E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr.12, Dezember 2000,
S. 348 - 350)

Entwicklungspolitik auf der EXPO
Was wurde erreicht?
Annette Hornung

Hannover bot als erste Weltausstellung die Gelegenheit, entwicklungspolitische Themen vorzustellen. Dies war sicherlich ein Gewinn, auch wenn die EXPO ihrem selbstformulierten Anspruch nicht gerecht wurde, ein Bild nachhaltiger Entwicklung zu entwerfen.
Annette Hornung gibt einen Überblick über Entwicklungspolitik auf der Weltausstellung.
Fünf Monate lang präsentierten sich auf der EXPO 190 Länder und internationale Organisationen unter dem Motto "Mensch, Natur, Technik". Der vorab verkündete Anspruch war hoch: Der Geist der Weltumweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 sollte über der EXPO schweben und eine neue Ausprägung finden. Ein neuer Typ Weltausstellung sollte Lösungen für die künftigen Probleme der Menschheit entwickeln.
Nach dem Großereignis werden nun die Bilanzen gezogen: Vom Geist von Rio war nur wenig zu spüren. Aber die Veranstalter und die Bundesregierung betrachten die EXPO, trotz eines voraussichtlichen Defizits von 2,4 Mrd. DM, als Erfolg. Der volkswirtschaftliche Nutzen übersteige das finanzielle Defizit bei weitem, es habe steuerliche Mehreinnahmen auf allen Ebenen gegeben.
Bundeskanzler Gerhard Schröder spricht von einem "Fest der Völker". 40 Minister aus aller Welt und ein Dutzend Staats- und Regierungschefs, darunter Fernando Cardoso aus Brasilien und Thabo Mbeki aus Südafrika, aber auch der UN-Generalsekretär Kofi Annan besuchten die Weltausstellung. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die zwanzig Mal auf der EXPO war und immer wieder mit Vertretern der Partnerländer, mit Schülern, Journalisten und Experten gesprochen hat, sieht den entwicklungspolitischen Ertrag der EXPO durchweg positiv.
Zum ersten Mal war das Thema einer Weltausstellung so formuliert, dass es Gelegenheit bot, entwicklungspolitische Inhalte darzustellen. Mehr als 130 Entwicklungs- und sogenannte Reformländer konnten ihre eigenen Lösungswege aus weltweiten Krisen präsentieren.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte sich seit 1996 bemüht, entwicklungspolitische Themen in allen Elementen der Weltausstellung zu verankern. Beauftragt mit der Umsetzung wurde die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und Entwicklung (GTZ).
Insgesamt nahmen mehr als 100 Staaten eine kostenfreie Beratung der GTZ in Anspruch. 60 ärmere Staaten hatten zusätzlich die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für ihre Präsentation zu erhalten, da die Kosten, auch wegen der hohen Standgebühren, ihre finanziellen Möglichkeiten überstiegen. Das BMZ stellte einen Sonderetat von 100 Mio. DM bereit.

