E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 3, März 2000, S. 87)


Schülern nicht nur Faktenwissen eintrichtern
In Afrika unterstützt die DSE Reformen bei den Prüfungsverfahren in Primarschulen

Udo Bude


Primarschullehrer verwenden eine Vielzahl von Methoden, um festzustellen, was und wie ihre Schüler gelernt haben. Eine sinnvolle Beurteilung des Lernerfolgs erfordert Informationen und Daten aus verschiedenen Quellen und darf sich nicht allein auf schriftliche Tests beschränken. Denn aussagefähige Leistungsbeurteilungen sollten die gesamte Bandbreite der im Curriculum angestrebten Lernziele umfassen und nicht nur Faktenwissen abfragen. Es muss auch geprüft werden, ob die Schüler gelernt haben, komplexere Sachverhalte zu analysieren und Probleme zu lösen.

Seit 1992 hilft die DSE-Zentralstelle für Erziehung, Wissenschaft und Dokumentation Ländern im östlichen und südlichen Afrika dabei, die Qualität ihrer Test- und Prüfungsverfahren für die Sachkundefächer (Naturkunde, Umwelterziehung, Gesundheitserziehung und Landwirtschaft) in den Primarschulen zu verbessern. In vielen Ländern der Region prägen Inhalt und Art der alles entscheidenden Prüfungen am Ende der Primarschulzeit - also nach sechs bis acht Jahren Schule - auch den Unterricht in den letzten Primarschuljahren. Es ist daher schwer, neue Unterrichtsmethoden einzuführen, die selbständiges Arbeiten und Partizipation der Schüler fördern. Werden jedoch die Prüfungsfragen so geändert, dass auch analytische und Problemlösungsfähigkeiten getestet werden, müssen die Lehrer im Unterricht entsprechende Lehrmethoden anwenden, um gute Prüfungsergebnisse zu erhalten. Bildungsreformer weisen schon länger darauf hin, dass sich die Qualität des Unterrichts durch Änderungen der Prüfungen verbessern lässt.

Testaufgaben, deren Lösung keinerlei Problembewusstsein erfordert, verlangen vom Schüler z. B. lediglich, einen Satz zu ergänzen, etwa: „Das einzige Lebewesen mit einem beweglichen Oberkiefer ist das ......“ Sinnvoller sind solche Aufgaben, die ein Problem schildern (z. B.: „Der Bauer stellt fest, dass seine Maiskolben viel zu klein und ihre unteren Blätter gelb verfärbt sind. Was soll er tun?“), für das der Schüler die richtige Lösung finden muss.

In Zusammenarbeit mit ihren Partnern in der Region führte die DSE 1992 und 1994 zwei Fortbildungsseminare durch, auf denen Experten aus Prüfungsämtern und Curriculum-Instituten ihre Erfahrungen und Probleme bei der Entwicklung sinnvoller Prüfungsfragen austauschen konnten. Dabei wurde vor allem auf die Sachkenntnis und die Erfahrungen in Kenia zurückgegriffen, die wertvolle Impulse zur Reform nationaler Prüfungssysteme in anderen Ländern der Region gaben. Aus diesem Grunde fanden beide Veranstaltungen in Kenia mit Unterstützung des Kenya National Examinations Council und des Kenya Institute of Education statt. Im Verlauf der folgenden Jahre entwickelte sich aus dem Teilnehmerkreis dieser Fortbildungsseminare ein Netzwerk, dass bislang durch die DSE koordiniert wurde. Die Zusammenarbeit im Rahmen dieses Netzwerks entwickelte sich in fünf Stufen:

