E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 11, November 2001, S. 334 - 337)


Beschäftigung als Ziel wirtschaftlicher Entwicklung
Erfahrungen der Technischen Zusammenarbeit

Wolfgang Hannig, Sabine Trommershäuser, Marita Brömmelmeier


Beschäftigungsförderung hat lange Zeit in der Entwicklungspolitik keine bedeutende Rolle mehr gespielt. Der Washington Consensus ging davon aus, dass Beschäftigung sich von selbst ergibt, wenn nur die Wirtschaft wächst. In jüngster Zeit setzt sich die Einsicht wieder durch, dass zwar Wirtschaftswachstum unverzichtbar ist, aber zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind, um auch eine Zunahme der Beschäftigung zu bewirken. Drei Autoren aus der GTZ berichten, in welche Maßnahmen diese Einsicht in der deutschen Technischen Zusammenarbeit umgesetzt wird: im Bereich der Arbeitsmarktpolitik, der beruflichen Bildung, der Förderung von Klein- und Mittelbetrieben, der Finanzsystementwicklung.



1. Beschäftigung als
entwicklungspolitisches Ziel

Hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung - und damit Armut - prägen die gesellschaftliche Situation vieler Entwicklungsländer. Mit dem Ziel der Halbierung der extremen Armut bis 2015 hat die internationale Staatengemeinschaft den Stellenwert der Armutsminderung verdeutlicht. Auch in den mit der HIPC-Initiative verbundenen Strategien zur Armutsminderung, den Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP), soll der Zusammenhang zwischen Armut und Beschäftigung stärker betont werden. Sicherlich ist die Entstehung von Beschäftigung nicht möglich ohne wirtschaftliches Wachstum, aber damit dieses tatsächlich Beschäftigungswirkungen hat, muss sich die Politik bewusst an beiden Zielen ausrichten.

Die neue Schwerpunktsetzung in der deutschen EZ eröffnet hier Chancen. Beschäftigung ist explizit als ein Element innerhalb des Schwerpunkts "Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft" (WiRAM) genannt. Während die übrigen hier genannten Elemente (Berufsbildung, Finanzwesen, Handelspolitik, Industrieller Umweltschutz, Informeller Sektor, KMU und Privatwirtschaftsförderung) eher in- strumentellen Charakter haben, beschreibt Beschäftigung als einziges Element eine entwicklungspolitische Zieldimension; sie sollte daher für den Schwerpunkt insgesamt als Orientierung dienen.


2. Die Ansätze der GTZ

Bei der Frage, wie produktive und nachhaltige Beschäftigung in Entwicklungsländern (EL) vermehrt erreicht werden kann, ist die Bandbreite der Meinungen und verfolgten Strategien mindestens ebenso groß wie bei der Diskussion dieser Frage in Industrieländern.

Die GTZ richtet ihr Handeln am Leitbild einer sozial orientierten Marktwirtschaft aus. Die Strategien, die sie hierbei verfolgt, sind keine Blaupausen, sondern individuelle, an den je spezifischen Erfordernissen eines Landes ausgerichtete Maßnahmenbündel. Bei aller Vielfalt folgen solche tailor-made solutions jedoch bestimmten Grundsätzen.

Eine Kernvoraussetzung für die nachhaltige Erhöhung von Beschäftigung ist wirtschaftliches Wachstum. Vorbedingung für solides Wirtschaftswachstum ist wiederum Wettbewerbsfähigkeit auf betrieblicher, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch für EL kaum dauerhafte Alternativen zur Integration in sich immer weiter globalisierende Märkte existieren.

Die vielfältigen Versuche, eigentlich obsolete Arbeitsplätze durch direkte oder indirekte Subventionierung ohne realistische Ausstiegsstrategie zu sichern, haben sich durchweg als Fehlschläge erwiesen. Strukturelle Probleme werden hierdurch nicht gelöst, sondern nur verdrängt und letztlich verschärft.

Es gibt also keine Alternative zu einer konsequenten Weltmarktintegration. Allerdings bietet diese für die meisten EL ebenso viele Risiken wie Chancen. Eine unvorbereitete Öffnung von Märkten kann bei der schwachen Wettbewerbsposition vieler Länder zu weiterer Destabilisierung führen - auch zu verschärfter Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Die Öffnung von Volkswirtschaften muss also einhergehen mit der Herstellung von Wettbewerbsfähigkeit auf Ebene der lokalen Unternehmen. Auch dieser Prozess kann zu zumindest kurzfristiger Freisetzung von Arbeitskräften führen.