Länderpräsentationen
Mit großem Engagement haben Entwicklungs- und Reformländer gezeigt, dass sie nicht nur von Hunger, Bürgerkriegen und Naturkatastrophen beherrscht werden. Viele haben sich bei ihren Präsentationen dem Grundgedanken der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet, der in der "Agenda 21" formuliert ist, bei anderen war davon allerdings kaum die Rede. Das Spektrum reichte von Tourismuswerbung und wirtschaftlicher Leistungsschau bis zu selbstbewusster Eigendarstellung. Befragungen durch die Universität Hannover und das Marktforschungsinstitut Wickert spiegelten große Zufriedenheit bei den Besuchern. Die von entwicklungspolitischer Seite geförderten Länderpräsentationen bekamen besonders gute Noten. Die Organisatoren des entwicklungspolitischen Beitrags konnten also zufrieden feststellen, dass die inhaltliche Umsetzung beim Publikum gut angekommen ist.
Einige Beispiele: Die Königreiche Bhutan und Nepal haben je etwa drei Millionen Besucher registriert, zum Pavillon Jemen kamen 2,5 Millionen Menschen, die philippinische und die albanische Präsentation besuchten jeweils eine Million. Die betriebswirtschaftliche Analyse, die bei Messen oft nach dem Kosten-Nutzen-Faktor fragt, ergibt zum Beispiel bei der Länderpräsentation von Albanien Kosten von 1,40 DM pro Besucher. Image- und Sympathiezuwachs oder Medieninteresse sind nicht bewertet. Dieses ärmste Land Europas erinnerte mit einem nachgebildeten Bunker an den Krieg der vergangenen Jahre und ließ einen Lichtblick frei auf seinen kulturellen Reichtum.
Der Tempelpavillon des Königreichs Bhutan wurde nach strikten Regeln der buddhistischen Religion erbaut. Angelockt durch die Exotik der Tempelarchitektur, konnte der EXPO-Besucher in den Innenräumen mehr über den Schutz der Umwelt, althergebrachte Medizin oder die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erfahren. Hauptinteresse des kleinen Landes war es nach Ansicht des Pavillondirektors Kunzang Thinley, in der breiten Öffentlichkeit bekannter zu werden und in der Weltgemeinschaft Sympathien zu gewinnen. Das Konzept sei beim Besucher voll angekommen, und die Erwartungen Bhutans seien erfüllt worden. Der Tempel ist nach Schluss der EXPO nach Frankreich verkauft worden.
Ein völlig anderes Konzept verfolgte das südosteuropäische Reformland Mazedonien. Maßgeblich für seine Teilnahme an der EXPO waren außenwirtschaftliche Ziele; Makedonien stellte also seine Exportprodukte vor, Nahrungsmittel, Textilien und Wein. Generalkommissar Boris Stefanovski lobt die gute Zusammenarbeit mit GTZ und EXPO GmbH. Mit allen Ländern der Welt konnten Kontakte geknüpft und Netzwerke aufgebaut werden. Verbessern will er bei der zukünftigen Teilnahme an einer Weltausstellung die Information für das Publikum. Ohne Landkarte sei sogar der Reiseweg nach Makedonien schwer zu beschreiben gewesen.
Im Mittelpunkt des jemenitischen Pavillons lag ein arabischer Marktplatz. Zwischen Düften von Weihrauch, Myrrhe und Kardamom, zwischen Silberschmieden und Bildhauern hindurch gelangte der Besucher in das Innere eines traditionellen Kaufhauses. Dort erfuhr er mehr über zukünftige Vorstellungen von Umweltschutz und Wasserwirtschaft. Diese sinnliche Erfahrung beim Spaziergang über den Marktplatz gab dem EXPO-Besucher das Gefühl, in die arabische Welt einzutauchen - ein Gefühl, das weder Internet noch Sachbücher vermitteln können.
Auch das Königreich Jordanien hatte großen Erfolg mit seinem Pavillon. Wie ein Archäologe stieg der Besucher in eine nachgebildete Ausgrabungsstätte unter dem Pavillon. Ein großes dreidimensionales Mosaik symbolisierte die sich vermischenden Einflüsse mediterraner und arabischer Kultur. Jordanien stellt sich als Mittler zwischen den Regionen im Nahen Osten dar. Die Königsfamilie unterstrich mit ihrem Besuch die Wichtigkeit, die das Land der EXPO-Beteiligung zumisst. Der Pavillon soll wegen seines großen Erfolgs in Jordanien wieder aufgebaut werden.

