E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 4, April 2001, S. 108)


Anschluss gesucht
Der größte Teil der Weltbevölkerung muss ohne neue Medien auskommen

Uwe Afemann


Zwar breitet sich das Internet schneller aus als jedes andere Medium zuvor. Doch am größten Teil der Weltbevölkerung ist diese Entwicklung bislang vorübergegangen. Der "digitale Graben", also die Kluft zwischen der informationstechnologischen Ausstattung in den Industrieländern einerseits und den Entwicklungsländern andererseits, scheint unüberwindbar. Auch der Einsatz neuerer Technologien in Entwicklungsländern, wie Mobilfunk, verschafft lediglich der wohlhabenden städtischen Bevölkerung Zugang zu den globalen Informationsströmen. Dagegen werden die ländlichen Regionen vor allem in Afrika und Südasien noch lange auf Anschluss warten müssen.


"Everyone, everywhere should be enabled to participate in and no one should be excluded from the benefits of the global information society." Dieses ehrgeizige Ziel formulierten die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrieländer und Russlands (G8) auf ihrem Gipfeltreffen im Sommer 2000 im japanischen Okinawa (www.g8kyushu-okinawa.go.jp/) . Die "Okinawa Charter on Global Information Society" fordert die bi- und multilateralen Geber dazu auf, gemeinsam mit der Privatwirtschaft den "digitalen Graben" zwischen Norden und Süden zu schließen bzw. wenigstens zu verkleinern - eine Herkulesaufgabe und eine ungeheuer teure dazu, wie im Folgenden verdeutlicht wird.



Wer hat Zugang zum Internet?

Das Internet breitet sich schneller aus als jedes andere Medium zuvor. Kurz nach seinem Start im August 1981 gab es nur 213 Internet-Server weltweit. Diese Zahl hat sich bis heute auf knapp 80 Millionen erhöht. Während sich die Zahl der Server zunächst jährlich verdoppelte, hat sich das Wachstum in jüngster Zeit verlangsamt. Mehr als eine Verdoppelung war in 1999 nur in Lateinamerika zu verzeichnen (Wachstum: 136 %), an zweiter Stelle folgte Nordamerika mit 74 %, an dritter Stelle Asien mit 61 %, dann Europa mit 30 %. Ein vergleichsweise niedriges Wachstum verzeichnete Afrika mit 18 %.

Gut 85 % aller Internet-Server befinden sich in den G7-Staaten, in denen 11 % der Weltbevölkerung leben. Dagegen stehen in den bevölkerungsreichsten Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas - China, Indien, Nigeria und Brasilien -, in denen 43 % der Weltbevölkerung leben, zusammen nur 0,75 % aller Server, wobei allein der Anteil von Brasilien bei 0,62 % liegt. In den meisten Entwicklungsländern gibt es volle Internet-Anschlüsse mit allen möglichen Diensten wie E-mail oder World Wide Web (WWW) nur in größeren Städten. Außerhalb der Metropolen beschränkt sich das Angebot zumeist auf E-Mail-Anschlüsse.

Im November 2000 waren weltweit 378 Millionen Menschen oder 6 % der Weltbevölkerung im Internet (siehe Grafik). Von den Nordamerikanern hatten 54 %, von den Deutschen 22 %, von den Chinesen nur 1,3 % und von den knapp 800 Millionen Afrikanern nicht einmal 0,4 % Zugang zum Internet. Von den gut drei Millionen Afrikanern mit Internetzugang kommen allein 1,8 Millionen aus der Republik Südafrika. In den anderen afrikanischen Ländern hat durchschnittlich nur einer von 10 000 oder 0,01 % der Bevölkerung Zugang zum weltweiten Datennetz.

Laut "Bericht zur menschlichen Entwicklung 1999" des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP, www.undp.org) gehören rund 93 % der Internet-Nutzer weltweit zu den reichsten 20 % der Weltbevölkerung, während die ärmsten 20 % auf einen Anteil von nur 0,2 % kommen.

Für einen Anschluss an das Internet braucht man eine Telefonverbindung, einen Computer mit Modem und elektrischen Strom. Die Erfüllung dieser Voraussetzungen - jeder einzelnen und erst recht aller drei zusammen - ist in den armen Ländern, zumal in ländlichen Regionen, die Ausnahme.


