afrikas zweitwichtigstes Exportziel. Nach Schätzung der Agence Française de Développement (AFD) wird sich der Handel zwischen Afrika und China bis 2010 verdreifachen. Von Dakar bis Maputo investieren chinesische Unternehmen kräftig. Dabei geht es nicht nur um die Ausbeutung von Öl und Rohstoffen, China baut auch Krankenhäuser, Straßen und Schulen. Die in Beijing geschlossenen Verträge im Wert von 1,9 Milliarden Dollar betreffen unterschiedliche Bereiche wie Rohstoffe, Infrastruktur, Finanzen, Technologie, Textilien und Kommunikation.

Während der Westen den Menschenrechten große Bedeutung beimisst, scheint diese Frage für Afrikaner nicht so wichtig. Viele meinen, die Rolle, die der Westen auf ihrem Kontinent gespielt hat, disqualifiziere ihn, belehrend aufzutreten. Dazu kommt, dass die USA und die ehemaligen Kolonialmächte mit wenigen Ausnahmen davor zurückschrecken, sich in afrikanische Konflikte einzumischen.

Afrika ist China dankbar. Die Intellektuellen des Kontinents hoffen freilich, dass die Politik die neuen Chancen geschickt nutzt: Sie muss verhindern, dass die alte Abhängigkeit von einer Sorte reiche Länder durch eine neue Abhängigkeit von einer neuen aufstrebenden Macht ersetzt wird.



Mohamed Guèye
leitet die Wirtschaftredaktion von Le Quotidien, Senegals führender Tageszeitung.
mgueye@lequotidien.sn