Gemeinschaftspräsentationen
Vor allem die Präsentationen von verschiedenen Staatengemeinschaften waren dem Leitgedanken der EXPO verpflichtet: In der Afrika-Halle, mit Hilfe der GTZ gestaltet, stellten sich 39 Länder des Kontinents und drei afrikanische Organisationen gemeinsam vor. Die Halle war ein Publikumsmagnet für etwa vier Millionen Besucher, die sich von der lebendigen Atmosphäre angesprochen fühlten.
Viele afrikanische Länder haben ihre Probleme nicht verschwiegen: Mit AIDS setzte sich der Stand von Lesotho auseinander, Ruanda thematisierte den Genozid.
Mosambik dagegen zeigte an seinem Stand die Bedeutung des Sambesi-Flusses als wichtigstes Ökosystem des Landes. Das Motiv war hier im Gegensatz zu den beiden vorigen Beispielen, Normalität und Alltäglichkeit darzustellen und nicht nur Krieg und Armut.
Über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Grenzen hinweg präsentierte sich der Kontinent in Hannover der Weltöffentlichkeit friedlich vereint - nicht ganz die gesellschaftliche Realität. Zahlreiche Besucher sahen den Nachbarkontinent Europas zum ersten Mal, den sie ohne Weltausstellung nie gesehen hätten. Der namibische Botschafter und Sprecher der Afrika-Halle, Hinyangerwa P. Asheeke, sprach die Hoffnung aus, dass die Präsentation in der Afrika-Halle dazu beigetragen habe, das von deutschen Medien geprägte Bild von Afrika als verlorenem Kontinent zu verändern. "Wir sind bereit für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wir wollen handeln, Touristen ins Land holen, denn wir haben viele natürliche Ressourcen und menschliches Potential", sagte er in seiner Bilanz.
Schulklassen hielten sich besonders lange in der Afrika-Halle auf. Sie schauten Schnitzern bei der Arbeit zu und sahen afrikanische Häuser mit draußenliegender Kochstelle. Am Namibia-Stand hantierten sie an Computern: CD-Roms informierten über Land und Leute. Viele Mädchen und Jungen waren mehrere Male mit der Schule nach Hannover gekommen, hörten begeistert traditionelle afrikanische Trommeln und Popmusik von Khaled oder Youssou N'Dour. Kritik ließen sie gar nicht gelten, denn der große Anreiz in Hannover war die Tour durch den afrikanischen Kontinent in zwei Stunden. Die EXPO als Lernort für globales Lernen ist von vielen Schulen vorbereitet worden.
Eine andere Gemeinschaftspräsentation war im Pavillon Zentralamerikas zu sehen. Der Besucher konnte sich mit dem Schutz der Meere, der Urwälder, der indigenen Kulturen aus Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua auseinandersetzen. Die Länder vermittelten in der Messehalle den Eindruck von Eintracht und regionaler Integration. Die Pavillondirektorin Enid Chaverri-Tapia spricht von politischer Reife, der Chance, voneinander zu lernen, Umweltprobleme gemeinsam zu lösen und Eigenheiten zu respektieren. Beim Vergleich mit der Wirklichkeit kommen auch hier Zweifel auf, ob wirtschaftliche und politische Integration möglich sind, bei den großen ökonomischen Unterschieden der fünf Länder. Die dargestellte Harmonie ist wohl eher eine Wunschvorstellung, denn Costa Rica hat sich im vergangenen Jahr vom politischen Integrationsprojekt distanziert.

One-World-Logo
Mit einem Signet aller entwicklungspolitischen Organisationen wurde an verschiedenen Stellen der EXPO auf entwicklungspolitisch relevante Darbietungen aufmerksam gemacht. Einzelinteressen von Organisationen wurden zurückgestellt, um mit einem gemeinsamen
Markenzeichen Aufmerksamkeit für das Thema zu erzielen. Für eine Nachnutzung interessieren sich der Fremdsprachenverband oder Profi-Merchandiser, die es kaufen würden. Die meisten Besucher dürften einzelne entwicklungspolitische Organisationen kaum wahrgenommen haben. GTZ und Carl-Duisberg-Gesellschaft
konzentrierten sich bei Führungen auf ein ausgewähltes Fachpublikum. Im Durchschnitt wurden 100 Besucher pro Tag am Stand der GTZ betreut. Interessenten fragten nach Praktikantenplätzen oder nach Unterstützung bei Projekten vor Ort.

Weltweite Projekte
Zum ersten Mal bei einer Weltausstellung wurden von einer internationalen Experten-Jury vorbildliche Initiativen im Sinne des EXPO-Mottos aus allen Kontinenten ausgewählt - insgesamt 487. Diese "Weltweiten Projekte" sollten konkrete Antworten auf Zukunftsfragen geben. Rund 300 der Projekte sind von der GTZ im Auftrag des BMZ in längeren Entscheidungsprozessen herausgefiltert worden. In vielen Länderpräsentationen, im "Themenpark", einer Ausstellungsfläche der EXPO, und im so genannten "Global
House" sind einige davon präsentiert
worden. Ein Verein soll das EXPO-Element "Weltweite Projekte" über das Ende der EXPO hinaus weiterführen, die Finanzierung ist noch unklar. Die internationale Anerkennung war ein Erfolg vieler Projekte, der Nutzen kann vor allem vor Ort bewertet werden.