Die technische Dimension
des digitalen Grabens

So haben 80 % der Weltbevölkerung nicht einmal einen Telefonanschluss, und in 49 Ländern, davon 35 in Afrika, gibt es weniger als ein Telefon pro hundert Einwohner. Die durchschnittliche Telefondichte in den Entwicklungsländern beträgt 5,2 pro 100 Einwohner, während die Industrieländer auf eine Telefondichte von 54 kommen. Doch auch zwischen den Entwicklungsregionen gibt es große Unterschiede: Lateinamerika kommt auf eine Telefondichte von immerhin 10,2, im Nahen Osten und in Nordafrika liegt der Wert bei 6,5, in Ostasien und der Pazifik-Region bei 4,1. Schlusslichter sind Südasien und Afrika südlich der Sahara mit Telefondichten von jeweils nur 1,4. Rund 90 % aller Telefonanschlüsse in Afrika südlich der Sahara befinden sich in Südafrika.

Innerhalb der Entwicklungsländer gibt es zudem ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Die meisten Telefonanschlüsse gibt es in den Städten und davon die Mehrzahl wiederum in den Hauptstädten. So befinden sich 50 % aller Anschlüsse in Afrika in den Hauptstädten des Kontinents, obwohl dort nur etwa 10 % der Bevölkerung leben. In Südasien, wo die meisten Menschen (in Relation zur Gesamtbevölkerung) auf dem Land leben, ist das Gefälle zwischen städtischer und ländlicher Telefondichte mit 7 zu 1 am größten (siehe Tabelle 1).

Verschlimmert wird die Situation zusätzlich durch die im Durchschnitt schlechte Qualität der Telefonleitungen, denn Internet über Telefon ist nur bei guter Leitungsqualität möglich. Ein Maßstab zur Messung der Qualität eines Telefonnetzes sind die jährlichen Störungen pro 100 Anschlüsse. Nach Angaben der Economic Commission for Africa (ECA, www.uneca.org) von 1999 beträgt der entsprechende Wert für die Industrieländer sieben, der für die gesamte Welt 22 und der für Afrika südlich der Sahara 116.

Auch die große Mehrzahl der Computer weltweit steht in den Ländern des Nordens, zwei Drittel allein in den G7-Staaten. Nach den jüngsten verfügbaren Angaben der International Telecommunication Union (ITU, www.itu.int) besaßen 1999 in den USA 51 % der Bevölkerung einen Computer, in Europa (inklusive Transformationsländer) waren es 14,6 %, in Asien 2,5 % und in Afrika 0,88 %. Und in Indien, dem Land, das immer wieder als Musterbeispiel dafür angeführt wird, dass auch arme Länder von den neuen Medien profitieren können, hatte 1999 lediglich die winzige Minderheit von 0,33 % einen Computer.

Auch die dritte Voraussetzung für einen Internetanschluss - eine hinreichende Stromversorgung - ist in Entwicklungsländern selten erfüllt. Charakteristisch sind vielmehr die Instabilität der Stromversorgung, häufige Stromausfälle in den Städten und das völlige Fehlen von Elektrizität auf dem Lande. Jeder Dritte weltweit muss ohne elektrischen Strom auskommen; in Afrika haben 70 % der Landbevölkerung keinen Zugang zu Elektrizität; in den indischen Bundesstaaten Bihar und Westbengalen sind nur 15 von 100 Häusern an das Stromnetz angeschlossen; der Pro-Kopf-Verbrauch an elektrischer Energie ist in den reichen Industriestaaten mehr als zehnmal so hoch wie in allen Entwicklungsländern zusammen und mehr als 100mal so hoch wie in den am wenigsten entwickelten Ländern.


Mobilfunk - die Alternative?

