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 12/2006
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Handbuch für die Lobbyarbeit
Michaela Ludwig und Andreas Richter:
Vertreibung von Kindern verhindern!
Für ein Menschenrecht auf Schutz vor Vertreibung.
terre des hommes, Osnabrück 2006, 315 S.,
14,95 Euro, ISBN 3-924493-65-0
Der Titel des Buches ist irreführend: Es geht nicht nur um die Vertreibung von Kindern, sondern um alle Menschen, die von ihrem Wohnort flüchten müssen, jedoch das Gebiet des eigenen Staates nicht verlassen. Weltweit gibt es mindestens 25 Millionen solcher so genannter Binnenvertriebener (internally displaced persons, IDPs). Über die Hälfte von ihnen sind laut diesem Buch Kinder und Jugendliche; sie sind damit die am stärksten betroffene Gruppe.
Ein zentrales Problem für den Schutz vor Vertreibung im eigenen Land ist laut Michaela Ludwig und Andreas Richter, dass diese nach wie vor als innere Angelegenheit der betroffenen Staaten gilt. Zwar hat der UN-Beauftragte für die Menschenrechte von Binnenvertriebenen 1998 Leitprinzipien über interne Vertreibung vorgelegt, die auf geltenden Völkerrechtsnormen beruhen und Vertreibungen verbieten. Aber es ist nicht immer klar abzugrenzen, wo Umsiedlung zum Beispiel für den Bau großer Staudämme endet und Vertreibung beginnt.
Um diesem Problem abzuhelfen und die öffentliche Diskussion anzuregen, fordern die Autoren ein Menschenrecht auf Schutz vor Vertreibung. Damit befinden sie sich im Einklang mit dem gegenwärtigen UN-Beauftragten für die Menschenrechte von Binnenvertriebenen, dem schweizerischen Völkerrechtler Walter Kälin. Er begründet diese Forderung in dem Buch in einem ausführlichen Interview unter anderem mit dem Missstand, dass nach dem geltenden Völkerstrafrecht nur Individuen, nicht jedoch Staaten für Vertreibungen zur Verantwortung gezogen werden können.
Vier Länderbeispiele runden den Band ab. Sie schildern Vertreibungsaktionen im Goldenen Dreieck zwischen Burma und Thailand, die Situation in der indonesischen Provinz Aceh nach dem Tsunami Ende 2004 sowie die Bemühungen um Binnenvertriebene in Kolumbien und auf der philippinischen Insel Mindanao. Ergänzt wird der Band durch eine Übersetzung der Leitprinzipien über interne Vertreibung ins Deutsche. Ein ausführliches Glossar und ein Register erleichtern die Arbeit mit dem Buch. Es ist mit eindrucksvollen Plakaten bebildert, die terre des hommes mit Unterstützung von InWEnt erstellt hat. Ärgerlich sind die häufig wiederholten Spendenaufrufe. Doch allen, die sich über Binnenvertreibung umfassend informieren oder dazu aktiv werden wollen, ist die Publikation sehr zu empfehlen.
Uwe Kerkow
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