Themenpark
Beim länderübergreifenden Ausstellungsteil der EXPO, genannt "Themenpark", musste das Publikum bei Unterthemen wie "Planet of Visions" oder "Das 21. Jahrhundert" bis zu vier Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Privatpersonen, NROs und Wirtschaftsunternehmen hatten sich mit Lösungsvorschlägen für weltweite Probleme beteiligt und diese zusammen mit der EXPO umgesetzt. Einen Großteil der Kosten musste der jeweilige EXPO-Partner finanzieren, was dazu führte, dass fast jeder Ausstellungsteil von finanzstarken Wirtschaftsunternehmen getragen wurde und der Themenpark in weiten Teilen einer Wirtschaftsschau glich.
Konzeptionell waren "Brot für die Welt", BMZ und GTZ an der Darstellung des Themas "Basic Needs" beteiligt. Dieser Ausstellungsteil wurde von der "Projekt Ruhr GmbH" aus Nordrhein-Westfalen für 150 000 DM ersteigert und soll künftig in Duisburg in einem noch nicht gegründeten Kindermuseum ausgestellt werden. Wenn er sich einer Führung anschloss, konnte der Besucher die Inhalte verstehen, ansonsten blieben ihm viele Ideen der Ausstellungsmacher verschlossen. In den Teilen "Basic Needs", "Umwelt", "Ernährung" und "Gesundheit" konnte die GTZ einige der von ihr ausgewählten "Weltweiten Projekte" unterbringen. Auch von EXPO-Kritikern wird nicht bestritten, dass die "Weltweiten Projekte" und der "Themenpark" vielen Menschen die Ideen der nachhaltigen Entwicklung nahegebracht haben, die sich sonst eher selten mit Umweltschutz oder Grundbedürfnissen beschäftigen.

Veranstaltungen
Zusätzlich zur eigentlichen Ausstellung gab es ein großes Kultur- und Ereignisprogramm: an die zehntausend Einzelveranstaltungen, jeden Tag 70 bis 80 Konzerte, Theaterstücke, Shows und Sportevents. Auch die entwicklungspolitischen Organisationen hatten ihren Anteil daran. Zu den besonderen Anziehungspunkten gehörte die One-World-Bühne im Global House. 400 Veranstaltungen fanden hier statt, von denen 200 durch die One-World- Initiative organisiert waren. Voodoo-Tänzer aus Ghana, Straßentheater aus Guatemala oder das indische Barefoot College aus Rajastan traten auf. In der Afrika-Halle fanden auf zwei Bühnen 500 Veranstaltungen mit afrikanischen Künstlern statt, darunter die südafrikanische Geschichtenerzählerin Gcina Mhlophe, der kamerunische Musiker und Poet Francis Bebey, das ruandische Nationalballett und die senegalesische Mode-Designerin Oumou Sy. Diese Veranstaltungen waren immer sehr gut besucht. Der EXPO-Besucher bekam ganz nebenbei einen Eindruck vom Süden der Welt, der nicht Klischees und Stereotypen bediente.
Bei reinen Wortveranstaltungen, Diskussionsrunden, verringerte sich, wie nicht anders zu erwarten, das Interesse des nur allgemein interessierten Publikums. Im Deutschland-Pavillon fanden an drei Sonntagen entwicklungspolitische Matineen statt. Eine wichtige Erfahrung für die PR-Leute dieser Beiträge: "Das Publikum kam nicht wegen eines speziellen Themas auf die EXPO und suchte auch nicht danach, sondern wollte künstlerische, touristische und unterhaltende Darstellungen einzelner Nationen sehen" - so bilanziert Andreas von Schumann, der Sprecher der One-World-Initiative.
Zentrales Wortprogramm der Weltausstellung waren zehn große Konferenzen, die "Global Dialogues". Bei den geschlossenen Fachveranstaltungen auf dem EXPO-Gelände diskutierte für jeweils drei Tage ein Fachpublikum über spezielle Themen, wie etwa Ressourcennutzung und -schonung, verantwortliches Handeln in der Weltgesellschaft, Wege aus der Armut, Arbeit im 21. Jahrhundert, Bildung in der Zukunft (s. dazu E+Z 9,261, 10,296 und in diesem Heft S. 344-345).
Das BMZ unterstützte sechs der Globalen Dialoge, die nicht alle mit dem gleichen Interesse angenommen wurden. Das Thema "Wege aus der Armut - Soziale
Innovationen und neue Allianzen" rückte Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und arme Menschen aus allen Teilen der Welt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Es wurde nicht schöngeredet, und Vertreter der Privatwirtschaft mussten sich mit den Interessen selbstbewusster gesellschaftlicher Gruppen aus dem Süden auseinandersetzen. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul saß am Abend mit Menschen aus kleinen Organisationen zusammen und diskutierte über neue Finanzierungssysteme für arme Menschen, die vom offiziellen Geld unabhängige Währungen eingeführt haben. In der Berichterstattung fanden die Global Dialogues außerhalb der Fachpresse kaum Beachtung.