In der Diskussion darüber, wie denn der digitale Graben zwischen Nord und Süd am schnellsten zu schließen sei, wird immer wieder das Argument vorgebracht, die armen Länder sollten auf den langwierigen und teuren Auf- bzw. Ausbau des Festnetzes verzichten und gleich auf den Mobilfunk, sprich Handies, setzen. Tatsächlich wächst die Zahl der Handynutzer in vielen Entwicklungsländern deutlich schneller als in den Industrieländern: So hat sie sich in Afrika von 1998 bis 1999 mehr als verdoppelt, während sie in Deutschland um knapp 69 %, in Dänemark um gut 36 % und in den USA nur um gut 24 % gestiegen ist. In Relation zur Zahl der Festnetzanschlüsse hat das Handy in vielen armen Ländern schon heute eine vergleichbar große Bedeutung wie in den Industrieländern. Andererseits ist auch dieser Boom vorwiegend auf die Metropolen in den Entwicklungsländern beschränkt. Denn auch der Mobilfunk ist auf eine teure technische Infrastruktur angewiesen: In Deutschland gibt es 40 000 Sendestationen zur Weiterleitung von Mobilfunksignalen. Ein Land wie Kongo-Kinshasa auch nur annähernd flächendeckend mit terrestrisch übertragenem Mobilfunk auszustatten ist technisch zwar möglich, erscheint allerdings angesichts dieser Zahl nicht finanzierbar. Es wundert daher nicht, dass die Kluft zwischen der Handydichte in den Industrieländern und den Entwicklungsländern ähnlich groß ist wie bei Festnetzanschlüssen - von einem Handy pro 100 Einwohnern in Afrika bis zu 65 in Finnland.

Für Internetanschlüsse, die alle denkbaren Dienste anbieten, taugt der Mobilfunk deshalb (noch) nicht, weil die Übertragungsrate mit 9,6 Kilobits pro Sekunde (kbps) zu niedrig ist. (Über einen normalen analogen Telefonanschluss können bis zu 56 kbps übertragen werden.) Statt Handies lassen sich aber auch andere Datenübertragungsverfahren per Funk nutzen. Funkstationen für Verbindungen mit einer Datenübertragungsrate von 2 bis 10 Megabits pro Sekunde (Mbps) bis zu einer Entfernung von 4 bis 5 Kilometer kosten ca. 1500 US-Dollar, für Verbindungen bis 20 km kosten sie bis zu 3500 Dollar. Verbindungen mit einer Übertragungsrate von 1,2 bis 56 Kbps im VHF-Bereich (VHF: Very High Frequency) erfordern Investitionen von 500 bis 1000 Dollar und liegen damit im Bereich der Kosten für einen konventionellen Telefonanschluss. Kurzwellenverbindungen mit einer Übertragungsrate von maximal 2,4 Kbps (also bestenfalls für E-mail tauglich) kosten pro Station 7000 bis 8000 Dollar. Hier können, je nach geographischen Gegebenheiten, Entfernungen bis zu 70 km überbrückt werden.

Müssen aber größere Datenmengen übertragen oder sehr große Entfernungen überbrückt werden, dann benötigt man eine Verbindung über Satelliten, entweder über geostationäre (GEO) oder Low-earth-orbit-Satelliten (LEO). Geostationäre Satelliten umkreisen die Erde nicht, sondern bewegen sich in einer Höhe von rund 33 000 km mit der Erdrotation und decken daher immer dasselbe Gebiet ab, aus dem sie zu jeder Zeit erreichbar sind. Eine Empfangs- und Sendestation für einen GEO-Satelliten kostet ca. 30 000 Dollar. Die monatlichen Gebühren für eine 128-Kbps-Verbindung belaufen sich auf einen Betrag zwischen 3000 und 5000 Dollar. Der Betrieb solcher Stationen erfordert besonders ausgebildetes Personal.

Die tieffliegenden LEO-Satelliten umkreisen die Erde in 800 km Höhe und sind daher aus dem Überfluggebiet immer nur für etwa 15 Minuten erreichbar. Verbindungen über einzelne LEO-Satelliten werden deshalb nur für die Übermittlung von E-Mails genutzt; ein LEO-Satellit fungiert sozusagen als fliegende Mailbox. Eine Empfangs- und Sendestation kostete 1997 zwischen 4500 und 6000 Dollar. Die amerikanische NRO Volunteers in Technical Assistance (VITA) nutzt diese Technik für ihre Arbeit in entlegenen Gebieten.