  • Zunächst tauschten Experten für den Bereich Sachkunde in der Primarschule aus Curriculum-Instituten und Prüfungseinrichtungen ihre Erfahrungen aus, um Möglichkeiten und Grenzen zur Entwicklung von Prüfungsfragen zu erörtern, die auch Problemlösungsfähigkeiten testen.
  • Nach Evaluierung der ersten Fortbildungsveranstaltung zur Entwicklung von Prüfungsfragen wurde ein weiteres Seminar als praktische Übung konzipiert und durchgeführt. Die Teilnehmer erarbeiteten anhand des kenianischen Curriculums Testfragen und erprobten diese in sechs Schulen. Bei diesen praktischen Übungen lag der Fokus auf der Entwicklung solcher Testfragen, die höherrangige intellektuelle Fähigkeiten prüfen sollen. Es soll außerdem verhindert werden, dass Schüler aufgrund bestimmter Merkmale (Herkunft, Geschlecht) benachteiligt oder dass Vorurteile (z. B. gegenüber Mädchen) transportiert werden.
  • Seit 1996 bringt die DSE jährlich eine Sammlung von Prüfungsfragen aus 12 Ländern der Region heraus.
  • Auf Grundlage der Erfahrungen und Materialien aus den beiden Fortbildungsseminaren entstanden 1998 zwei Handbücher, die die Prüfverfahren zum Primarschulabschluss in der Region dokumentieren und, als Beispiele, komplette Prüfungsbögen sowie Beiträge zur Reform von Primarschulprüfungen in Kenia enthalten. An einem praktischen Beispiel behandeln die Handbücher außerdem ausführlich alle Aspekte der Entwicklung und Auswertung von sinnvollen Prüfungsfragen im Sachkundebereich und können dadurch gut für Fortbildungsmaßnahmen genutzt werden.
  • Auf einem Nachkontaktseminar 1998 in Berlin diskutierten die Netzwerkmitglieder ihre Erfahrungen mit der Anwendung der Handbücher bei Fortbildungsveranstaltungen. Ferner wurden weitere Reformen der Prüfungsverfahren erörtert und internationale Trends zur Leistungsbeurteilung in der Primarschule durchgesprochen. In Gruppenarbeit wurden die Prüfungsfragen verschiedener im Netzwerk vertretener Länder analysiert. Zwei bis vier solcher „Peer Reviews“ pro Land werden seither regelmäßig durchgeführt und der jährlichen DSE-Veröffentlichung von Prüfungsfragen beigefügt.

    Im Laufe dieses Jahres will die DSE die Arbeit des Netzwerks evaluieren; in 2001 will sie die Mitglieder erneut zu einem Erfahrungsaustausch einladen. Dann sollen die Ergebnisse der Evaluierung zur Diskussion gestellt werden mit dem Ziel, die Verantwortung für die Koordination und Ausgestaltung des Netzwerkes in afrikanische Hände zu legen.

    Durch den intensiven Erfahrungsaustausch der Verantwortlichen hat sich in den beteiligten Ländern seit Beginn der DSE-Initiative die Qualität der Prüfverfahren in Primarschulen deutlich verbessert. Dennoch bleibt weiterhin viel zu tun, damit sich auch die Qualität des Unterrichts entsprechend verbessert. Das ist letztlich nur durch Initiativen zu schaffen, die aus der Region kommen.


    Weitere Informationen: DSE-Zentralstelle für Erziehung, Wissenschaft und Dokumentation, Tulpenfeld 5, 53113 Bonn; Tel.: 0228/2434-5, Fax: -766, E-mail: zed@dse.de, Internet: www.dse.de/zed/zed.htm



    E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit,
    herausgegeben von der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)

    Redaktionsanschrift:
    E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit, Postfach, D-60268 Frankfurt
     
     

  • Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Seitenanfang Seitenanfang
    Deutsche Stiftung für internationale EntwicklungEntwicklungspolitisches ForumInternationales Institut für JournalismusFachgruppe BildungInformationszentrum Entwicklungspolitik (IZEP)Fachzentrum für Internationale Wirtschafts-, Finanz- und SozialpolitikZentralstelle für AuslandskundeFachgruppe Öffentliche VerwaltungZentralstelle für gewerbliche BerufsförderungFachzentrum für Ernährung, Ländliche Entwicklung und Umwelt (ZEL)Fachgruppe Gesundheit


    Copyright © 1999, DSE, letzte Änderung 06.03.2000