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Human Development Report 2006: Wasserkrise schlimmer als Krieg
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 12/2006
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[ Human Development Report 2006 ]
Wasserkrise schlimmer als Krieg
Defizite in der Wasser- und Sanitärversorgung verursachen in Afrika volkswirtschaftliche Kosten von über 28 Milliarden US-Dollar im Jahr mehr als der Kontinent 2003 an Entwicklungshilfe erhalten hat. Wenn ab sofort genug investiert würde, damit Afrika bis 2015 das Ziel erreicht, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser zu halbieren, dann würden diese Verluste auf etwa 13 Milliarden Dollar jährlich reduziert. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Human Development Report zum Thema Wasser, den das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) Anfang November vorgelegt hat. Die zentrale Botschaft des Berichts lautet: Probleme der Wasserversorgung sind meistens nicht mangelnder Verfügbarkeit geschuldet, sondern ungerechter Verteilung.
Laut UNDP haben gut eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, 2,6 Milliarden die Hälfte der Bevölkerung aller Entwicklungsländer leben ohne grundlegende Sanitärversorgung. Jeden Tag sterben 4900 Kinder weltweit an Durchfallerkrankungen, 443 Millionen Schultage gehen jährlich durch Krankheiten verloren, die dem Mangel an sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen geschuldet sind. Kein Terrorakt, kein Krieg wirke so verheerend wie die Krise in der Wasser- und Sanitärversorgung, heißt es in dem Bericht. Doch die reiche Welt nehme fast keine Notiz davon.
Der Bericht zeigt, dass die Wasserkrise vor allem die Armen trifft. Wasserpreise spiegeln ein einfaches, widersinniges Prinzip wider: Je ärmer man ist, umso mehr muss man zahlen. In Großbritannien gelte es als Härtefall, wenn die Ausgaben für Wasser drei Prozent des Haushaltsbudgets überschreiten. In Mexiko hingegen haben bei den ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung die Ausgaben für Wasser einen Anteil von sechs Prozent, in El Salvador und Jamaika von über zehn Prozent.
Viele Arme in Entwicklungsländern müssen laut UNDP sogar höhere Wasserpreise zahlen als die Einwohner von Städten in Industrieländern: In den Elendsvierteln von Accra oder Manila kostet der Kubikmeter Wasser mehr als dreimal soviel wie in New York (siehe Grafik). Der häufigste Grund für diese Kluft ist, dass die Armen nicht an (öffentliche) Versorgungsnetze angeschlossen sind, sondern ihr Wasser bei informellen Händlern kaufen müssen. Der Zugang zu sauberem Wasser müsse ernsthaft zu einem Menschenrecht erhoben werden, fordert der Bericht. 20 Liter mindestens müsse jeder Mensch täglich zur Verfügung haben.
Die Debatte um die Beteiligung privater Anbieter an der Wasserversorgung hat nach Ansicht des UNDP kaum neue Erkenntnisse gebracht. Teilweise sei die Diskussion erstaunlich realitätsfern gewesen, denn private Unternehmen spielten in der Wasserversorgung bis heute nur eine Nebenrolle, vor allem in Entwicklungsländern. Der Bericht plädiert dafür, die Frage weniger ideologisch zu diskutieren. Entscheidend für eine funktionierende und gerechte Wasserversorgung sei eine effektive politische Regulierung. Wichtig sei nicht, ob der Versorgungsträger sich in öffentlicher oder privater Hand befindet, sondern ob er etwas für die Armen leistet oder nicht. (ell)
Im Internet:
http://hdr.undp.org/hdr2006/
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