In Afrika, z. B. im Gebiet der Großen Seen, am Horn von Afrika, in Angola und in Mosambik, nutzen Organisationen wie das World Food Program (WFP, www.wfp.org), das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF, www.unicef.org) und die britische Hilfsorganisation OXFAM (www.oxfam.org) Hochfrequenzwellen (HF) zur Übertragung von Internet-Daten. Im Gebiet der Großen Seen gibt es zur Zeit 55 HF-Stationen, um E-mails zu ihrem Bestimmungsort weiterzuleiten. Die Kosten pro Station betragen 10 000 Dollar; darin ist weder ein Computer noch ein Drucker enthalten. Die Weiterleitung der Daten erfolgt nicht automatisch, der Betrieb der Stationen erfordert daher ausgebildetes Personal. Zudem ist die Übertragungsgeschwindigkeit sehr gering.

Durch eine Weiterentwicklung dieses Mailingsystems über VHF und UHF (UHF: Ultra High Frequency) konnten die Kosten pro Station auf 1000 Dollar gesenkt werden. Außerdem ist jetzt eine Übertragungsgeschwindigkeit von 19,2 kbps möglich. Über VHF bzw. UHF sind Verbindungen über 50 bis 60 km möglich.

In Goma in Kongo-Kinshasa bietet der ugandische Internet-Provider Bushnet (www.bushnet.net) den Dienst an, Briefe per E-Mail über HF-Modems nach Kampala in Uganda und von dort aus weiter in alle Welt zu verteilen. Die Gebühren sind mit mehr als zwei Dollar pro DIN-A4-Seite noch sehr hoch, der Vorteil ist jedoch, dass überhaupt Briefe verschickt werden können.


Was kostet es, knapp die
Hälfte der Weltbevölkerung
zu verdrahten?

Die Übersicht hat gezeigt, dass die drahtlose Telekommunikation noch weit davon entfernt ist, in Entwicklungsländern eine kostengünstige Alternative zu Festnetzen darzustellen. Was es andererseits kosten würde, in Nigeria, Indien, China und Brasilien, wo zusammen rund 43 % der Weltbevölkerung leben, eine dem Weltdurchschnitt entsprechende informationstechnologische Infrastruktur mit 15 stationären Telefonanschlüssen und ebenso vielen Computern pro 100 Einwohnern aufzubauen, zeigt Tabelle 2.

Der Modellrechnung liegen Investitionskosten in Höhe von 1000 US-Dollar pro Telefonanschluss im städtischen und 5000 Dollar im ländlichen Bereich zugrunde - gemessen an Angaben der ITU sind diese Beträge eher niedrig angesetzt. Als Kosten für einen Computer mit Modem wurden 1500 Dollar angesetzt. Dabei gilt es zu bedenken, dass in vielen Entwicklungsländern hohe Zollgebühren auf Luxusgüter zu zahlen sind. Nach Angaben von UNDP muss der Durchschnittsverdiener in Bangladesh acht Jahresgehälter für den Kauf eines Computers investieren, ein US-Amerikaner dagegen nur ein Monatsgehalt. Nicht berücksichtigt in der Rechnung sind eventuell anfallende Kosten für eine Elektrifizierung.

Einen interessanten und relativ kostengünstigen Weg zur Internetanbindung haben sich indische Ingenieure ausgedacht. Sie wollen das parallel zur indischen Eisenbahn verlaufende Kabelnetz zur Datenübertragung nutzen. Da durchschnittlich alle acht Kilometer ein Bahnhof samt Kommune vorhanden sei, ließen sich die Kosten für eine flächendeckende Anbindung stark reduzieren. In Südindien wurde bereits ein erstes Pilotprojekt gestartet. Zwei Probleme machen den Indern jedoch Sorgen: Zum einen ist die Versorgung mit elektrischer Energie auf dem Land sehr schlecht, zum anderen mangelt es an Kaufkraft der potenziellen Internetnutzer. Sie haben einfach kein Geld für Computer. Und sie hätten vermutlich kein Geld, die Betriebskosten für einen Internetanschluss zu begleichen, die im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen in den Entwicklungsländern naturgemäß viel höher sind als in den Industrieländern: Sie reichen von 1,2 % des Pro-Kopf-Einkommens in den USA über knapp 70 % in Mosambik bis 118 % in Sierra Leone.


Öffentliche Telecenter statt
Individualzugänge
zum Internet?

