E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 8/9, August/September 2002,
S. 252-253)

Auf der Schnellspur
Der Weltbank-Plan zur beschleunigten Umsetzung der Bildungsziele

Die Weltbank hat sich in jüngster Zeit intensiv mit dem Thema Grundbildung (Education for All, EFA) befasst, und sie hat dabei ihr bisheriges Paradigma, die Lösung liege in der Privatisierung, aufgegeben. Beim World Education Forum in Dakar im April 2000 war neben UNESCO die Weltbank die treibende Kraft, und ein Jahr später, am 8. April 2001, veranstaltete sie zusammen mit der niederländischen Regierung eine Grundbildungs-Konferenz in Amsterdam, die Accelerating Action towards EFA Conference. Hier wurden zwei wichtige Berichte diskutiert: "EFA: The Lessons of Experience. The Impact of Policy in 20 Case Studies", vorgelegt vom Education Department der Bank, und "Education for Dynamic Economies. Action Plan to Accelerate Progress towards Education for All", vorgelegt vom Development Committee der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Ziel der Konferenz war etwas, das zunächst als "Development Compact for Education" bezeichnet wurde und inzwischen "EFA Fast Track Initiative" heißt: ein Plan für die beschleunigte Umsetzung der Grundbildungsziele in solchen Ländern, die die besten Voraussetzungen dafür bieten. Am 9. Mai legte die Bank dafür ein Konzept vor: "Education for All (EFA) Fast Track Initiative". Am 12. Juni wurden die ersten 18 Länder für diese Initiative benannt. Wir dokumentieren Auszüge aus den entsprechenden Dokumenten.
EFA: The Lessons of Experience. Twenty Case Studies (April 2002)
1.1. Die Weltbank war einer der fünf Veranstalter der Konferenz über Grundbildung für Alle in Jomtien 1990 und der Weltbildungskonferenz in Dakar 2000. In den zehn Jahren dazwischen war die Bank die größte externe Finanzierungsquelle für Bildungsprogramme, mit einem Gesamtbetrag von 19,7 Mrd. US$. Ihre Kredite für Grundbildung in den fünf Jahren nach Jomtien waren um 500 % höher als in den fünf Jahren vorher (5,1 Mrd. im Vergleich zu 997 Mio. US$). In der Periode 1986-1990 waren 4,8% aller Weltbank-Kredite für Bildung gegeben worden; dieser Anteil stieg für 1996-2000 auf 7 %; der Anteil der Grundbildung daran stieg von 25,7 % auf 47 %. Die Bank steigerte auch ihre Unterstützung für Bildungsprogramme für Mädchen; fast die Hälfte der Bildungsausgaben zwischen 1995 und 2001 diente der Unterstützung von Programmen, die eine signifikante Mädchen-Komponente enthielten. Im konzessioinären IDA-Programm der Bank war der Anteil für Mädchen am höchsten in zwei Regionen, wo diese am stärksten benachteiligt sind: Afrika und Südasien.
1.2. Trotz dieser verstärkten Finanzierung - und trotz einiger tatsächlicher Erfolge - wurden die Ziele von Jomtien nicht erreicht, und viele Länder sind gegenwärtig nicht auf dem Weg, die noch ambitionierteren Ziele von Dakar zu erreichen. Dieses Dokument untersucht die Erfahrungen (lessons learnt) der letzten zehn Jahre, und es zieht dabei die Schlüsse aus 20 Fallstudien, um festzustellen, welche Fortschritte in der Erreichung der EFA-Ziele gemacht wurden; dies waren 9 thematische Studien und 11 Studien über Länder, die in einer oder mehreren Schlüsseldimensionen der EFA-Ziele Erfolg hatten. Die thematischen Studien galten den Themen Schulbau, Schulgebühren, Stipendien, Schulbücher, Lernerfolge, Konflikt- und Post-Konflikt-Länder, EFA-Planung und Mädchen-Bildung. Die implizite Frage, die das Dokument zu beantworten versucht, ist diese: Welche Gründe haben wir zu glauben, dass das Dakar-Konzept für EFA Erfolg haben kann, wenn frühere Konzepte keinen Erfolg hatten?