Die mit dem Prozess des wirtschaftlichen Strukturwandels notwendigerweise verbundenen sozialen Probleme können aber u. a. arbeitsmarktpolitisch abgefedert und positiv genutzt werden, z. B. indem verändertem Personalbedarf der Industrie durch bedarfsorientierte Aus- und Fortbildung zeitnah Rechnung getragen wird und auf diese Weise zukunftsfähige neue Arbeitsplätze entstehen.

Grundsätzlich richtet sich das Instrumentarium der GTZ an solche Wirtschaftssegmente, denen ein nachhaltiges Entwicklungspotenzial zugeschrieben werden kann. Angesichts seiner großen Kapazität zur Absorption von Arbeitskräften und seiner wichtigen volkswirtschaftlichen Rolle in vielen EL schließt dies auch Teile des Informellen Sektors ein, der unseres Erachtens keineswegs per se und in seiner Gesamtheit als nicht entwicklungsfähig eingestuft werden darf.

Auch in jenen Teilen des Informellen Sektors, bei denen ein Entwicklungspotenzial nicht anzunehmen ist, können natürlich beschäftigungswirksame Fördermaßnahmen durchgeführt werden - nicht zuletzt zum Erhalt des sozialen Friedens -, auch wenn diese keine nachhaltige Wirkung haben werden. Solche Maßnahmen sind jedoch nicht unter Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung zu subsumieren und erfordern auch andere Instrumente.

Die GTZ-Ansätze in Wirtschaftsreform, Arbeitsmarktpolitik, Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung dienen also vor allem der Unterstützung der nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes, wobei die Förderung der produktiven Beschäftigung breiter Bevölkerungsteile eine Schlüsselfunktion hat. Unter produktiver Beschäftigung verstehen wir eine Tätigkeit, die es Beschäftigten ermöglicht, ein angemessenes Einkommen in einer akzeptablen Arbeitszeit zu erzielen. Die Produktivität der Arbeit ist eine wichtige Grundlage für die Lohnhöhe ebenso wie für die Nachhaltigkeit der Beschäftigung.

Im Folgenden werden Beratungserfahrungen der GTZ in ausgewählten Bereichen geschildert. Wir konzentrieren uns dabei auf die Darstellung solcher Beratungsfelder, die einen direkten Bezug zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigungssituation haben. Selbstverständlich existiert eine Vielzahl weiterer Bereiche zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für gesellschaftliche Entwicklung in EL (z. B. Wirtschafts- und Sozialpolitik, Haushaltspolitik, Rechtswesen, Regionalpolitik), die bei der hier gebotenen Kürze jedoch nicht behandelt werden können.


Schaffung eines
förderlichen Umfelds...

Adäquate makroökonomische Rahmenbedingungen und angemessene politische Steuerung sind für Wirtschaftswachstum und nachhaltige Beschäftigung unverzichtbar. Darüber hinaus ist für die Realisierung wirtschaftlicher Entwicklungspotenziale der Unternehmen ein förderliches betriebliches Umfeld notwendig. Zu diesem Umfeld gehören ausreichende Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, adäquaten Finanzdienstleistungen und nachfrageorientierte Beratungsleistungen sowie eine artikulationsfähige Interessenvertretung der Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Ein förderliches Umfeld für den Unternehmenssektor setzt die Existenz von Institutionen und Organisationen voraus, die in der Lage sind, ihr jeweiliges Mandat qualifiziert wahrzunehmen. Die GTZ konzentriert sich seit einigen Jahren auf die Beratung dieser Organisationen und ihrer Netzwerke, um strukturbildende Wirkungen und verbesserte Breitenwirksamkeit der Beratungsleistungen zu erzielen.


... durch Beratungsleistungen
in der Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik ist darauf ausgerichtet, Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitsbedingungen bestimmter Zielgruppen sowie die Informationen über Beschäftigungsvoraussetzungen und -möglichkeiten zu verbessern. Die Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten der am Arbeitsmarkt agierenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie potenzieller Arbeitsmarktteilnehmer (Unterbeschäftigte und Arbeitslose) erhöht die Funktionsfähigkeit von Arbeitsmärkten und verbessert die Rahmenbedingungen für Beschäftigung.