Die Zahlen zur informationstechnologischen Infrastruktur in den Entwicklungsländern und die Summen, die aufgebracht werden müssten, um diese Infrastruktur signifikant zu verbessern, verdeutlichen, wie tief der digitale Graben zwischen Nord und Süd ist und welcher Anstrengung es bedarf, ihn zu überbrücken. Aus den vorhandenen öffentlichen Mitteln sind die benötigten Summen nicht aufzubringen, und trotz des zunehmenden Engagements vieler Telekommunikations-, Hard- und Softwarefirmen in Entwicklungsländern ist es kaum denkbar, dass die Privatwirtschaft dazu bereit ist, auch in solche Bereiche bzw. in solchen Regionen zu investieren, die auf nicht absehbare Zeit auf Zuschüsse angewiesen sind. UNDP schlägt daher als neue Finanzierungsquelle eine Steuer auf E-Mails vor: Durch eine Abgabe von nur einem US-Cent für 100 Mails könnten nach UNDP-Angaben jährlich 70 Milliarden Dollar eingenommen werden - Geld, das sich für Investitionen in den Informationssektor in Entwicklungsländern verwenden ließe. Einen ähnlichen Vorschlag hatten bereits im Februar 1994 die Vertreter internationaler NROs auf einer Konferenz in New Delhi gemacht.

Eine kostengünstige Alternative zum Individualzugang zu neuen Medien könnten öffentliche Zugänge sein: Cybercafés, Telecenter oder Cabinas Públicas, wie sie in vielen Entwicklungsländern seit einigen Jahren eingerichtet werden. Das UN-Generalsekretariat sieht in solchen Einrichtungen eine Chance, dass auch die Armen Zugang zum Internet und anderen Medien erhalten, und die einzige gangbare Alternative zum in den Industrieländern vorherrschenden Individualzugang. Die amerikanische National Telephone Cooperative Association (NTCA, www.ntca.org), ein Verband von ländlichen Telekommunikationsunternehmen und -kooperativen, beziffert die Investitionskosten zur Einrichtung eines Telecenters auf 40 000 bis 100 000 Dollar, für einfache Telefonläden auf 3000 bis 10 000 Dollar. Die laufenden Kosten schätzt die NTCA auf 35 000 bis 75 000 Dollar im Jahr.

Doch das Londoner Panos-Institut (www.oneworld.org/panos) warnt auch in Bezug auf Telecenter vor allzu großer Euphorie: "As with almost any development concerning the Internet, it is simply too early to assess the impact of these initiatives. However, there is little sign of telecentres being extended to areas where they cannot at least cover their own costs - and in most developing countries this means the urban wealthy areas."


Literatur:

ITU: Challenges to the Network. Internet for Development. Geneva 1999
www.itu.int/ti/publications/INET_99/ExeSum.htm
Mike Jensen: The Status of African Information Infrastructure. Addis Ababa 1999
www.un.org/Depts/eca/adf/codipap1.htm
Panos: The Internet and Poverty: Real Help or Real Hype? London 1998
www.oneworld.org/panos/briefing/interpov.htm
Daniel Stern: High Frequency E-Mail At Work in the Great Lake Region. Kampala 1998
www.uconnect.org/hfnetful.html
UNDP: Human Development Report 1999. Oxford 1999, ISBN 0-19-521562-1
UNDP: Human Development Report 2000. Oxford 2000, ISBN 0-19-521679-2
UN Secretary-General: Development and International Cooperation in the Twenty-first Century: The role of Information Technology in the Context of a Knowledge-based Global Economy. New York 2000 (ECOSOC-Document E/2000/52)
www.un.org/esa/coordination/ecosoc/document.htm



Uwe Afemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rechenzentrum der Universität Osnabrück.
Uwe.Afemann@rz.uni-osnabrueck.de



Multilaterale Sonderkommandos: "G8 DOT-Force" und
"UN ICT-Taskforce"

"Digitaler Graben" - das ist wohl der meistgebrauchte Begriff in der Debatte um Informationstechnologien und Entwicklung. Zwei "Spezialeinheiten" der Weltgemeinschaft sollen dazu beitragen, diesen Graben zwischen reichen und armen Ländern zu überbrücken. Die Gruppe der sieben reichsten Länder und Russland (G8) schufen auf ihrem letzten Gipfeltreffen im Juli 2000 im japanischen Okinawa die G8 Digital Opportunity Taskforce, kurz G8-DOT-Force. Ihr Auftrag ist es, eine Strategie und praktische Maßnahmen zur Überbrückung des "digitalen Grabens" zu formulieren. In der DOT-Force vertreten sind die G8-Länder, neun Entwicklungsländer, darunter Ägypten, Bolivien, Brasilien, China und Indien, die Wirtschaft, NROs, multilaterale Organisationen und globale Initiativen wie das World Economic Forum.