2.1. Auf die einfachste Formel gebracht, führen die analysierten Fälle zu zwei grundlegenden Überlegungen, die zu je länderspezifischen Antworten führen müssen: a) Wenn die EFA-Ziele erreicht werden sollen, muss die ungleiche Verteilung von Bildungsmöglichkeiten in einem Land verändert werden. Die EFA-Ziele können nicht erreicht werden, indem lediglich die Programme zur Ausweitung des Zugangs beschleunigt werden. b) Wenn die Ausweitung des Bildungssystems mit dem Ziel, mehr Kindern den Zugang zu gewähren, die Lernerfolge beeinträchtigt, dann wird auch das erreichte Ziel nur vorübergehend sein. Viele Entwicklungsländer scheinen zu wenig in Qualität investiert zu haben.
3.2 - 3.9. Aus den Fallstudien lassen sich sieben Schlüssel-Erfordernisse ableiten, die Entscheidungsträgern helfen können, einen erfolgreichen Kurs zu steuern:
a) Der politische Entschluss zur Durchführung von EFA;
b) Ein sektorweiter strategischer Rahmenplan für EFA;
c) Strategien zur effizienten Nutzung der Ressourcen;
d) Strategien zur speziellen Förderung von Benachteiligten;
e) Explizite Beachtung des Verhältnisses von Zugangsmenge und Qualität;
f) Beteiligung der lokalen Ebene an Entscheidungen und Verantwortung;
g) Planung für die Zukunft, damit das System überlebensfähig bleibt.
Education for Dynamic Economies. Action Plan (April 2002)
I. e. Wenn die Zielerreichung der EFA-Programme beschleunigt werden soll, ist es notwendig, vier Lücken zu schließen. Die Länder brauchen:
- eine Datenbasis von guter Qualität, um Fortschritte akkurat messen und überwachen und die Politik entsprechend informieren zu können;
- gesunde Sektorpolitiken, um die Vision eines robusten Erziehungssystems in die Praxis umzusetzen;
- leistungsfähige institutionelle Kapazitäten, um qualitätvollen Unterricht nachhaltig garantieren zu können;
- und angemessene nationale und externe Finanzierung, um Investitionen ebenso wie laufende Kosten decken zu können. Der Erfolg in der Schließung dieser Lücken wird vor allem davon abhängen, dass die Länder selbst die Verantwortung (ownership) für die EFA-Programme übernehmen.
VII. 32. Ein Entwicklungs-Vertrag für Bildung. Eine Schlüssel-Lektion aus den Erfahrungen zur Effektivität von Entwicklung ist, dass die Kapazität eines Landes zur produktiven Nutzung von Entwicklungsfinanzen abhängt von seinen Sektorpolitiken, seinen Institutionen und seiner Regierungsführung. Wo die Politik eines Landes in dieser Hinsicht befriedigend ist, da kann finanzielle Unterstützung ihre Effektivität in der Erreichung von Sektorzielen und in der Armutsbekämpfung entfalten. Dieser Aktionsplan ruft auf zu einem neuen Entwicklungs-Vertrag (development compact), unter welchem Regierungen ihr Bildungsengagement unter Beweis stellen würden durch Anstrengungen zu einer radikalen Reform ihres Bildungssystems, und externe Partner dafür finanzielle und technische Unterstützung auf transparente, voraussehbare und flexible Weise geben würden. Der Vertrag basiert auf der Prämisse, dass die Vermittlung von Grundbildung in die Verantwortung des Landes selbst fällt, dass aber einige Länder nicht in der Lage sind, nationale Mittel in der erforderlichen Höhe aufzubringen.