Die Beratungsleistungen der GTZ im Bereich Arbeitsmarktpolitik konzentrieren sich sowohl auf die Förderung bestimmter Zielgruppen (z. B. Unterstützung beim Aufbau einer privaten Arbeitsvermittlung für Frauen in Pakistan) als auch auf institutionelle Reformen und Dezentralisierung der Arbeitsverwaltung (z. B. bei der staatlichen Arbeitsvermittlung in Rumänien, s. Kasten).


Arbeitsämter in Rumänien

Im Rahmen eines arbeitsmarktpolitischen Projekts in Rumänien wurde durch die schrittweise Einführung von Integrierten Dienstleistungen in lokalen Arbeitsämtern deren Service deutlich verbessert. Ein Mitarbeiter des Arbeitsamtes ist für die "integrierte" Betreuung eines Kunden zuständig, d. h. für seine Registrierung (einschließlich Entscheidung zum Leistungsbezug) und seine Vermittlung bzw. für die Erstellung eines passgenauen arbeitsmarktpolitischen Angebots (z. B. Qualifizierungsmaßnahme, Berufsberatung). Die Arbeit des Vorhabens setzte zunächst auf der lokalen Ebene an, weil dort der Problemdruck und damit auch die Veränderungsbereitschaft am größten waren und greifbare Resultate erzielt werden konnten. Der Erfolg auf lokaler Ebene bewog dann die rumänische Regierung, die Einführung des Integrierten Service in ganz Rumänien voranzutreiben. Ebenfalls mit Beratung des Projektes erfolgte die Gründung einer unabhängigen Beschäftigungsagentur. Dadurch konnte eine ordnungspolitisch gewünschte institutionelle Trennung von Politik und Umsetzung erreicht werden.


Während in Industrieländern in der Regel das gesamte Spektrum beschäftigungs- und arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen ausgeschöpft wird, nimmt der Anteil möglicher Maßnahmen mit zunehmenden Entwicklungsproblemen tendenziell ab. Die Träger der Arbeitsmarktpolitik, normalerweise die Arbeitsministerien, spielen traditionell in den EL eine passive Rolle und verfügen über keine nennenswerten Haushaltsmittel. Außerdem ist das arbeitsmarktpolitische Instrumentarium nicht geeignet, strukturelle Beschäftigungsprobleme zu lösen. Dennoch können auch bei einer restriktiven Haushaltssituation wertvolle Beiträge zur zielgruppenspezifischen Arbeitsvermittlung, Arbeitsmarktinformation und Beratung anderer Ressorts geleistet werden.


... durch KMU-Förderung und
Existenzgründung

Im Rahmen von Privatwirtschaftsförderung legt die GTZ großes Gewicht auf die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU). Dieses Wirtschaftssegment stellt das Rückgrat erfolgreicher, ausdifferenzierter Volkswirtschaften dar. KMU gelten als flexibel und innovationsfreudig, außerdem schaffen sie viele Arbeitsplätze zu relativ geringen Investitionskosten. Gegenüber Großunternehmen sind sie jedoch beim Zugang zu Märkten und Ressourcen benachteiligt, woraus sich ein spezifischer Förderungsbedarf ergibt. Förderstrategien der GTZ setzen heute nicht mehr auf einzelbetrieblicher, sondern auf institutioneller Ebene an: Staatliche und nichtstaatliche Organisationen werden befähigt, ihre Rollen besser wahrzunehmen und zur Schaffung eines unternehmensfreundlichen Umfeldes beizutragen. Die Förderbereiche umfassen:

  • Sektorpolitische Beratung in Wirtschaftsministerien und KMU-Fördereinrichtungen (u. a. Gestaltung von zielgerichteten Förderpolitiken, Abbau von Diskriminierungen und Überregulierung, Einsatz staatlicher Förderinstrumente z. B. im Technologiebereich);
  • Förderung der Leistungs- und Kooperationsfähigkeit verschiedener Akteure im KMU-Bereich (u. a. durch Netzwerkbildung, runde Tische, Befähigung von Verbänden zur effektiveren Vertretung von KMU-Interessen, gender- und zielgruppenorientierte Förderstrategien);
  • Entwicklung des Marktes für unternehmensrelevante Dienstleistungen, sog. Business Development Services (BDS) (u. a. durch Qualifizierung von BDS-Anbietern in Kernbereichen wie Existenzgründung, Unternehmensentwicklung, Markterschließung). Die verschiedenen Förderinstrumente können je nach spezifischer Situation eines Landes kombiniert und gebündelt werden. So priorisieren z. B. Indonesien und Sri Lanka lokale und regionale Wirtschaftsförderung, während in El Salvador und im Norden Brasiliens die Entwicklung von Produkt- und Wertschöpfungsketten im Vordergrund steht.


... durch berufliche Bildung

Die Relevanz beruflicher Aus- und Fortbildung für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung liegt auf der Hand: Die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und einer entsprechenden Aus- und Fortbildungslandschaft sind wichtige Standortfaktoren. Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen werden wesentlich durch die Qualifikation ihrer Mitarbeiter bestimmt. Die Beschäftigungs- chancen auch gesellschaftlich benachteiligter Gruppen steigen mit ihrem Ausbildungsniveau. Wenig verflochtene lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe bedürfen natürlich anderer Ausbildungsangebote als Volkswirtschaften, die eine erfolgreiche Weltmarktintegration anstreben. Entsprechend ausdifferenziert ist das heutige Instrumentarium der deutschen Berufsbildungszusammenarbeit. Das Spektrum reicht

  • von der Vermittlung technischer und betriebswirtschaftlicher Grundkompetenzen für eine Selbstbeschäftigung im Informellen Sektor ("Training for Survival") bis zur Qualifizierung des Unternehmensmanagements und hochspezialisierter Fachkräfte;
  • von sektoral oder regional fokussierten Ansätzen bis zu Aufbau bzw. Reform nationaler Berufsbildungssysteme;
  • von einer eher bildungs- und sozialpolitischen Ausrichtung bis zu konsequent marktgesteuerter Orientierung am wirtschaftlichen Bedarf.


... durch Mikrofinanz und
Finanzsystementwicklung

Adäquate Finanzdienstleistungen sind unerlässlich für die direkt beschäftigungswirksame Gründung und Weiterentwicklung von Kleinstunternehmen. Es hat sich gezeigt, dass Arme - und hier insbesondere Frauen - sehr wohl bankfähig sind und sich zu anerkannten Kunden formeller und semiformeller Finanzinstitutionen entwickeln können. Heutige Ansätze der Mikrofinanzierung zeichnen sich aus durch hohe Breitenwirkung und Signifikanz bei gleichzeitiger institutioneller Nachhaltigkeit, Mikrofinanzinstitutionen etablieren sich als Teil des offiziellen Finanzsystems. Potenzialorientierung und Förderung der Wettbewerbsfähigkeit muss also durchaus nicht im Widerspruch zu Beschäftigungserhöhung und Armutsminderung stehen. Dies gilt nicht nur für die Finanzierung von Kleinstunternehmen, sondern auch für KMU und landwirtschaftliche Betriebe.

Ein leistungsfähiges und ausdifferenziertes Finanzsystem ist eine wesentliche Voraussetzung für dynamische Investitionstätigkeit und wettbewerbsfähige Industrien. Ein solches System stellt auch Dienstleistungen für untere Einkommenssegmente bereit. Finanzsystementwicklung geht dabei über die Bereitstellung von Kredit hinaus und versucht, sich selbst tragende Kreisläufe von Sparen und Investition zu etablieren. Effektive Finanzsysteme zeichnen sich aus durch ein gutes Zusammenwirken von Zentralbank und Aufsichtsbehörden, Geschäftsbanken und Finanzinstitutionen, Bankverbänden und Trainingsinstituten. Je nach Situation und Strategie kooperiert die GTZ mit einer oder mehreren solchen systemrelevanten Institutionen.