Die Zivilgesellschaft hat die Möglichkeit, die Entscheidungsfindung in der DOT-Force durch Stellungnahmen zu beeinflussen. Im Papier der deutschen NROs und Think Tanks heißt es u. a., langfristig solle die Förderung von Informationstechnologien Querschnittaufgabe in allen großen Entwicklungsprogrammen werden.

Auf dem diesjährigen G8-Gipfel im Juli in Genua soll die DOT-Force ihren Bericht vorlegen. Was danach mit ihr passiert, ist noch ungewiss. Offenbar will die Weltbank sie übernehmen. Eine andere Idee ist, sie in die UN-ICT-Taskforce zu integrieren. Dieses Gremium gibt es bislang nur auf dem Papier. Der UN Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) hatte letztes Jahr im Juli seine Einsetzung beschlossen. Im Herbst berief UN-Generalsekrtär Kofi Annan eine hochkarätig besetzte Beratergruppe, die Vorschläge für die Arbeit der Taskforce machte. Sie soll vor allem Partnerschaften zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur Überwindung des "digitalen Grabens" fördern und die Arbeit der UN-Organisationen im Bereich "Neue Medien" koordinieren. Außerdem soll sie einen Treuhandfonds für Projekte in diesem Bereich verwalten. Im September dieses Jahres soll die UN-Taskforce eingerichtet werden.
Tillmann Elliesen


"Digital Inclusion" - eine internationale Konferenz
der DSE

Wenn es nicht gelingt, die armen Länder an den Fortschritten in den Informations- und Kommunikationstechnologien teilhaben zu lassen, dann werden sie im Zustand von Armut und Instabilität verharren. Das war die These von BMZ-Staatssekretär Erich Stather, die er bei einem internationalen Politikdialog zum Thema "Digital Inclusion" vortrug, den das Entwicklungspolitische Forum der DSE zusammen mit der Bundesregierung vom 23. bis 24. Januar in Berlin veranstaltete. Rund 70 Experten diskutierten darüber, wie die digitale Spaltung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern überwunden und Letztere in die globale Informationsgesellschaft integriert werden könnten.

Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass die "digitale Revolution" nicht nur das klassische quantitative Entwicklungsgefälle zwischen entwickelten und weniger entwickelten Staaten verschärfe, sondern sie auf qualitativ unterschiedlich Entwicklungswege führe.

Bruno Lanvin, Vorsitzender der G8-DOT-Force, betonte, dass die Überbrückung der digitalen Kluft kein rein technologisches Problem sei, sondern auch Verbesserungen in den Bildungssystemen der Entwicklungsländer umfassen müsse. Entsprechend nannte Staatssekretär Stather als ein Schlüsselelement einer Strategie der "digitalen Inklusion" die Ausweitung des Zugangs zu Bildung auf allen Ebenen in den armen Ländern - von der Primarschule bis zur Universität. Dies sei die Grundlage dafür, dass die Bevölkerung Informationstechnologien überhaupt nutzen könne. Umgekehrt, so Stather, könnten Informationstechnologien dazu beitragen, die Reichweite von Bildung auszudehnen, etwa durch Ansätze wie "distance learning" oder "community based training".

Als weitere Schlüsselelemente nannte Stather wettbewerbsfreundliche politische und ökonomische Rahmenbedingungen, um Kapital und Technologien anzulocken, sowie eine Einbindung der Länder und Regionen im Süden in internationale Wissensnetzwerke und "scientific communities", damit sie am wachsenden Bestand von globalem Wissen teilhaben und zu dessen Weiterentwicklung beitragen können.
Joachim Müller

Ausführliche Informationen zur Konferenz sind im Internet zu finden unter: www.dse.de/ef/digital



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