Deutsche NROs
Zehn deutsche Nichtregierungsorganisationen haben sich von einer Beteiligung an der EXPO distanziert, weil sie den Eindruck hatten, ihre Vorstellungen dort nicht angemessen darstellen zu können, darunter auch die Mitgliederversammlung des Deutschen Naturschutzrings (DNR), eines wichtigen Dachverbands umweltpolitisch tätiger Gruppen; deshalb nahm fast kein Umweltschutzverband an der EXPO teil. Entwicklungspolitisch engagierte NROs diskutierten diese Entscheidung, schlossen sich ihr jedoch nicht generell an, denn einige hofften auf mehr
Öffentlichkeit durch Mitarbeit an der Weltausstellung. Kritisiert wurde im Vorbereitungsprozess der massive Druck von Seiten der Wirtschaftsrepräsentanten in den Arbeitsgruppen des Themenparks. Vertreter des "Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen" (BUKO) unterstellten Weltausstellungen ganz allgemein, sie seien Heerschauen des herrschenden Denkens und die EXPO die Fortsetzung mit anderen Mitteln eines Krieges zur Eroberung der äußeren und inneren Natur. Angekündigte Gegenveranstaltungen zur EXPO fanden dann jedoch nur wenig Beachtung in der Öffentlichkeit.
Es präsentierten sich schließlich nur wenige nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen auf der EXPO. Gründe waren u. a. Standmieten von mehreren tausend Mark pro Quadratmeter und fehlende Koordination bei der Planung. Ausnahmen waren "Brot für die Welt", "Transfair", "amnesty international" und der Dachverband der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen (VENRO). Indirekt beteiligten sich NROs über die Global Dialogues und die Weltweiten Projekte.
Zur kritischen Begleitung der Ausstellung wurde 1996 das EXPO-Watch-Büro gegründet, finanziert von der Süd-Nord-Initiative Germanwatch und der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Landesnetzwerke (agl). Das Büro beobachtete den Prozess der inhaltlichen Gestaltung der EXPO zum Thema Agenda 21 und war Sprachrohr von NROs aus dem Süden.

Ergebnisse
Für die vielen Mitarbeiter der One-World-Initiative in Hannover gehörte ihre Arbeit auf dem EXPO-Gelände zu den herausragenden Erlebnissen ihrer beruflichen Karriere. "Von Höhepunkt zu Höhepunkt haben wir uns vorgearbeitet", sagt Sprecher Andreas von Schumann. Entwicklungspolitische Themen seien zum ersten Mal aus der Nische für ein breites Publikum aufgearbeitet worden. Kennzeichen dieser Weltausstellung war ihr "Eventcharakter", Unterhaltung, Begegnungen mit Menschen aus anderen Nationen. Der Kritik am entwicklungspolitischen Beitrag hält GTZ-Mitarbeiter Andreas von Schumann, Sprecher der One-World-Initiative, entgegen, schließlich seien die finanziellen Mittel der Initiative im Vergleich zu großen Etats der Wirtschaftsunternehmen höchst bescheiden gewesen. Aber gerade an diesem Punkt müsste natürlich eine Kritik am Konzept der EXPO ansetzen.
Das Motto der kommenden EXPO 2005 in der japanischen Provinz Aichi lautet "Die Weisheit der Natur". Eine Erfahrung der EXPO 2000 mit dem Motto "Mensch, Natur, Technik" nehmen die Macher vielleicht mit: Wirklich neue Wege in die Zukunft der Menschheit waren kaum zu erkennen. Die Entwicklungsländer freuten sich über den Sympathiegewinn bei den EXPO-Besuchern. Deutschland hat nach Ansicht der EXPO-Manager ein besseres Image im Ausland erhalten. Und das war natürlich das wichtigste Ziel der EXPO.
Annette Hornung ist freie Journalistin in Berlin.
AHor714983@aol.com

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