3. Verknüpfung von Interventionsebenen
und Abstimmung von Förderstrategien

Die Landschaft der Akteure und Faktoren, die auf die Beschäftigungssituation in einer Volkswirtschaft einwirken, ist sehr breit und heterogen. Die Aktivitäten und unmittelbaren Intentionen der verschiedenen wirtschafts- und beschäftigungsrelevanten Handlungsträger sind unterschiedlich, wenn nicht gar widersprüchlich, und können sich deshalb im Hinblick auf Beschäftigungsentwicklung sogar konterkarieren. Gleichzeitig ist diese Heterogenität Merkmal einer pluralistischen Gesellschaft und sollte keinesfalls mit dirigistischen Mitteln unterminiert werden.

Die simultane Erreichung hoher Beschäftigung und nachhaltigen Wirtschaftswachstums als Teil des sog. "Magischen Vierecks" (dessen weitere Eckpunkte stabiles Preisniveau und außenwirtschaftliches Gleichgewicht sind) erfordert deshalb die Herstellung eines allgemeinen Grundkonsenses in Schlüsselfragen gesellschaftlicher Entwicklung sowie eine konsequente politische Priorisierung. Ein geeigneter Ansatz hierfür ist die Formulierung beschäftigungspolitischer Leitlinien, in denen klare Beschäftigungsziele festgelegt werden, die dann in entsprechende Aktionspläne auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene übersetzt und umgesetzt werden. Die dafür erforderliche verbesserte Kooperation zwischen den relevanten staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren auf allen Ebenen ist ein wichtiges Beratungsfeld der TZ.


4. Herausforderungen
für die Zukunft

Seine volle Wirksamkeit wird das TZ-Kompetenzspektrum zur beschäftigungsorientierten Wirtschaftsentwicklung erst dann entfalten können, wenn die betreffenden Instrumente auf verschiedenen Interventionsebenen im Rahmen einer länderspezifischen Strategie noch besser ineinander greifen. Bei der Vielzahl der wettbewerbs- und beschäftigungsentscheidenden Faktoren können monokausal und monodimensional ausgerichtete Ansätze kaum nachhaltige Erfolge zeitigen. Die Voraussetzungen für vernetzte EZ-Strategien und damit auch für die weitere Entwicklung von kombinierten Ansätzen der Beschäftigungsförderung und -politik haben sich durch die neue Schwerpunktsetzung des BMZ und die Definition des Schwerpunkts WiRAM deutlich verbessert. Damit besteht die Chance, das Thema der beschäftigungsorientierten Entwicklung in stärkerem Maße auf die politische Agenda zu setzen. Geschieht dies, werden viele länderbezogene Strategien vermutlich neben den traditionellen Aspekten der Wirtschaftspolitik und -förderung zunehmend auch Elemente der Beschäftigungspolitik und -förderung enthalten, die dann in sektorübergreifender Weise umzusetzen wären. Dazu dient auch die Integration verschiedener existierender und zukünftiger Beratungskomponenten in Form von Programmen - ein Prozess, den die GTZ bereits jetzt intensiv betreibt und der sie vor neue inhaltliche, strategische und organisationelle Herausforderungen stellt.


KMU-Förderung in Vietnam

In Vietnam kooperiert die GTZ mit verschiedenen KMU-relevanten Partnern (z. B. Planungs- und Investitionsministerium, Genossenschaftsverband, Industrie- und Handelskammer) zur Schaffung eines förderlichen Umfelds. Die Entwicklung marktgerechter unternehmerischer Dienstleistungen (CEFE [Competency-based Economies through Formation of Enterprise], Internetportal für KMU u. a.) und Investitionsförderungsmaßnahmen stehen hier im Vordergrund. Darüber hinaus werden die Bemühungen des Staates zur Verbesserung des Berufsbildungssystems und der Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung unterstützt. Die Regierung bereitet zurzeit ein KMU-Fördergesetz vor und plant den Aufbau einer speziellen Einheit für KMU-Förderpolitik. Die GTZ wird auch in diesen Bereichen in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ihr Know-how einbringen. Die Voraussetzungen für wirkungsvolle Maßnahmen sind in Vietnam ausgezeichnet: Allein die Änderung einiger Gesetze führte innerhalb weniger Monate zur Gründung von ca. 30 000 neuen KMU.