Education for All (EFA) Fast Track Initiative (May 2002)
1. Die EFA Fast Track Initiative gründet auf fünf "Durchbrüchen" der jüngsten Zeit, die hoffen lassen, dass die Erreichung der EFA-Ziele Wirklichkeit werden könnte:
- Ein neues Gefühl der Dringlichkeit, dass die globale Gemeinschaft sich nicht leisten kann, die Dakar-Ziele nicht zu erreichen. ...
- Zunehmende internationale Übereinstimmung über die Notwendigkeit, Entwicklungshilfe zur Erreichung der Millennium-Entwicklungs-Ziele (MDGs) aufzustocken. ...
- Ein entstehendes Entwicklungsparadigma, ... dass eine erfolgreiche Entwicklungsanstrengung ihren Antrieb nur im Lande selbst haben kann, aber zugleich Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft braucht. ...
- Die Einsicht, dass externe Entwicklungshilfe ihre Verlässlichkeit und Kohärenz verbessern muss, um ihre Wirkung zu steigern.
- Breite Übereinstimmung über eine Reihe von politischen und finanziellen
Parametern, die eine erfolgreiche
Bildungspolitik charakterisieren, und die als Indikatoren zur Evaluierung
der Bildungspläne der Länder dienen
können.
2. Die Fast Track Initiative soll das Ziel, dass bis 2015 alle Kinder, Jungen wie Mädchen, die Grundschule absolvieren, auf drei Wegen unterstützen:
- Die finanzielle Unterstützung soll mittels eines ergebnisorientierten Indikatorensystems an die Zielerreichung gebunden werden.
- Erfahrungsaustausch über Möglichkeiten der Beschleunigung unter allen Entwicklungsländern.
- Mobilisierung von finanzieller Unterstützung, um sicherzustellen, dass kein Land mit einem glaubwürdigen Programm dieses wegen Mangels an externer Hilfe nicht durchführen kann.
16. Die Kriterien, die für die Auswahl eines Landes in der Pilotphase vorgeschlagen werden, sind:
1) ein volles Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP), fertiggestellt oder kurz vor der Fertigstellung;
2) ein detaillierter Entwicklungsplan für den Bildungssektor. Der Grund für die Forderung eines PRSP ist, dass dieser sicherstellen kann, dass die unterstützten Politiken im Lande selbst konzipiert wurden und dass sie zum Ziel haben, Bildung für die Armen bevorzugt zu fördern.
Bank announces First Group of Countries for Fast Track
(June 12, 2002)
Die Weltbank lud heute 23 Länder ein, sich der EFA Fast Track Initiative anzuschließen ... . 18 der Länder ... erfüllen die Bedingungen, um zusätzliche Mittel zur Finanzierung ihrer Grundschulprogramme zu erhalten. Durch die Unterstützung dieser Länder ... werden 17 Millionen Kinder, die jetzt die Schule nicht besuchen, die Möglichkeit zu einer vollständigen Grundschulbildung erhalten. ...
First EFA Fast Track Countries
- Äthiopien, Burkina Faso, Gambia, Ghana, Guinea, Mauretanien, Mosambik, Niger, Sambia, Tansania, Uganda;
- Jemen, Vietnam;
- Bolivien, Honduras, Nicaragua, Guyana;
- Albanien
Die anderen 5 Länder (Indien, Pakistan, Bangladesch, DR Kongo, Nigeria) sind diejenigen mit den größten Zahlen von Kindern, die nicht zur Schule gehen. Hier leben 50 Millionen der weltweit 113 Millionen Nicht-Schulkinder. Die Weltbank und die Gebergemeinschaft werden mit diesen Ländern zusammenarbeiten, um die Lücken in Bezug auf Datenlage, Sektorpolitik und Kapazität zu schließen, damit sie die Bedingungen für die Aufnahme in die Fast-Track-Gruppe erfüllen. ...
Die 18 Länder der Fast-Track-Gruppe wurden ausgewählt nach intensiven Diskussionen mit Entwicklungsländern, Gebern und der Zivilgesellschaft. ...
Für weitere Informationen: Philipp Hay, 001-202 / 473-1796, phay@worldbank.org

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