Kooperative Ausbildung in Chile

In Chile sind Defizite im Ausbildungsangebot zentrale Ursache für eine weit über dem nationalen Durchschnitt liegende Jugendarbeitslosigkeit. Durch die Einführung "kooperativer" Ausbildungsangebote (in Abwandlung der deutschen Dualen Ausbildung) wurde die Ausbildungsqualität verbessert und Bedarfsorientierung gewährleistet. Beginnend mit Pilotvorhaben zur Entwicklung angepasster Modelle hat sich der kooperative Ansatz inzwischen landesweit etabliert. Etwa ein Drittel aller beruflich-technischen Sekundarschulen bieten kooperative Ausbildung an. Mehr als 6000 Jugendliche lernen in über 2500 Betrieben. Trotz Konjunkturschwäche steigen Angebot und Nachfrage stetig weiter. Die Erfahrungen der eng mit Unternehmen zusammenarbeitenden Schulen haben die Gesamtreform des Berufsbildungswesens nachhaltig geprägt. Eine unabhängige Wirkungsstudie ergibt, dass

  • die kooperativen Angebote bedarfsorientiert und den traditionellen Angeboten überlegen sind,
  • die meist aus einkommensschwachen Familien stammenden Absolventen überdurchschnittlich gute Beschäftigungs-, Einkommens- und Studienperspektiven haben.

Regionale Wirtschaftsförderung in El Salvador

In El Salvador werden verschiedene Interventionsfelder und -ebenen unter dem übergeordneten Ziel der Beschäftigungserhöhung miteinander vernetzt. Die Strategie des Vorhabens fügt sich in die neue Konzeption der Regierung El Salvadors ein, die mit ihrem Programm "La Nueva Alianza" Beschäftigung als eines von vier Kernelementen für die Zukunft des Landes beschreibt. Im Zuge der EZ-Schwerpunktbildung werden erfolgreiche Strategien neu gruppiert. Die neuen Kristallisationspunkte heißen lokale Wirtschaftsförderung und Cluster bzw. Wertschöpfungsketten. Zusammen mit den Akteuren einer bestimmten Region oder einer dynamischen Produktkette werden sowohl Wettbewerbs- und Beschäftigungspotenziale als auch Entwicklungshemmnisse analysiert. Es entstehen neue "Partnerschaften für Entwicklung", die an der Identität der Region ansetzen. Unternehmerische und institutionelle Kompetenzen entwickeln sich so auf integrierte Weise.


Literatur:

Dr. Irina Kausch, Sabine Trommershäuser (2001): Best Practice Studie: "Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik in Entwicklungs- und Transformationsländern", 20. August 2001, unveröffentlichtes Diskussionspapier im Auftrag des BMZ, erscheint Dezember 2001 als GTZ-Diskussionspapier

Dr. Stephan Klasen (2001): "In Search of The Holy Gral: How to Achieve Pro-Poor Growth?", May 29, 2001, Diskussionspapier im Auftrag der GTZ, Sektorvorhaben "Strategic Partnerships with Africa",
http://www.gtz.de

Dr. Jörg Meyer-Stamer (2001): "Was ist Meso? Und wer ist Meta?" Systemische Wettbewerbsfähigkeit: Analyseraster, Benchmarking-Tool und Handlungsrahmen. INEF Report. Duisburg, www.meso-nrw.de

AkzenteSpezial: Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung. Eschborn 2001, www.gtz.de/publikationen

Bernd Overwien (Hg., 2000): Lernen und Handeln im globalen Kontext. Frankfurt a.M.


Die Autoren sind Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).
Dr. Wolfgang Hannig ist Leiter des Sektor-Pilotvorhabens "Systemische und beschäftigungsorientierte Ansätze zu Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft", Sabine Trommershäuser Fachplanerin in der Abteilung "Reform von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft", Marita Brömmelmeier Seniorfachplanerin in der Abteilung "Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung". Die Autoren danken v. a. folgenden Kolleginnen und Kollegen für ihre Unterstützung: Anja Gomm, Sabine Kittel, Doris Klein, Ulrich Krammenschneider, Joachim Prey, Peter Schmidt. Dieser Artikel gibt die Meinung der Autoren, nicht die Position der GTZ wieder.

wolfgang.hannig@gtz.de
sabine.trommershaeuser@gtz.de
marita.broemmelmeier@gtz.de



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herausgegeben von der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)

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Copyright © 2001, DSE, letzte Änderung 26.10.2001